Gefährlichem Klimagas auf der Spur

<fettakgl>Chemiestudentin Stine Thomas</fettakgl> (23) aus Rostock hilft an Bord des Forschungsschiffes 'Maria S. Merian' beim Packen der Kisten und Koffer. <foto>Irene Burow</foto>
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Chemiestudentin Stine Thomas (23) aus Rostock hilft an Bord des Forschungsschiffes "Maria S. Merian" beim Packen der Kisten und Koffer. Irene Burow

svz.de von
30. Juli 2010, 08:04 Uhr

Warnemünde | Das modernste deutsche Forschungsschiff, das FS "Maria S. Merian", hat für wenige Stunden in seinem Heimathafen Rostock festgemacht. Heute sollten die Leinen wieder gelöst werden. Ziel ist die Ostsee, wo die Wissenschaftler potenzielle Methanquellen unter die Lupe nehmen wollen.

Das Schiff, das gerade von Malta gekommen ist, wurde gestern in Warnemünde für diesen Törn ausgerüstet. Kapitän Friedhelm von Staa, der an Deck das Geschehen verfolgte, bezeichnet das erst 2006 in Dienst gestellte Schiff als eine "Plattform der Wissenschaft". "Die Arbeit hier an Bord ist sehr interessant", sagt der 61-Jährige. Er kommt aus der Hochseefischerei und ist bereits 25 Jahre als Kapitän auf den Weltmeeren unterwegs. "Bei der Fischerei haben wir Netze zu Wasser gelassen. Jetzt bin ich dabei, wenn Forschungsgeräte ins Meer tauchen", sagt der Fahrensmann. Er trägt die Verantwortung für 23 Besatzungsmitglieder und ebenso viele Wissenschaftler während der Reise.

Zu deren Wohlbefinden an Bord trägt Waldemar Arndt entscheidend bei. Der Schiffskoch wartete gestern Vormittag auf reichlich Proviant, bevor er einen Landgang unternahm. "Warnemünde gefällt mir gut. Hier könnte ich leben", sagt Arndt. Seit 1971 arbeitet er als Smutje. Gestern empfahl er Linseneintopf, Kesselgulasch und eine leichte Hühnerbrühe.

Gut ausgerüstet, nimmt das 94,80 Meter lange und 19,45 Meter breite Schiff, das vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) betreut wird, jetzt Kurs auf bekannte Lagerstätten von Methan, das als gefährliches Klimagas gilt . An der Expedition unter Leitung des Warnemünder Meereschemikers Prof. Gregor Rehder beteiligt sich eine internationale Gruppe von Meereschemikern, marinen Mikrobiologen und Meeresgeologen. Die Wissenschaftler wollen sich konkret den Methangas-Vorkommen in den Ostsee-Sedimenten widmen. Neben der Erfassung des aktuellen Eintrags von Methan im Ostseewasser und in der Atmosphäre geht es auch um mögliche Veränderungen der Methan-Lagerstätten durch Erhöhung der Wassertemperatur bei fortschreitender Anreicherung von Nährstoffen. Antwort suchen die Wissenschaftler auf die Frage: Ist das Methangas eine zusätzliche Gefahr für das Weltklima oder im stabilen Gleichgewicht?

Mit Hilfe eines Fächer-Echolots, das Gasblasen in der Wassersäule erkennt, mit einem Sediment-Echolot, das in Schichten am Meeresgrund hineinsehen kann, und mit Sensoren, die den Methangehalt im Wasser bestimmen, werden Vorkommen im Arkona-, Bornholm- und Gotlandbecken, vor der Stolper Rinne, in der Botten-See und in der Botten-Wiek erfasst und beschrieben. Zudem werden Schwerelot und Kerngewinnungssysteme eingesetzt, um Sedimentkerne aus den untersuchten Gebieten zu entnehmen. Die Expedition, die in drei Wochen, am 22. August, endet, ist Teil des internationalen Forschungsprojektes Baltic Gas, das von dem dänischen Mikrobiologen Bo Barker Joergenssen koordiniert und von einem Ostsee-Netzwerk von Forschungsförderinstitutionen finanziert wird.

Ein weiteres Forschungsschiff wird am 21. August in Warnemünde erwartet. Die 1951 im VEB Roßlauer Schiffswerft gebaute "Prof. Albrecht Penck" soll dann feierlich in den Ruhestand geschickt werden.

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