Gelbe Karten gegen den Schnee

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24. Dezember 2010, 01:57 Uhr

Schwerin | "Ich bin auf den Rollator angewiesen und muss jeden Tag zum Arzt. Doch im Bereich Von-Stauffenberg-Straße 1 bis 10 ist kein Schnee geräumt", schreibt uns eine Leserin. Sie ist kein Einzelfall. Wie gut - oder schlecht - ist der Schweriner Winterdienst? Diese Frage beschäftigt jetzt die Stadtvertreter. Im Hauptausschuss wurde das Thema durchaus kontrovers diskutiert. "Fußgängerüberwege sind durch Schneewälle blockiert und an Kreuzungen sind die Ecken der Fußwege nicht geräumt", bemängelte Silvio Horn, Fraktionsvorsitzender der Unabhängigen Bürger. Stadtpräsident Stephan Nolte berichtete, dass sich viele Bürger mit Klagen an ihn gewandt hätten. "Die großen Einfallstraßen wie die Wismarsche oder die Lübecker sind nicht ausreichend vom Schnee befreit."

Dieser Aussage widersprach der fraktionslose Stadtvertreter Manfred Strauß. "Ich bin viel mit dem Auto unterwegs. Wenn man sich darauf einstellt, dass Winter ist, kommt man überall gut durch." Und die Fußwege sind nach Meinung von Gerd Böttger, Fraktionschef der Linken, im Prinzip auch gut zu begehen. "Ich bin fast täglich unterwegs vom Großen Dreesch in die Gartenstadt. Auf einer festen Schneedecke gibt es keine Probleme."

Auch die Betriebsleiterin der Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen Schwerin (SDS), Ilka Wilczek, lobte den Winterdienst. "Bisher hat alles gut funktioniert." Bis zum Dienstag seien die Fahrzeuge seit 26 Tagen im Einsatz. Dabei seien 590 Touren gefahren worden. "Wir haben keine Glätte auf den Straßen, alle Fahrbahnen sind verkehrssicher." Sie wies darauf hin, dass die Schweriner Straßen in die Klassen A, B und C eingeteilt seien. Je nach Priorität würden zuerst die Hauptstraßen und am Schluss die Wohnstraßen geräumt. Nach Wilczeks Ansicht geht diese Strategie auf. "Wir haben deutlich weniger Anfragen gegenüber dem Jahresanfang. In den vergangenen 26 Tagen haben sich 13 Bürger beim Beschwerdemanagement gemeldet. Nur bei jedem Zweiten ging es um den Winterdienst." Sie gab allerdings auch Schwierigkeiten zu. "In der Wismarschen Straße werden wir uns besser mit dem Nahverkehr abstimmen müssen. Es ist vorgekommen, dass der eine den Schnee auf die Trasse des anderen geschoben hat."

Vize-Oberbürgermeister Dr. Wolfram Friedersdorff machte deutlich, dass die Stadtvertreter schon vor Jahren für einen "weißen Winterdienst" in Schwerin votiert hätten. "Überall schwarze Straßen wird es nicht geben."

Der städtische Ordnungsdienst hat bisher nur neun Verstöße gegen die Räumpflicht auf Fußwegen vor Privatgrundstücken registriert. "Wir wollen aber nicht gleich den großen "Hammer" rausholen", sagte Ilka Wilczek. Derzeit fertigen wir Gelbe Karten mit Hinweisen für den Winterdienst, die zunächst an die Verantwortlichen verteilt werden." Friedersdorff wies jedoch darauf hin, dass bei ständigen Verstößen gegen die Räumpflicht auch Bußgeldverfahren eingeleitet werden.

Silvio Horn bezweifelte, dass es bisher nur neun Verstöße gegeben habe. "Wenn wir jetzt um das Stadthaus gehen, könnten wir sicher 20 Verstöße aufnehmen." Er forderte, den Ordnungsdienst für das Thema zu sensibilisieren.

"Auch für die nächsten Wochen ist der Winterdienst in Schwerin gesichert", sagte Ilka Wilzcek. Alle Fahrzeuge seien einsatzbereit und Streusalz sei ausreichend eingelagert. Allerdings lasse die Witterung es nicht zu, neue Schlaglöcher sofort zu schließen.

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