Gefräßige Fischräuber auf dem Rückzug

Foto: ddp
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24. Juli 2012, 09:17 Uhr

Potsdam | Die Bestände des fischfressenden Kormorans in Brandenburg nehmen ab. Wie die staatliche Vogelwarte des Landesumweltamts mitteilte, gibt es in der Mark aktuell 1662 Brutpaare. Vor sechs Jahren waren es noch 2700. Ornithologe Torsten Ryslavy nennt als eine Ursache hierfür den Einfluss des Waschbären. Dieser dezimiere die Bestände. Gezielt gingen die Räuber in Kormoran-Kolonien, um sich Eier und Jungtiere zu holen.

Aber auch gezielte Vertreibungsaktionen durch den Menschen wie am Alten Wochowsee (Oder-Spree) hätten in den vergangenen Jahren mit für den Rückgang gesorgt, erläuterte Ryslavy. 2010 wurde nach Angaben des Landesfischereiverbandes (LFV) bei genehmigten Aktionen in der Brutzeit der Schlupf von fast 1000 Jungvögeln verhindert. "Es gibt aber immer noch zu viele Kormorane im Land", meinte Geschäftsführer Lars Dettmann.

Der Schaden durch Fischklau in Zuchtteichen belaufe sich im vergangenen Jahr auf knapp 700 000 Euro, 100 000 Euro mehr als noch ein Jahr zuvor. Einen Ausgleich durch den Staat gebe es für die Fischer nicht. Teichwirte könnten sich nur mit Vertreibungsaktionen wehren, betonte Dettmann. Netze über die Zuchtteiche zu spannen, komme nicht infrage - viel zu teuer. Ein Hektar Netz koste bis zu 20 000 Euro. "Wir bewirtschaften in Brandenburg aber eine Fläche von 2000 Hektar." Der Naturschutzbund (NABU) hingegen schlägt Alarm, weil der Kormoran-Bestand im Land nicht mehr groß genug für eine gesunde Vermehrung sei. "Notwendig ist eine Population von 2000 Brutpaaren", erklärte NABU-Landeschef Tom Kirschey. Als großen Erfolg bezeichnet er es deshalb auch, dass das Verwaltungsgericht Potsdam Ende 2010 entschieden hat, dass die schwarzen Vögel zumindest in Brandenburger Schutzgebieten in Ruhe gelassen werden müssen. Jedoch stören sich nicht nur Fischer und Teichwirte an Kormoranen.

Am Scharmützelsee regt sich aktuell auch bei Anwohnern und Wassersportlern Unmut: Eine Kolonie von 300 Brutpaaren hat sich neu angesiedelt. "Es stinkt nach Ammoniak, und die Wasserqualität leidet unter den Tieren. Sie koten alles voll. Das ist kein schöner Anblick für unsere Kurgäste", sagte der Bad Saarower Erhard Radzimanowski. "Ich habe das mal durchgerechnet", ergänzte der Hobbyangler. "Wenn die Vögel jeden Tag ein halbes Kilo Fisch verdrücken, dann fliegt im Jahresverlauf fünf Tonnen Vogelkot in unseren See. Das ist unerträglich." Radzimanowski verlangt Gegenmaßnahmen. So ließen sich doch die Bäume auf acht bis neun Meter stutzen. "Dann würden es sich die Kormorane überlegen, ob sie hier weiter nisten."

"Schlechtere Wasserqualität durch Vogelkot können wir nicht bestätigen", sagte dagegen Karoline Witte vom Umweltamt des Landkreises Oder-Spree. Natürlich leide die Vegetation auf der Insel. Aber das sei nun einmal in der Natur so und müsse im Vogelschutzgebiet hingenommen werden, heißt es. Außerdem seien die schwarzen Vögel nicht neu in der Region. NABU-Chef Kirschey: "Die Kormorane sind einfach vom Alten Wochowsee an den Scharmützelsee umgezogen, um den Waschbären aus dem Weg zu gehen."

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