Gedenken an KZ-Befreiung

Auch zahlreiche ehemalige Häftlinge legten in Sachsenhausen Kränze nieder. Foto: Georg-Stefan Russew
Auch zahlreiche ehemalige Häftlinge legten in Sachsenhausen Kränze nieder. Foto: Georg-Stefan Russew

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18. April 2010, 09:03 Uhr

Oranienburg | Rund 2500 Menschen haben gestern in Brandenburg der Befreiung der Konzentrationslager Ravensbrück und Sachsenhausen vor 65 Jahren gedacht. An der Festveranstaltung in Sachsenhausen nahmen neben rund 300 KZ-Überlebenden auch die Bundestags-Vizepräsidenten Petra Pau (Linke) und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) teil.

Unter den Gästen war auch der Präsident des Internationalen Sachsenhausen-Komitees, Roger Bordage. Der Franzose unterstrich den besonderen Charakter der Gedenkveranstaltungen in Sachsenhausen. Sie würden die Arbeit der Überlebenden strukturieren. "Durch die Analyse des Schreckens, die an diesen Tagen immer wieder stattfindet, werden die jungen Generationen aufgeklärt. Zudem müssen sie die Mechanismen verstehen, wie es überhaupt zur Errichtung eines faschistischen Systems kommen konnte", betonte Bordage. "Die Vergangenheit ist Bestandteil der Gegenwart. Darum ist es uns auch sehr wichtig, dass in der Erinnerung 1945 nicht haltgemacht wird. Die Jahre von 1945 bis 1950 sind ebenfalls Bildungsauftrag", sagte der Präsident des Sachsenhausen-Komitees.

"Die Schuld, die an Orten wie Sachsenhausen begangen wurde, ist unauslöschlich. Trotzdem stehen wir gemeinsam hier und sind fähig zum Gespräch, zum kollektiven Erinnern. Das ist einer der größten gemeinsamen Leistungen - 65 Jahre nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft", sagte Platzeck. Die Entwicklung von internationalen Gedenkstätten ist vor allem den Überlebenden zu verdanken. "Sie haben Sachsenhausen und andere ehemalige Lager zu authentischen Stätten des Erinnerns gemacht", betonte der Ministerpräsident. Weil die Zahl der Zeitzeugen permanent abnimmt, müsse Sachsenhausen zu einem zeithistorischen Museum weiterentwickelt werden.

Kritisch äußerte sich dagegen Roger Bordage, dass die Ringmauer noch immer nicht aus der Gedenkstätte entfernt worden ist. Diese ist zu DDR-Zeiten ohne Absprache mit den Überlebenden eigenmächtig errichtet worden. In sie hinein sind Umrisse von abgerissenen Baracken eingelassen. Diese findet Bordage unerträglich. Dabei sei ihr Abriss und die Umgestaltung seit Jahren beschlossene Sache. "Diese Verzögerung könnte als eine tiefe Verachtung gegenüber den Opfern und den Überlebenden interpretiert werden. Wir fordern alle Beteiligten auf, die Umgestaltung schnell zu beginnen", so Bordage.Unterstützung fand der Franzose bei Günter Morsch, dem Leiter der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten. "Die DDR hat mit der Ringmauer die Spezifität des Lagers absichtlich zu Nichte gemacht. Von daher ist die Umgestaltung überfällig", so Morsch. Wegen Geldmangel sei das Projekt zunächst auf Eis gelegt worden. "Nun ist das Geld da. Jetzt erwarte ich den Umbau", betonte der Stiftungsleiter. Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD) will sich in den nächsten 14 Tagen mit Fachleuten vor Ort beraten, wie man die alte Substanz der Baracken wieder zum Vorschein bringen kann.

Auf einer zentralen Gedenkveranstaltung im Konzentrationslager Ravensbrück nahm auch Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) teil. Mit Hinblick auf die geplante Gedenkstätte für die Opfer des benachbarten "Jugendschutzlagers" Uckermark sagte Platzeck, es werde zur Finanzierung eine angemessene Lösung gefunden.

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