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Lokales

11. Dezember 2017 | 04:59 Uhr

Gegen Abzocke wehren

vom

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erstellt am 18.Aug.2010 | 06:25 Uhr

Wittenberge/Liechtenstein | Dass unser Wittenberger Leser Bernhard Wika für seine zurückgesandte Ware von der Teleshop Versandhandels AG zunächst nicht den vollen Betrag erstattet bekam, ist kein Einzelfall. "Wir bestätigen, dass wir bisher rund 2300 Reklamationen erhalten haben", sagt Wilfried Pircher. Er leitet das Amt für Handel und Transport (AHT) der Liechtensteinischen Landesverwaltung und koordiniert die Ermittlungen gegen den Versandhandel.

Alle Beschwerden seien an die Firma weiter geleitet und im Interesse der Kunden erledigt worden. "Unser Ziel ist es jedoch, möglichst keine Kundenreklamationen mehr entstehen zu lassen", sagt Pircher. Seine Behörde habe der Teleshop AG mehrere Auflagen erteilt. So müsse deutlicher als bisher den Kunden der Endpreis inklusive aller Nebenkosten genannt werden. "Die Firma hat neuerlich zugesagt, die Call Center nochmals entsprechend zu schulen und anzuweisen", informiert Pircher.

Auch müsse der Rücktritt und die Rücksendung der Ware einfacher möglich sein. Eine Rücksendenummer müsse künftig dafür nicht mehr angegeben werden. Auch die versteckten Kosten durch die Hotlines sollen wegfallen.Pircher: "Die Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme der Kunden zum Unternehmen muss einfacher und kostengünstiger werden. Wir erwarten, dass die Kundenwünsche nach Rücküberweisung des vollen Rechnungsbetrages (ohne Abzüge), anstelle von Gutschriften, erfüllt werden. "

Falls nach Rücksendungen Rechnungen über Bearbeitungsgebühr in Höhe von etwa zehn Euro an die Kunden versandt werden, empfehlt das AHT diese nicht zu bezahlen, da das Unternehmen bei Nichtbezahlung keine Mahnungen dazu ausstellt. So laute jedenfalls die Aussage des Versandhandels gegenüber der AHT.

Um die Auflagen und Zusagen des Unternehmens zu kontrollieren, werde sein Amt weiterhin eingehende Beschwerden prüfen und neue Beschwerdegründe dem Unternehmen zur Überprüfung und zukünftigen Vermeidung übermitteln.

Rechtliche Schritte gegen das Unternehmen hat das Amt für Handel und Transport angekündigt: "Wir haben der Firma bis diesen Herbst einen Termin gesetzt, wonach deren Geschäftsabläufe bis zu diesem Datum so ausgestaltet sein müssen, dass es nur mehr in Ausnahmefälle zu Reklamationen kommt. Andernfalls werden alle rechtlichen Mittel ausgeschöpft um die vereinbarten Verbesserung durchzusetzen ", kündigt der Amtsleiter an.

Unsere Zeitung ist nicht das einzige deutsche Medium, dass sich mit den Abzockversuchen des Versandhandels befasst hat. Beiträge liefen in mehreren Fernsehsendern, unter anderem in der ARD, dem MDR und dem WDR. In der Sendung des WDR hatte Thomas Bradler, Jurist der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, betroffenen Kunden empfohlen, auf Auszahlung des vollen Betrages zu bestehen. Generell riet er im WDR, bei Unzufriedenheit mit einem Ferneinkauf das zweiwöchige Widerrufsrecht nach dem Fernabsatzgesetz in Anspruch zu nehmen. Dazu genüge es, dass Produkt in ein Paket zu packen, dazu einen Brief zu schreiben, dass man den Vertrag widerruft. Beides müsse per Einschreiben mit Rückschein an den Anbieter zurückgesandt werden. Laut einem aktuellen Urteil des Europäischen Gerichtshofes (AZ: C-511/08) müssen Verbraucher in so einem Fall keine Versandkostenpauschalen oder andere Gebühren zahlen.

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