Gehlsdorf bangt um Archie

Vier Rotten mit jeweils 20 Tieren wühlen sich derzeit durch   Gehlsdorf.
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Vier Rotten mit jeweils 20 Tieren wühlen sich derzeit durch Gehlsdorf.

Ängstlich und verstört ist Archie. Nur mit viel Glück hat der Rüde den Zusammenstoß mit einem Keiler überlebt. Hund und Besitzer müssen bisher weiterhin mit der Angst im Nacken leben. Mit einem Brief an die Jagdbehörde wollen sie gegen Wildschweine in Gehlsdorf vorgehen.

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31. August 2009, 08:47 Uhr

Rostock | Das Schnüffeln im Gras wurde Archie zum Verhängnis. Der zweijährige Airedale Terrier ahnte nichts Böses, als er mit seinem Frauchen Angela Neumann gegen 8 Uhr morgens in Gehlsdorf auf dem Sportplatz vor der Schwimmhalle spazieren ging. "Ich hörte plötzlich ein aufgeregtes Grunzen und Schnaufen im Gras", erzählt die noch sichtlich geschockte Hundehalterin. Den Bruchteil einer Sekunde später schrie der junge Hund schmerzerfüllt auf.

Geistesgegenwärtig schnappte sich Angela Neumann ihren Vierbeiner und rannte in Richtung Straße. Mit Mühe zog sie Archie hinter sich her, bis er geschwächt anhielt. Erst jetzt konnte sie das ganze Ausmaß des Wildschweinangriffs erkennen. Eine riesige Wunde klaffte am Bauch des Rüden.

Tierarzt operiert Terrier ohne zu Zögern"Zum Glück kam uns mein Mann Günter mit dem Fahrrad vom Bäcker entgegen", sagt sie. Er holte das Auto und brachte die zwei verstörten Spaziergänger nach Hause. Nachdem sie den ersten Schreck überwunden hatten, ging es für Archie direkt zum Tierarzt. Sofort war klar, Archie musste in den OP.

"Der Keiler hat einen Zahn in Archies Bauch gestoßen", sagt die besorgte Hundenärrin. Um zu sehen, ob ihr haariger Liebling innere Verletzung davon getragen hat, mussten die Ärzte seine Bauchdecke zusätzlich öffnen. Nach schier endlosen Minuten gaben die Chirurgen Entwarnung. "Außer den zwei zehn Zentimeter großen Wunde, wurden Archies Organe nicht verletzt", erklärt sie, sichtlich beruhigt. Nun gilt es, die Verletzungen zu Nähen und Archies Schmerzen zu lindern. Fast 1000 Euro hat das Ehepaar für den Eingriff und die noch andauernde Nachbehandlung bis jetzt bezahlt.

Zwei Tage blieb der Airedale Terrier im Krankenhaus, um sich auszukurieren, bevor er wieder zu seinen Besitzern zurückkehren konnte. Was bleibt sind die seelischen Wunden, die wahrscheinlich viel langsamer Heilen, als die zwei Narben. "Er ist ängstlich, scheu und erschreckt sich schnell", berichtet der ebenso schockierte Halter Günter Neumann. Es wird lange dauern, bis Archie wieder Vertrauen fast. Mit seinen zwei Jahren, hat der Vierbeiner genug für ein ganzes Hundeleben durchgemacht.

Doch das Ehepaar Neumann, möchte diesen Vorfall nicht auf sich beruhen lassen. "Deshalb haben wir einen Brief an die Untere Jagdbehörde geschrieben und möchten, dass etwas getan wird", erklärt das Frauchen von Archie, dass sich selbst nicht mehr an die Warnow traut. Auch Nachbarn hätten laut der Hundehalterin die Wildtiere mehrmals gesehen und wollen, dass etwas unternommen wird. Aus Angst lassen einige im Garten das Radio die Nacht durchlaufen. "Wir möchten nicht, dass auch noch Kinder zu Schaden kommen", sagt Angela Neumann. Es ist nicht das erste Mal, dass Wildschweine im Osten Rostocks ihr Unwesen treiben. Im Januar verwüsteten die Tiere den Spielplatz am Fasanenholz in Toitenwinkel. Dem Forstamtsleiter Jörg Harmuth, sind die Probleme seit Längerem bekannt. Die Wildsauen finden Nahrung in Gärten und Mülltonnen. Nachdem im vergangenen Jahr 57 Borstentiere geschossen und nun ein Hund verletzt wurde, hoffen Anwohner auf eine Reaktion des Amtes.

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