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Lokales

20. Oktober 2017 | 18:18 Uhr

Gastarbeiter-Blöcke werden abgerissen

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svz.de von
erstellt am 08.Sep.2010 | 08:15 Uhr

Wittenberge/Neuruppin | Gestern war zum zweiten Mal in diesem Jahr im Amtsgericht Neuruppin die Zwangsversteigerung des Wittenberger Veritas-Parkes angesetzt. Doch unter den sprichwörtlichen Hammer kam lediglich das Areal, auf dem sich auch die Wohnblöcke befinden, in denen zu DDR-Zeiten Gastarbeiter untergebracht waren, und die seit Jahren vor sich hin rotten. Für 6000 Euro erhielt die Wohnungsbaugesellschaft Wittenberge (WGW) gestern als einziger Bieter den Zuschlag, wie der "Prignitzer" auf Nachfrage vom Neuruppiner Amtsgerichts-Direktor Andreas Rose erfuhr.

WGW-Geschäftsführer Torsten Diehn erklärte, dass die Fläche im Sinne des Stadtumbaus erworben worden sei, "denn die Blöcke verschandeln das Stadtbild nicht nur an der Einfahrtstraße aus Richtung Bad Wilsnack, sondern auch durch ihre Lage ganz in der Nähe der Bahnstrecke Berlin-Hamburg". Sie sollen innerhalb des nächsten halben Jahres abgerissen werden. Voraussetzung dafür war, "dass wir Eigentümer sind, nur dann können wir die dafür notwendigen Fördermittel bekommen", macht Diehn deutlich. Was danach mit der Fläche passiere, sei noch nicht entschieden. Diehn macht das auch von den Altlasten abhängig, und wie damit umgegangen werden könne. Auf jeden Fall werde man die Fläche erst einmal ordentlich planieren und mit einem Zaun versehen.

Der wesentlich größere Happen des Veritas-Parkes, nämlich das Gelände des ehemaligen Veritas-Nähmaschinenwerkes mit den dazugehörigen Immobilien, wurde gestern aber nicht zwangsversteigert, wie Rose mitteilt. "Die Gläubiger-Bank hat uns per Telefax am Dienstagnachmittag davon unterrichtet, dass die Versteigerung des Industriekomplexes ausgesetzt wird, weil er für den freihändigen Verkauf vorgesehen ist." Es gebe wohl Interessenten, wie sich in den vergangenen Wochen heraus gestellt habe. Und im freien Verkauf sei ein besserer Erlös zu erzielen.

Bei der ersten Zwangsversteigerung in diesem Jahr am 10. Februar hatte es keinen Zuschlag gegeben, weil der einzige Bieter für den Gesamtkomplex nur eine Million Euro zahlen wollte, was aber nicht den laut Versteigerungsgesetz geforderten fünf Zehntel des Verkehrswertes entsprach. Diesen hatte das Gericht mit 3,9 Millionen Euro beziffert. Beim gestrigen zweiten Termin hätte die Bietersumme auch unter den fünf Zehntel liegen dürfen.

In ehemaligen Produktionsgebäuden von Veritas sind mittlerweile 47 Unternehmen angesiedelt mit deutlich mehr als 400 Beschäftigten. "Wir haben Interesse daran, für das Gelände einen langfristigen Investor zu finden, der das Vorhandene weiter betreibt", betonte gestern auf Nachfrage der Sprecher der Gläubiger-Bank, der Corealcredit Bank AG Frankfurt/Main, Dr. Leo Cremer.

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