Gemeinsam gegen Wohnungslosigkeit

von
11. April 2010, 07:30 Uhr

Rostock | Eine Arbeitsgruppe, die sich mit den Problemen von Obdachlosen in Rostock beschäftigt, soll noch in diesem Jahr entstehen. Darüber haben sich die Mitglieder des Sozial- und Gesundheitsausschusses verständigt. Vertreter der Bürgerschaftsfraktionen, der Stadtverwaltung und der Trägervereine der Obdachlosenhilfe sowie großer Wohnungsgesellschaften sollen dabei an einem Tisch zusammenkommen und gemeinsam an Lösungen für Probleme in der Obdachlosenhilfe arbeiten.

"Das ist notwendig geworden, weil wir in Rostock in eine neue Phase kommen", sagt Wolfgang Nitzsche (Linke), Vorsitzender des Sozialausschusses. Immer mehr Jugendliche und "Nichtbelastbare", also pflegebedürftige Obdachlose, seien auf die Wohnungslosenhilfe angewiesen.

Größte Schwierigkeit ist Komplexität der Fälle

"Nachdem in den vergangenen Jahren die Strukturen der Wohnungslosenhilfe in Rostock geschaffen wurde, hat der Betreuungsbedarf von Wohnungslosen nun eine völlig neue Qualität erreicht", so Nitzsche.

Intensivere und längere Betreuung sei nötig, sagt Nitzsche, auch nach dem Aufenthalt in einem Obdachlosenheim. Der Linkspolitiker möchte die Gründung einer solchen Arbeitsgruppe mit einem Bürgerschaftsbeschluss erreichen, "als Zeichen, dass sie politisch auf breiten Schultern getragen wird". Seine Fraktion werde einen entsprechenden Antrag in die kommende Bürgerschaftssitzung einbringen.

Bei den Trägern der Wohnungslosenhilfe in der Hansestadt trifft der Vorschlag auf offene Ohren. "An der gemeinsamen Arbeit sind wir auf jeden Fall interessiert", sagt Bärbel Hakendahl, Leiterin des Charisma-Projekts für obdachlose Frauen mit Sitz in Schmarl bei einem Treffen mit dem Sozial- und Gesundheitsausschuss. "Die größte Schwierigkeit, mit der wir zu kämpfen haben, ist, dass die Fälle immer komplexer werden. Unser Personal stößt an seine Grenzen", sagt Rolf Gauck, Ressortleiter bei der Rostocker Stadtmission.

In den von Gauck betreuten caritativen Einrichtungen nimmt die Zahl von alten und pflegebedürftigen Menschen zu. "Das Problem ist, dass die Wohnungslosenhilfe zum Auffangbecken für alle Menschen geworden ist, mit denen andere Einrichtungen nicht klarkommen", so Gauck. Alte Menschen, die körperliche und psychische Krankheiten und zumeist auch Suchtprobleme haben, fänden nirgendwo sonst einen Platz. Und ihre Betreuung erfordere besonderen Aufwand, so Gauck. Diese Beobachtung macht auch der in Toitenwinkel ansässige Verein Obdachlosenhilfe Rostock. Hier werden etwa 30 Prozent der im betreuten Wohnen Untergebrachten als "nicht mehr belastbar" eingestuft.

Zunehmend sind auch Migranten betroffen

Angestiegen ist hier auch die Zahl der Jugendlichen. Mittlerweile kommen 21 Männer und acht Frauen, die jünger sind als 27 Jahre, im Heim in der Albert-Schweitzer-Straße unter.

Eine weitere Schwierigkeit, mit der die Mitarbeiter des Vereins zunehmend konfrontiert sind: Immer mehr Menschen, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind, haben einen Migrationshintergrund - die Verständigung fällt deshalb schwer. Die Träger der Obdachlosenhilfe sind sich einig, dass diese Probleme so schnell wie möglich angegangen werden müssen - möglicherweise bald an einem Tisch mit Politik und Verwaltung.

Politische Unterstützung für die Träger gab es bereits mit einem aktuellen Beschluss der Bürgerschaft: In ihrer Sitzung zum Haushalt stimmte sie mehrheitlich einer zusätzlichen Streetworker-Stelle zu - 40 000 Euro sollen dafür in diesem Jahr bereitgestellt werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen