Gegen eine Pflege nach der Stoppuhr

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20. April 2010, 08:06 Uhr

Schwerin | "Wohin mit Oma?", fragte provozierend Landespastor Martin Scriba zu Beginn der Zukunftswerkstatt, zu der Kirche und Diakonie während der diesjährigen Woche für das Leben eingeladen haben. Er erinnerte daran, dass Pflege zu einem zu erwartenden Regelfall wird. Viele arbeiten und engagieren sich in der Pflege oder der Begleitung kranker Menschen. Aber herrschen dort gesunde Verhältnisse?

Diese Frage war Thema bei der "Denk-Bar" im "Centro Culinario". Die Teilnehmer brachten schnell die kritischen Punkte im Bereich der Pflege zu Sprache: Es ging um "Pflege nach der Stoppuhr" und darum, dass "Menschen an die Standards angepasst werden." Es fehlten die Privatsphäre und Rückzugsmöglichkeiten für den Einzelnen, die Ökonomie bestimme häufig das Handeln. Mit Fantasie ging es in der Zukunftswerkstatt auf die Suche nach Lösungswegen. Uta Loheit vom Amt für Gemeindedienst und Thomas Niemeyer von der Telefonseelsorge moderierten diesen Prozess gekonnt. "Ich bin überwältigt von den Ideen und Anregungen, die innerhalb so kurzer Zeit entstanden sind", sagte Annette Peters, Vorstandsmitglied beim Landesverband der Diakonie. "Mir zeigt es, dass es wichtig ist, dass viele Menschen über das Thema Pflege miteinander ins Gespräch kommen. Ich wünsche mir, dass auch Politiker, Einrichtungs- und Kostenträger gemeinsam mit Pflegenden und Gepflegten oder Angehörigen einen solchen Dialog führen würden", so die Geschäftsbereichsleiterin für Pflege beim Diakonischen Werk Mecklenburgs.

"Wie oft haben wir schon zusammengesessen und die Situation beklagt, ohne dass sich etwas grundlegend geändert hat", stellte resigniert eine Teilnehmerin mit Pflegeerfahrung fest. Damit die Ideen für Lösungsansätze nicht verloren gehen, nahm Landespastor Martin Scriba

konkrete Verbesserungsvorschläge zur weiteren Bearbeitung mit. "Die Ergebnisse dieser Zukunftswerkstatt sind für uns Arbeitsaufträge", sagte der Diakoniechef. Er werde jetzt die Diakonische Konferenz bitten, den Faden an dieser Stelle aufzunehmen.

Es bleibe abzuwarten, wann z. B. die Idee eines Sozialen Pflichtjahres für alle Menschen unter 30 Jahren, die Schaffung von finanziellen Anreizen für junge Menschen, die das Freiwillige Soziale Jahr absolviert haben oder ganz einfach Soziale Projekttage in der Schule, Realität werden.

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