Freilandversuche vor den Toren Rostocks auch im kommenden Jahr : Gen-Forscher der Uni machen weiter

„Wenn der Staat diese Lösungen nicht will, muss er andere finden.“ - Inge Broer, Versuchsleiterin
„Wenn der Staat diese Lösungen nicht will, muss er andere finden.“ - Inge Broer, Versuchsleiterin

Die Freilandversuche der Gentechnik-Forschungsgruppe der Universität Rostock waren im Jahr 2010 erfolgreich. Für 2011 ist die Fortsetzung der Versuche mit Kartoffeln, Weizen oder Tabak geplant.

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20. Dezember 2010, 10:10 Uhr

Groß Lüsewitz | Die Freilandversuche der Gentechnik-Forschungsgruppe der Universität Rostock waren nach Angaben der Versuchsleiterin, Inge Broer, im Jahr 2010 erfolgreich. "Es gab keine Zerstörungen der Versuchsfelder, die Ergebnisse waren nach gegenwärtigem Stand sehr zufriedenstellend", so Broer. Allerdings habe die Trockenheit einige Kulturen wie die Petunien negativ beeinflusst.

Für 2011 sei die Fortsetzung von Freilandversuchen in Groß Lüsewitz vor den Toren Rostocks mit Kartoffeln, Weizen oder Tabak geplant. Entsprechende Anträge seien bereits genehmigt oder im Genehmigungsverfahren.

Neben den Petunien seien beim Agrobiotechnikum in diesem Jahr gentechnisch veränderter Weizen und Kartoffeln angepflanzt worden. Bei den Freilandversuchen gehe es darum, festzustellen, wie die Pflanzen auf ihre Umwelt einwirken beziehungsweise wie sich die Pflanzen bei der Bildung von Inhaltsstoffen auf die Umwelt einstellen. Derzeit laufe ein Überwinterungsversuch mit Kartoffeln, sagte Broer. Es wurden Kartoffeln in verschiedenen Tiefen vergraben. Jeden Monat werden Proben genommen, um zu überprüfen, was nach der Frostperiode davon übriggeblieben ist. "Am Ende unserer Versuche kam bisher immer heraus, dass die gentechnisch veränderten Pflanzen kein höheres Risiko tragen als ihre herkömmlichen Verwandten. Leider wird das so kaum wahrgenommen", so Broer. Es sei Aufgabe der Gesellschaft zu entscheiden, ob Pflanzen mit neuem Erbgut großflächig und kommerziell angepflanzt werden oder nicht. Die Aufgabe der Forscher sei es, Lösungen zu entwickeln und deren Folgen zu untersuchen. "Wenn der Staat diese Lösungen nicht will, muss er andere finden, um auf die künftigen Herausforderungen durch die zunehmende Zahl von Menschen auf der Erde oder Klimaveränderungen reagieren zu können." Diese anderen Lösungen seien aber derzeit nicht ausreichend in Sicht.

Agrarminister Till Backhaus (SPD) ging Anfang dieser Woche davon aus, dass 2011 keine genveränderten Pflanzen kommerziell angebaut werden. Er wolle aber an der Forschung im Agrobiotechnikum festhalten. Bevor sich die Landwirtschaft von Konzernen abhängig mache, müsse das Land selbst Forschung betreiben. Die entscheidende Frage sei die Koexistenz zwischen genveränderten und herkömmlichen Pflanzen. Dazu müsse weiterhin geforscht werden. Dass der Markt mit "Gen-Pflanzen" von wenigen Saatgut-Firmen dominiert wird, wertet auch Broer als ein Problem. Deshalb habe sie die sogenannte Bio-OK-Initiative gegründet. "Damit sollen die Kosten für die Sicherheitsbewertung dieser Pflanzen so stark reduziert werden, dass auch kleinere Züchter ihre Pflanzen, die weniger Geld bringen, aber beispielsweise umweltfreundlich sind, auf den Markt bringen können."

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