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Bei Warsow wird ein Abschnitt der NEL unterirdisch verlegt : Gasleitung bohrt sich unter Sude durch

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Wenn möglich, bleiben die Spezialisten für den Pipelinebau über der Erde. Doch die Nordeuropäische Erdgasleitung (NEL), die von Greifswald bis zum Großspeicher Rehden in Niedersachsen führt, misst 440 Kilometer.

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erstellt am 20.Jul.2011 | 07:15 Uhr

Warsow | Wenn möglich, bleiben die Spezialisten für den Pipelinebau über der Erde. Doch die Nordeuropäische Erdgasleitung (NEL), die von Greifswald bis zum Großspeicher Rehden in Niedersachsen führt, misst 440 Kilometer. Da müssen selbst die versiertesten Fachleute mal pressen, mal bohren - einige Abschnitte unterirdisch verlegen. "Auf dem 240 Kilometer langen Abschnitt in Mecklenburg-Vorpommern geschieht das an 85 Stellen", berichtet Thomas Wagner von der Presseabteilung des Bauträgers Wingas. Im Raum Schwerin betrifft das die A 14 und A 24, die Bundes-, Landes- und oft auch Kreisstraßen, Bahnanlagen und Flussläufe.

Die Bauleute von der italienischen Firma Bonatti haben es in den nächsten zwei Wochen mit der Sude zu tun. Der Fluss ist östlich von Warsow zwar nur wenige Meter breit, doch an seinen Ufern steht ein herrlicher Erlenbruch. Die Landschaft wird an dieser Stelle nicht durchschnitten. Die Spezialisten müssen hier eine Distanz von 90 Metern überbrücken - aber eben zwei Meter unter der Erdoberfläche. "Bei so einer Querung muss viel beachtet werden", betont Giacomo Negroni, Bauleiter von Bonatti. "Aber es kommt dennoch immer zu Überraschungen." Bei Flussläufen wie der Sude ist daran zumeist das Wasser Schuld, das an irgendeiner Stelle einen Weg in die Baugrube findet und den Ablauf verzögert. Die eigentlichen Press arbeiten mit einem Druck von 350 Tonnen wurden daher gründlich vorbereitet. Auf beiden Seiten der Sude entstanden sechs Meter tiefe und fünf Meter breite Baugruben. Die auf der Ostseite ist größer, 28 Meter lang. Denn von hier aus wird gearbeitet. "An der Sude geht alles noch einfach", berichtet Giacomo Negroni. "Der Boden im Untergrund ist weich, zumeist Kies." Deshalb kann an der Sude mit einfachem Vortrieb gearbeitet werden. Eine normale, 18 Meter lange und 15 Tonnen schwere Gasröhre wurde mit einem Bohrkopf versehen. Stück für Stück wird dieser vorgepresst - auf gerade Linie bis zur Baugrube auf der anderen Sudeseite. In der Röhre befindet sich eine Schnecke, die das Erdreich abtransportiert. Ist dieses erste Rohr verlegt, kommt das zweite in die Grube. Beide werden verschweißt, die Schnecke verlängert. Und weiter geht es. Fünfmal wiederholt sich dieser Vorgang, bis der Bohrkopf das bisherige Pipeline-Ende jenseits der Sude erreicht hat. Giacomo Negroni ist zuversichtlich, dass alles klappt und der Bohrkopf am berechneten Punkt ankommt. "Sonst hätten wir uns für ein anderes Verfahren entschieden", erzählt der Bauleiter. An der Schaale beispielsweise wird es nicht so einfach gehen. Hier können nicht gleich die Gasröhren verwendet werden. Der Fluss muss zuerst mit einer Spezial bohrung unterquert werden, um Platz für die Pipeline zu schaffen. Das soll im August erfolgen. Doch dieses Verfahren ist noch teurer und aufwändiger als das an der Sude praktizierte. "Und am leichtesten lässt es sich natürlich im offenen Graben bauen", betont Negroni. "Das ist für uns Routine."

Doch bei allem Können und hohem Bautempo braucht solch ein Großprojekt Zeit: Fertig gestellt sein soll die NEL im Herbst 2012. Russisches Erdgas, das über die Ostseepipeline bis Greifswald gepumpt wird, kann dann auch gen Westen weitergeleitet werden. Der dafür notwendige Pipelinebau kostet rund eine Milliarde Euro.

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