Gefängnis-Hunde von der Leine

Drei Strafgefangene üben auf dem Gelände der JVA in Bützow mit den Labradoodle Ben, Wotan und Pacco. Erstmals in Deutschland wurden Hundewelpen von Gefangenen geschult.
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Drei Strafgefangene üben auf dem Gelände der JVA in Bützow mit den Labradoodle Ben, Wotan und Pacco. Erstmals in Deutschland wurden Hundewelpen von Gefangenen geschult.

Wotan, Pacco und Ben sind wieder auf freiem Fuß. Die drei Labradoodle, die seit Jahresanfang in der Bützower Haftanstalt lebten, werden jetzt zu Behindertenbegleithunden ausgebildet. Eine Fortführung des deutschlandweit einmaligen Resozialisierungs-Projektes für Gefangene in der Bützower JVA scheitert am Geld. Auch andere deutsche Haftanstalten zeigen unterdessen Interesse.

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17. September 2009, 11:09 Uhr

Bützow | Der Kinofilm "Underdogs" wurde in Bützow Wirklichkeit. Regisseur Jan-Hinrik Drevs erzählt in dem Streifen die Geschichte des verschlossenen und gewalttätigen Häftlings Mosk (Thomas Sarbacher), der im Rahmen eines Resozialisierungs-Programmes einen Welpen zum Blindenhund ausbilden soll. Die Filmaufnahmen entstanden teilweise in der Bützower Haftanstalt, hier feierte der Streifen im Sommer 2008 auch Premiere (wir berichteten).

Zwei Jahre lang suchte die Kynos-Stiftung, die deutschlandweit Behindertenbegleithunde ausbildet, nach Paten hinter Gittern und traf in Bützow auf offene Ohren. Justizministerin Uta-Maria Kuder erklärte am Rande der Filmpremiere von "Underdogs", ein solches Projekt sei in Bützow "denkbar".

Zu Jahresbeginn war es dann soweit. Wotan, Pacco und Ben, drei Labradoodle-Welpen - eine Kreuzung aus Labrador und Großpudel - kamen ins Bützower Gefängnis. Aufgabe der Häftlinge - Paten genannt - war es, "ihnen Grundgehorsam beizubringen und die Hunde zu sozialisieren", erklärt Petra Kolbe von der Kynos-Stiftung. Das sei den Gefangenen gut gelungen. "Sie sind sehr liebevoll und verantwortungsbewusst mit den Tieren umgegangen", so Kolbe. Wenngleich die Ausbildung hinter Gittern auch Probleme mit sich brachte. Regelmäßig holten Helfer der Stiftung die drei Hunde ab, um sie außerhalb der Anstalt auszuführen. "Sie müssen auch Straßenlärm und andere alltägliche Dinge in Freiheit kennenlernen", sagt Petra Kolbe. Einfacher wäre dies mit Häftlingen im Freigang gewesen. Dennoch sei das Projekt hinter Gittern ein voller Erfolg. "Wir würden es gern weiterführen", sagt Monika-Maria Kunisch, Sprecherin des Schweriner Justizministeriums. Auch die Kynos-Stiftung denkt an eine Fortführung. Dies scheitert momentan jedoch am Geld. 20 000 Euro seien nötig. "Wir können kein zweites Projekt finanzieren", sagt Petra Kolbe. Das müssten Justiz oder Sponsoren übernehmen.

Die Kynos-Stiftung, die eine Ausbildungsstation in Rostock-Warnemünde betreibt, bildet jährlich etwa acht Begleithunde aus. Zu Beginn leben die Tiere zunächst in Patenfamilien, in diesem Fall in der JVA. "Es ist nicht einfach, Paten zu finden", sagt Kolbe. Auch deshalb sei man weiter an einer Zusammenarbeit mit der Justiz interessiert, dann allerdings eher mit Langzeit-Häftlingen, die mehr als einmal einen Hund in Pflege nehmen und möglicherweise selbst zu Begleithunde-Trainern ausgebildet werden. "Auch andere Haftanstalten haben inzwischen Interesse bekundet, u.a. in Berlin und Rheinland-Pfalz", erzählt Petra Kolbe.

Die drei Bützower Labradoodle werden jetzt von professionellen Trainern weiter ausgebildet. Ben in Sachsen für die Therapie mit Kindern, Pacco als Behinderten-Begleithund in Rheinland-Pfalz und Wotan im Landkreis Parchim als Blindenhund. "Für ihn suchen wir noch einen Klienten", erzählt Petra Kolbe.

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