Gema bringt Kultur in Gefahr

Die Kulturlandschaft ist in Gefahr. Die Gema kündigt Tarif-Erhöhungen bis zu 600 Prozent in den kommenden fünf Jahren an. Für Veranstalter aus der Region - vom Dorffest bis zum Konzert - kommt das beinahe einem Todesstoß gleich.

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10. Juli 2009, 08:33 Uhr

Bützow/Schwaan | Maibaum-Einholen auf dem Bützower Marktplatz, eine Blaskapelle musiziert. 20 Euro Gema-Gebühren hatte die Stadt Bützow dafür in diesem Jahr abzuführen. Adventsmarkt in Bützow, Weihnachtslieder werden gespielt - 100 Euro Gebühren. Für eine Kabarett-Veranstaltung in der reformierten Kirche sind ebenfalls rund 100 Euro an die Gema zu zahlen.

800 Euro stellt Bützow jährlich für zu zahlende Gema-Gebühren in den städtischen Haushalt ein. Erhöht die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) die Tarife auf das Sechsfache, "wird das, was an Kultur da ist, auch noch kaputt gemacht", sagt Ute Skambraks. Sie ist in der Bützower Stadtverwaltung für die Organisation von Kulturveranstaltungen zuständig.

Schwarz sieht auch Erhard Finck, Bürgermeister in Bernitt, sollte sich die Gema mit ihren Forderungen durchsetzen. 100 bis 150 Euro Gebühr zahle man beispielsweise für Dorffeste. "Das muss erstmal erwirtschaftet werden. Auch ohne Gema ist das schon schwer genug und Kultur ein Zuschussgeschäft", sagt Finck. Die Folge einer Gebührenerhöhung wäre, "dass wir nicht mehr so viele Feste machen können", so Finck.

Betroffen sind nicht nur Vereine und Kommunen, sondern auch kommerzielle Veranstalter. "3000 bis 4000 Euro Gema-Gebühren zahlen wir jährlich", sagt Gunda Tkotsch von der Schwaaner "Sackgasse". Die Kulturschänke bietet regelmäßig musikalische Veranstaltungen an. "Sollten sich die Gebühren versechsfachen, brauchen wir nichts mehr zu organisieren", sagt Tkotsch. Gerade die kleinen Veranstalter treffe es am härtesten.

Die Gema selbst betont, dass die Tariferhöhungen den Urhebern zu Gute kommen. Sie seien an den stetig steigenden Umsätzen in der Konzertwirtschaft bislang zu wenig beteiligt worden.

Deutschlandweit formiert sich Protest. Gegner fordern eine Petition im deutschen Bundestag. Bis gestern hatte dieser Petitions-Antrag im Internet bereits über 95 000 Mitzeichner.

Die Initiatoren wollen die Gema nicht abschaffen, fordern aber, "dass das Handeln der Gema auf ihre Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz, Vereinsgesetz und Urheberrecht überprüft" und reformiert wird. Vorwurf der Kritiker: "Ein Großteil der gezahlten Gebühren verschwindet im Apparat Gema, aber geht nicht an die Künstler", sagt Gunda Tkotsch von der Schwaaner "Sackgasse".

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