Gefahren ins Auge schauen

Philipp Augustinowski muss auch jetzt noch zu regelmäßigen Kontrollen in die Klinik oder zum Augenarzt. Er hatte sich in der vergangenen Silvesternacht schwer verletzt.
Philipp Augustinowski muss auch jetzt noch zu regelmäßigen Kontrollen in die Klinik oder zum Augenarzt. Er hatte sich in der vergangenen Silvesternacht schwer verletzt.

Raketen steigen in den Nachthimmel, an jeder Ecke krachen Böller. Auch die Schweriner werden das neue Jahr heute Abend gebührend empfangen. Wie schnell der Spaß bitterer Ernst werden kann, hat Philipp Augustinowski Silvester vergangenen Jahres an eigenem Leib erfahren. Fast hätte er sein Augenlicht verloren. Die Ärzte der Helios-Kliniken konnten dies zwar abwenden, warnen aber vor leichtfertigem Umgang mit Knallkörpern.

von
31. Dezember 2008, 10:20 Uhr

Schwerin | Beim Zünden eines Böllers wurde Philipp Augustinowski bei der Silvesterfeier im vergangenen Jahr von einem herumfliegenden Stück Draht gefährlich am Auge verletzt. Drei Operationen in der Augenklinik der Helios-Klinikenin sicherten ihm das wertvolle Augenlicht. Doch Verletzungen durch Böller oder Raketen können schlimmste - manchmal auch irreparable - Schäden verursachen. "Mit Feuerwerk muss sachgemäß und vorsichtig umgegangen werden", sagt Prof. Dr. Frank Wilhelm, Chefarzt der Augenklinik.

Es war eine Silvesterfeier, wie sie vielerorts gefeiert wurde. Zumindest bis 12 Uhr. "Wir sind vor die Tür gegangen, um uns das Feuerwerk anzugucken", erinnert sich Philipp Augustinowski. "Überall fing es an zu knallen, wir standen in einer Gruppe. Plötzlich spürte ich einen stechenden Schmerz im Gesicht, fasste hin und fühlte, dass da was war."

Was Philipp Augustinowski mit den Fingern ertastete, war ein Stück Draht, das unterhalb des Auges im Gesicht steckte. Der Schock war groß, sofort wurde der Notarzt gerufen. Zur Behandlung kam er in die Helios-Kliniken.

"Der Fremdkörper war oberhalb des Wangenknochens eingetreten und das Ende steckte im Auge", berichtet Alexandra Stein, Fachärztin in der Augenklinik und damals aufnehmende Ärztin. "Es kam durch den Draht zu Einblutungen im Auge und einem Netzhautriss", so Dr. Cornelia Werschnik, Leitende Oberärztin in der Augenklinik, die Philipp Augustinowski am gleichen Tag operierte.

Insgesamt waren drei Operationen notwendig, um Augustinowski das Augenlicht zu retten. "Seine volle Sehstärke erreicht er nur noch mit einer Brille", so Dr. Werschnik. "Aber er hat Riesenglück gehabt. Das hätte auch anders ausgehen können."

Anders heißt zum Beispiel: Netzhautablösung, Linsenverletzung, Aufplatzen des Augapfels bis hin zur Erblindung oder sogar Verlust des Auges. "Bei so schweren Knallkörper-Verletzungen bleibt immer ein Schaden am Auge zurück. Durch die Druckwelle und die Hitze kommt es zu enormen Verbrennungen oder Zerreißungen", sagt Prof. Wilhelm. "Allein im vergangenen Jahr hatten wir zehn Fälle von Verletzungen durch Feuerwerk, die wir stationär bei uns in der Augenklinik aufnehmen mussten."

Die Gründe liegen auf der Hand: unsachgemäßer Umgang mit dem Feuerwerk, leichtsinniger Gebrauch, oft unter Alkoholeinfluss. "So manch einer verwendet selbstgebastelte Böller und Raketen oder billige Ware. Da sind Unfälle fast programmiert", so Prof. Wilhelm. Am schlimmsten sei es jedoch, wenn Unbeteiligte betroffen sind: Kinder oder auch junge Menschen wie Philipp Augustinowski. "Ich hatte nichts getrunken an dem Abend und auch keinerlei Feuerwerk gekauft. Ich stand einfach nur zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort", erinnert sich dieser.

Auch jetzt muss er noch zu regelmäßigen Kontrollen in die Klinik oder zum Augenarzt. Damit es heute niemandem so ergeht wie Philipp Augustinowski, rufen die Ärzte der Helios-Kliniken alle Feuerwerkbegeisterten auf, Vorsicht und Verantwortungsbewusstsein am Silvesterabend walten zu lassen. Prof. Wilhelm: "Der Spaß muss darunter überhaupt nicht leiden."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen