Genießen ohne Männer

Männer bleiben draußen: Das  'Haus am Meer'  ist  eine Energiequelle ausschließlich für weibliche Gäste. Rahming
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Männer bleiben draußen: Das "Haus am Meer" ist eine Energiequelle ausschließlich für weibliche Gäste. Rahming

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06. April 2010, 09:40 Uhr

Rostock | Der Frühjahrswind treibt Wolken über den Himmel. Wo im Sommer die Menschen dicht an dicht im Sand liegen, spazieren jetzt nur einige Unermüdliche am Wasser entlang. Wenige Schritte hinter der Kante der Steilküste im Ostseebad Nienhagen steht eine weiße Villa - das "Haus am Meer". Hier empfängt Hildegard Benning ihre Gäste: ausschließlich Frauen. Sie führt das einzige Hotel in Mecklenburg-Vorpommern, in dem männliche Wesen nur bis zum Alter von zehn Jahren zugelassen sind. "Warum das denn, diese Frage kommt immer wieder", lächelt die Betreiberin. "Ich kann nur sagen: Wir sind kein Hotel gegen Männer, sondern eines für Frauen." Und der Erfolg gibt ihr Recht: Seit sie zu Weihnachten 2006 das Haus eröffnet hat, läuft das Geschäft "äußerst zufriedenstellend - geschäftlich wie mental", sagt sie. Hildegard Benning hat sich hier einen Lebenstraum erfüllt.

Eigentlich hatte ihr Vater einen ganz anderen Werdegang für sie und ihre beiden Schwestern vorgesehen. Während der Bruder den elterlichen Betrieb für Garten- und Landschaftsbau im westfälischen Münster übernehmen sollte, hätten die Mädchen Landespflege studieren, heiraten und im Unternehmen mitarbeiten sollen. Hildegard studierte zunächst Germanistik und Geschichte.

Ein neuer Anfang an der Küste

Wie so oft brachte ein kleiner Anlass die große Wende - in ihrem Fall ein Wochenendseminar zum Thema "Zukunft". Dort erschien in ihren Phantasien immer wieder ein Hotel. "Schon seit meiner Jugend fand ich Hotels spannend. Und ich hatte mehrmals reine Frauenreisen mitgemacht. Das war immer unkompliziert, das gefiel mir. So entstand die Idee des Frauenhotels", erzählt sie. Das Gute an dem Seminar: Die Teilnehmerinnen sollten sofort den ersten Schritt in die neue Zukunft formulieren. Für Hildegard Benning war dieser Schritt ein Spanischkurs. Denn ursprünglich wollte sie ihr Hotel an der Costa Brava eröffnen und hatte auch schon einige Objekte besichtigt. Doch plötzlich der Gedanke: Warum so weit weg? Warum nicht an der Ostsee?

Schnell kam sie über Lübeck und Plön nach Wismar und Boltenhagen, dann nach Kühlungsborn. "Diese Weite, die Felder und Wiesen, die Alleen - das hat mich ein bisschen an meine westfälische Heimat erinnert."

Im Ostseebad Nienhagen schließlich fand sie das "Haus am Meer" und wusste sofort, das ist es. Vor der Wende war es das Ferienheim des Fischkombinats Rostock gewesen, danach eine Pension, immer noch in recht gutem baulichen Zustand. Auf dem Grundstück standen auch noch vier Bungalows, allesamt Sanierungsfälle. Diese Bungalows wurden dann auch als Erstes erneuert. Schon sechs Monate nach dem Kauf konnte Hildegard Benning hier ihre ersten Gäste unterbringen. "Wenn man gerade sozusagen auf einer guten Spur ist, schafft man Dinge, an die man sonst nicht geglaubt hätte. Ich hatte damals das Gefühl, auf einmal steht mir eine Energie zur Verfügung, die ich jahrzehntelang vermisst habe." Nach und nach wurde auch das Haupthaus umgestaltet.

"Das war ein munterer Wechsel: Kaum war die Sommersaison vorbei, kamen die Handwerker."

Frauen unter sich

Der einzige Mann, der oft im "Haus am Meer" ist, gehört zum Hausmeister-Ehepaar. Ansonsten bleiben die Damen unter sich. Auch die drei anderen Angestellten sind weiblich.

Die Gästeschar ist bunt gemischt: Es kommen Frauenpaare, alleinerziehende Mütter mit Kindern, Freundinnen auf Wochenendtrip, Mütter und Töchter, alleinreisende Frauen. Schnell kommen die Gäste ins Gespräch, knüpfen Kontakte. Auch scheint die Kombination "Frauen und Ostsee" besonders gut zu funktionieren. Beispielsweise kommen viele Schweizerinnen nach Nienhagen, die ja eigentlich viel leichter das Mittelmeer erreichen könnten.

"Auf Frauenreisen geht es unkompliziert zu", hat Hildegard Benning selbst oft erlebt. "Es gibt keine Konkurrenz, kein Platzhirsch-Gehabe, keine Ausfälligkeiten. Frauen unter sich haben viele Probleme nicht. Ich glaube, dieses ständige Aufeinander-bezogen-Sein in Beziehungen macht viele Probleme. Deshalb kommen hier auch Frauen her, die mal ein paar Tage Pause von ihrer Ehe machen wollen."

Männer sind durchaus neugierig auf das Haus . Beim Tag der Offenen Tür kamen viele. Obwohl manche Nienhäger nicht sicher waren, ob es nun ein Rotlicht-Etablissement oder ein Frauenhaus ist. Nun haben sie es akzeptiert, das Hotel für Frauen.

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