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Lokales

18. Oktober 2017 | 02:26 Uhr

Gefangen im "Frankfurter Trichter"

vom

svz.de von
erstellt am 25.Okt.2012 | 09:28 Uhr

Frankfurt | Blaulicht gleich aus einem halben Dutzend Kontrollfahrzeugen zuckt gestern im Morgengrauen über die Autobahn 12. Zoll- und Polizeifahrzeuge fahren ab der Autobahn-Auffahrt Müllrose in Richtung deutsch polnische Grenze keilförmig über die zwei Fahr- und die Standspur, so dass kein Wagen daran vorbei kommt. Sie bremsen den nachfolgenden Verkehr, führen ihn vor der nächsten Auffahrt auf einer Spur zusammen. Vorn sortieren Polizeiordner - Pkw dürfen weiterfahren, Laster werden auf den benachbarten früheren Vorstauplatz geleitet. "Frankfurter Trichter" nennt sich diese Einsatzmethode, bei der verhindert wird, dass sich Trucker untereinander rechtzeitig über Funk vor der Kontrolle warnen können. Binnen einer Viertelstunde ist die Aktion auf der A 12 beendet - für Polizisten und Zöllner beginnt jedoch jetzt erst die eigentliche Arbeit.

Erfunden wurde der "Frankfurter Trichter" von Zöllnern der Oderstadt, die auf diese Weise schon häufiger Transporter im Pulk von der Autobahn holten, um sie gut sortiert durch ihre Containerprüfanlage fahren zu lassen. Dabei handelt es sich um ein überdimensionales Röntgengerät, dass die im Schritttempo durch einen blauen Metallbogen rollenden Laster durchleuchten. In einem benachbarten Container sitzen Zöllner vor zwei Monitoren, die offenbaren, ob auf der Ladefläche eventuell etwas verstaut ist, was dort - zumindest laut den offiziellen Frachtpapieren nicht hingehört.

"Die seit 2004 betriebene Anlage erleichtert unsere Arbeit enorm - allerdings kontrollieren wir damit normalerweise Transporter, die über die polnisch-deutsche Grenze eingereist und auf dem Weg gen Westen sind und eventuell Schmuggelgut dabei haben", erklärt Zollbetriebsinspektor Renne Müller die eigentliche Aufgabe des Zolls. Zum zweiten Mal leistet die Finanzbehörde sozusagen Amtshilfe für die Polizei-Soko "Grenze", die zur Bekämpfung des massiven Autoklaus gegründet wurde. Und so werden Brummis, die in Richtung Grenze fahren, bei dieser Gemeinschaftsaktion, in die gut 200 Beamte involviert sind, durch die Röntgenanlage geschickt. "Gestohlene Wagen werden von den gut organisierten Diebesbanden meist nicht im Ganzen nach Osteuropa gebracht, sondern zerlegt. Diese Einzelteile lassen sich am effektivsten auf den Ladeflächen von Lastern verstecken", sagt Timo Lück, Sprecher der Soko "Grenze". Allerdings werden über diese wichtigste Ost-West-Trasse auch zahlreiche legale Transporte ganzer Autos oder von Fahrzeugteilen gebracht. Insofern gilt es, genau hinzuschauen. Insgesamt 62 Laster werden bei der gemeinsamen Polizei-Zoll-Aktion durchleuchtet und bei geringstem Verdacht zusätzlich geöffnet und nochmals kontrolliert - Transporter voller Spielzeug, Plastikgranulat, Baumaterial oder Schweinehälften. Metall ist mehrfach auf dem Röntgen-Monitor zu entdecken, doch die Bleche, Bremsscheiben oder Teile von Windrädern haben ordnungsgemäße Papiere.

Diebesgut entdecken die Beamten nicht, allerdings andere Delikte und Verstöße: Drei mit Haftbefehl gesuchte Polen wurden vorläufig festgenommen, ein mit Auto-Schrott komplett überladener ukrainischer Kleintransporter aus dem Verkehr gezogen. Hinzu kommt ein gutes halbes Dutzend Transporter, bei denen die Ladung nicht ordnungsgemäß gesichert ist, die Reifen komplett abgefahren, Ersatzreifen gar total zerschlissen sind und die damit eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer darstellen.

Die nicht kontrollierten Pkw erleben spätestens nach dem Überqueren der Oder einen Zwangsstopp. "Hinter der Grenze warten die polnischen Kollegen. Sie haben ihre Komplexkontrollen mit unserem Einsatz heute abgestimmt", sagt Soko-Sprecher Lück.

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