Gemeindedreieck Rieps-Thandorf-Schlagsdorf : Gegenwind für Windpark-Projekt

<strong>Acht potenzielle Standorte für Windkraftanlagen</strong> weist die Analyse des  Projektbüros Naturwind aus. Alle Windräder sind mindestens 1000 Meter von Rieps entfernt. Das Gebiet darf nach geltendem Gesetz  jedoch nicht bebaut werden - noch nicht. <grafik>Naturwind</grafik>
Acht potenzielle Standorte für Windkraftanlagen weist die Analyse des Projektbüros Naturwind aus. Alle Windräder sind mindestens 1000 Meter von Rieps entfernt. Das Gebiet darf nach geltendem Gesetz jedoch nicht bebaut werden - noch nicht. Naturwind

Heftigen Gegenwind hat die Gemeinde Rieps für ihren Vorschlag bekommen, einen Windpark in der Region zur errichten. Gestern die Anwohner über die Möglichkeit informiert, sich am Bau von Windkraftanlagen zu beteiligen.

svz.de von
06. März 2013, 11:23 Uhr

Heftigen Gegenwind hat die Gemeinde Rieps für ihren Vorschlag bekommen, einen Windpark in der Region zur errichten. Bürgermeister Uwe Tollgreve und seine Amtskollegen informierten gestern im Rahmen einer Gemeindevertretersitzung die Anwohner über die Möglichkeit, sich am Bau von Windkraftanlagen im Gemeindedreieck Rieps-Thandorf-Schlagsdorf zu beteiligen. Unter den Anwesenden fand die Idee wenig Befürworter und wurde zum Teil hitzig kritisiert. Die größten Sorgen: Werteverluste der Grundstücke, Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes und Lärmbelästigung.

Das Projektbüro Naturwind, unter anderem mit Sitz in Schwerin, plant acht Windkraftanlagen von bis zu 134 Meter Nabenhöhe aufzustellen - in unmittelbarer Nähe zum Biosphärenreservat Schaalsee und Rieps. "Es wären auch zwölf Anlagen möglich gewesen, aber aufgrund der Bedenken der Gemeinde haben wir die Anzahl reduziert", berichtete Matthias Balck. Der Naturwind-Mitarbeiter stellte gestern die Rahmenbedingungen für das Projekt vor. So beträgt die Fläche, auf der die Windrädern gebaut werden sollen, knapp 90 Hektar. Jede der acht Anlagen wäre mindestens 1000 Meter vom nächstgelegenen Wohnhaus in Rieps entfernt.

So die Theorie. Denn in der Praxis darf der betreffende Bereich nicht bebaut werden. Er ist im Raumordnungsverfahren nicht zur Nutzung von Windenergie ausgewiesen. Noch nicht. Das könnte sich im Oktober ändern. Dann soll eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) in Kraft treten, die einen entscheidenden Einfluss auf den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland haben wird und damit auch in Mecklenburg-Vorpommern. Bisher stehen 0,7 Prozent der Landesfläche Mecklenburg-Vorpommerns für Windenergie zur Verfügung. Politisch gefordert sind 1,4 Prozent, berichtet Matthias Balck. So könnte auch das Gebiet im Gemeindedreieck künftig zur Bebauung freigegeben werden. "Rein technisch ist dies möglich", berichtete Matthias Kaulmann, Projektleiter von Naturwind, auf SVZ-Nachfrage.

Sollte dieser Fall eintreten, hat Rieps bereits Interesse signalisiert. Eine Anlage könnte auf dem Territorium der Gemeinde gebaut werden. Die Gemeinden Thandorf und Schlagsdorf könnten sich daran beteiligen, ebenso die Bürger und die Wemag, beispielsweise in Form einer Betreibergesellschaft.

Etwa fünf Millionen Euro würde eine Anlage nach heutigem Stand kosten. 20 Prozent der Aufwendungen müsste die Gemeinde aufbringen. Eine Investition in die Zukunft, so Bürgermeister Uwe Tollgreve, der sich davon zusätzliche Einnahmen verspricht. Denn der Kommune winken bis zu 40 000 Euro Pachteinnahmen im Jahr, darunter Zahlungen für Wegenutzung und Ausgleichsmaßnahmen. Dazu kommen Bezüge aus der Gewerbesteuer und dem Stromverkauf. "Wir müssen als Gemeinde neue Einnahmequellen finden, wenn wir weiter existieren wollen. Wir haben kaum Alternativen. Der Windpark wäre eine Möglichkeit. Ansonsten bleiben nur Steuererhöhungen", sagte Tollgreve.

Die Anwohner sind dagegen skeptisch. So äußerte ein Bürger Bedenken, dass die Grundstücke an Wert verlieren würden. Von bis zu 25 Prozent war die Rede. Naturwind-Mitarbeiter Balck konnte diese Angaben nicht nachvollziehen. Seinen Aussagen zufolge, gebe es kaum einen Wertverlust. Auch die Ängste, die Windräder sowie der dafür nötige Ausbau der Netze samt Umspannwerk würden das Landschaftsbild erheblich beeinträchtigen, versuchte Balck zu mindern. Die Verkabelungen würden unterirdisch verlegt und das Umspannwerk in der Nähe von Carlow gebaut werden, dort sei der Anschlusspunkt für die Einspeisung in das Stromnetz geplant. Der Kritik hinsichtlich einer Lärmbelästigung stellte Balck die strengen Bau-Richtlinien entgegen. So dürfen in einer Dorfgemeinschaft die Geräusche, die durch Windkraftanlagen verursacht werden, maximal 45 Dezibel in der Nacht und 60 Dezibel am Tag erreichen. "40 Dezibel: Das ist so laut wie ein normales Gespräch", erklärte Balck.

Bürgermeister Tollgreve versuchte ebenfalls die aufgebrachten Bürger zu beruhigen. Die gestrige Veranstaltung habe lediglich dazu gedient, das Projekt vorzustellen und die Meinungen und Fragen der Anwohner dazu einzuholen. "Die geäußerten Sorgen werden in die weiteren P lanungsschritte einfließen", sagte Tollgreve. Auch weitere Informationsveran staltungen seien geplant.

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