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Verwaltungsgericht muss noch entscheiden : Gastro-Schüler hoffen auf die Justiz

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Die Gastro-Ausbildung in Schwerin ist sehr gut, betonen die Azubis. Nur durch den fächerübergreifenden Unterricht, wie die Schweriner Berufsschule es praktiziert, sei eine hohe Ausbildung möglich.

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erstellt am 01.Jul.2011 | 09:00 Uhr

Schwerin | Die Landeshauptstadt reagiert mit Unverständnis auf die Entscheidung des Bildungsministeriums zur Verlagerung der Gastro-Ausbildung nach Parchim und Wismar. "Die Folge sind weitere Wege und höhere Kosten für eine Mehrzahl der Auszubildenden. Für das Gastgewerbe wird die Nachwuchssuche weiter erschwert", sagt Schuldezernent Dieter Niesen. "Wir werden daher alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um die Gastro-Ausbildung in Schwerin zu halten."

Das Bildungsministerium hatte wegen sinkender Schülerzahlen für die Ausbildung zu Köchen, Restaurant- und Hotelfachleuten in der Landeshauptstadt per Erlass angewiesen, dass mit Beginn des neuen Schuljahres in Schwerin keine neuen Azubis ihre Lehre beginnen dürfen. Sie müssen an die Berufsschule nach Wismar bzw. Parchim (wir berichteten).

Bereits im Vorfeld hatte die Stadt deshalb das Verwaltungsgericht eingeschaltet, um den Standort Schwerin zu erhalten. Offensichtlich wolle das Bildungsministerium den noch offenen Rechtsstreit durch geschaffene Fakten unterlaufen, so Dezernent Niesen. Die Begründung des Landes, zu notwendigen Kosteneinsparungen zu kommen, greife zu kurz und trage nicht. Die seitens der Landeshauptstadt als Schulträger bestehenden Kosten können dabei ebenso wenig betrachtet worden sein, wie die Tatsache, dass die Schülerzahlen dauerhaft für einen Standort in Westmecklenburg sprechen. Die Landeshauptstadt hatte zuletzt den Vorschlag einer Kooperation mit der Hansestadt Wismar unterbreitet. Niesen: "Die Interessen von Auszubildenden und Unternehmen müssen gewahrt und bewertet werden. Die für die Landeshauptstadt folgenschwere Entscheidung ist rechtlich nicht haltbar. Die Ausbildung in Gastronomie und Hotellerie ist für die touristische Entwicklung von existenzieller Bedeutung. Nach den Millioneninvestitionen für die Bundesgartenschau und in die touristische Infrastruktur nun diese wichtige Ausbildungsgrundlage zu entziehen, mindert die Zukunftsfähigkeit von Stadt und Region dauerhaft."

Das sehen auch die Schüler selbst so: "Wir fordern, dass das Urteil des Verwaltungsgerichtes abgewartet und erst dann ein Beschluss gefasst wird", sagen Jana und Hartwig stellvertretend für ihre Mitschüler. Den "Alleingang des Bildungsministeriums" verstehen die Azubis nicht. "Wir fragen uns, wie es in einem Rechtsstaat möglich sein kann, dass eine Gewalt der anderen in der Entscheidung vorgreift. Im Unterricht lernen wir, dass die Gewalten sich gegenseitig sowohl in Ländern, als auch auf Bundesebene kontrollieren."

Die Ausbildung in Schwerin ist sehr gut, betonen die Azubis. Nur durch den fächerübergreifenden Unterricht in Lernfeldern, wie die Schweriner Berufsschule es praktiziert, sei eine qualitativ hohe Ausbildung gewährleistet. "Anfangs war es schwer, eigenständig in Lernfeldern zu arbeiten, aber jetzt merke ich, dass ich auch in der Küche viel selbstständiger geworden bin und mich mehr einbringen kann", sagt beispielsweise Christine.

Und: "Die Gastronomie ist ein Berufszweig, in dem die Nähe zum Betrieb absolut notwendig ist", sagt Hartwig. "Zeitraubende und teure Fahrten zur Schule können wir nicht finanzieren. Daher würde die Verlegung der Gastro-Ausbildung unsere weitere berufliche Entwicklung negativ beeinträchtigen." Außerdem würden viele Schulabgänger in andere Ausbildungsstädte umziehen oder sich um andere Berufsausbildungen bemühen.

"Ich bin extra aus München nach Schwerin gezogen, um hier meine Ausbildung zu absolvieren", sagt Jana. "Ich kann allen zukünftigen Schulabgängern nur sagen, dass es äußerst angenehm und auch effizient ist, an ein und demselben Ort sowohl die schulische als auch die betriebliche Ausbildung absolvieren zu dürfen."

Für den Tourismus-Magnet Schwerin stehen mehr als 100 Gastronomie-Betriebe, von denen rund 40 Prozent ausbilden. "Und so soll es auch bleiben", sagen Hartwig und Jana. "Oder soll Schwerin in Zukunft etwa die einzige Landeshauptstadt bundesweit sein, die nicht mehr in der Gastronomie und Hotellerie ausbildet?"

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