Geburtenrate beim Storch im Sinkflug

Wenn man schon mal bei Familie Storch an die Tür klopft, kann man den Nachwuchs ja gleich mal vermessen und beringen. Hier vermisst Helmut Eggers den Schnabel des Jungstorches, bevor er ihn beringt.Thorsten Meier
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Wenn man schon mal bei Familie Storch an die Tür klopft, kann man den Nachwuchs ja gleich mal vermessen und beringen. Hier vermisst Helmut Eggers den Schnabel des Jungstorches, bevor er ihn beringt.Thorsten Meier

Den Störchen fehlt es in diesem Jahr an Nachwuchs. "Im Landkreis Ludwigslust wird es voraussichtlich ein Drittel weniger Jungstörche als 2008 geben",befürchtet der Betreuer des Bundesarbeitskreises Weißstorch, Helmut Eggers. Darauf ließen erste Zählungen an den Horsten schließen. Sechs Tage lang vermisst, beringt und zählt der Lübtheener den Storchen-Nachwuchs in luftiger Höhe.

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13. Juli 2009, 12:49 Uhr

Groß Bengerstorf | "Schade, wieder nur ein Junges im Nest", sagt Helmut Eggers enttäuscht. Den Störchen fehlt es in diesem Jahr einfach an Nachwuchs. Denn ihr größtes Problem ist der Mangel an geeigneter Nahrung für die Jungen, die im Gegensatz zu den Alttieren auf Insekten und Würmer angewiesen sind, welche die Alttiere vor allem in feuchten Wiesen und extensiv genutztem Grünland finden. Doch daran fehlt es immer mehr.

"Im Landkreis Ludwigslust wird es voraussichtlich ein Drittel weniger Jungstörche als 2008 geben", sagt der Betreuer des Bundesarbeitskreises Weißstorches. Das hätten bereits erste Zählungen an den Horsten ergeben. Sechs Tage lang wird der Lübtheener den Nachwuchs von Meister Adebar zählen, vermessen und beringen. Bis zum Flügge werden ab Mitte Juli wird sich sicherlich noch die eine oder andere Korrektur ergeben. An der Tatsache, dass der Bruterfolg in diesem Jahr auch in unserer Region unterdurchschnittlich ist, wird sich aber kaum etwas ändern. Genaue Ursachen für die unbefriedigende Bilanz werden nach Ende der Storchensaison zu erörtern sein. Schon jetzt aber ist klar, dass das (zu) späte Eintreffen einer größeren Anzahl von Storchenpaaren eine wesentliche Rolle gespielt hat. Ursächlich für den geringen Bruterfolg seien die schlechten Nahrungs- und Witterungsbedingungen. Aufgrund des trockenen Frühjahrs bekamen die Storchenküken zu wenig Futter, so dass einige bereits in den ersten Lebenswochen verhungerten.

"Ich habe eine schlechte Prognose im Hinterkopf und weiß nicht, ob wir den Bestand werden halten können", zeigt sich der 55-Jährige besorgt. Zwar seien Nisthilfen in ausreichender Menge vorhanden, doch die nützten nichts, wenn man dem Storch die Nahrungsgrundlagen entzöge. Intensiv betriebene Landwirtschaft mit vielen Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmitteln sei dem Bestand an Störchen nicht zuträglich. "Aber auch stillgelegte Flächen mit sehr hohen Gräsern und Unkräutern meiden die Störche, weil sie ihre Nahrung vom Boden aufnehmen und sie darin schlecht finden. Dagegen folgt der Weißstorch gern der Mähmaschine oder dem Pflug und frisst die Insekten, Engerlinge, Regenwürmer oder Mäuse, die heraus gepflügt werden."

Storchenpaare haben im Jahr durchschnittlich vier bis fünf Eier. Je nach Futtersituation entscheiden die Störche, welche Anzahl von Eiern ausgebrütet oder wie viel der geschlüpften Jungstörche aufgezogen werden können. "In diesem Jahr sind es entweder gar keine Jungtiere oder bestenfalls eines", sagt Eggers. Im letzten Jahr seien von den 91 Brutpaaren des Landkreises 65 erfolgreich gewesen, 26 hätten keine Jungen hochgebracht. Insgesamt 161 Jungstörche habe man 2008 registriert.

In den nächsten Tagen werden die jungen Weißstörche in ganz Deutschland beringt. Erst dann lässt sich die genaue Bilanz der Brutsaison 2009 ausmachen. Doch immerhin: Jetzt haben die Jungvögel das Schlimmste überstanden. Es ist davon auszugehen, dass die Jungvögel, die derzeit noch in den Nestern sind, überleben werden.

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