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Lokales

19. November 2017 | 14:54 Uhr

Gärtner genervt: Sommer zu nass

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erstellt am 31.Jul.2011 | 06:36 Uhr

Parchim/Mestlin | Mit sorgenvollen Blicken gen Himmel beginnen in diesen Tagen Landwirte und Gärtner ihren Tag: "Ob es heute mal nicht regnet und wir aufs Feld können", fragt sich auch Jürgen Fokuhl in Stralendorf. Die Gerste ist auf rund 100 Hektar zwar vom Halm, aber mit rund einem Drittel weniger Ertrag ist der Landwirt nicht zufrieden. "Eigentlich müssten wir in den Raps, von dem wir bislang nur 55 von 140 Hektar abernten konnten. Das Wetter ist einfach zu nass. Auch der Weizen ist jetzt reif und müsste in diesen Tagen gedroschen werden. Skeptisch bin ich in der Qualitätsfrage, die Nässe mindert diese doch stark", vermutet Fokuhl.

Auch in der Gärtnerei Wonglorz in Mestlin sieht es nicht besser aus. Juniorchef Frank Wonglorz prüft in einer Regenpause den Boden in der Baumschule. "Einfach zu nass, der schwere Boden klebt richtig, verstopft Maschinen und die Bodenstruktur leidet, wenn wir hier agieren würden", sagt der Gartenexperte. Somit bleibt diese Arbeit liegen, obwohl er eigentlich fräsen müsste, damit die Unkräuter nicht wuchern, die diese Feuchtigkeit lieben.

Die anhaltende Nässe schlägt sich auch in den Gewächshäusern nieder. Dörte Brandt sieht immer wieder zum Himmel. Wenn es regnet, dann müssen die Fenster soweit geschlossen werden, dass keine Tropfen auf die Pflanzen fallen. Kaum hat es aufgehört zu regnen, müssen die Fenster wieder aufgekurbelt werden. "Das Wichtigste ist jetzt, für viel Luftbewegung zu sorgen. Nässe und hohe Luftfeuchtigkeit schadet den Pflanzen, vor allem unseren Tomaten. Sogar den Gurken, die können zwar Feuchtigkeit ab, benötigen aber mehr Wärme", sagt Frank Wonglorz. Durch offene Türen und Fenster kann die Luft besser zirkulieren, dennoch machen sich auch bei seinen Pflanzen erste Erscheinungen von Braunfäule bemerkbar. "Da hilft nur eines: Die betroffenen Blätter abtrennen", empfiehlt der Gärtner und gibt diesen Rat auch an seine Kunden weiter. Die kommen in diesen Tagen verstärkt mit Tomatenblättern, auf denen viele Flecken unterschiedlichster Farbe zu sehen sind und wollen Hilfe. Zwar könnte man auch mit der chemischen Keule, zum Beispiel einem Kupfermittel, gegen die Pilzkrankheiten vorgehen. "Aber das kommt bei uns nicht in Frage und das empfehle ich auch nicht", betont Wonglorz. Also bleiben ihm und seinen Mitarbeitern weiter nur die Alternative: Türen und Fenster der Gewächshäuser auf und zu, je nach Regenlage.

Aber nicht nur die Tomaten vertragen diese Feuchtigkeit nicht. Ein Zuviel an Nässe vertragen auch andere Kulturen und der Zierpflanzenbereich nicht. Im Außenbereich prüft Wonglorz täglich den Wasserstand und rückt die Töpfe, Kübel und Schalen aus den tiefen Pfützen.

Seit 1994 besteht die Gärtnerei Wonglorz an diesem Standort. An einen derart verregneten Sommer in Verbindung mit den kühlen Temperaturen kann sich der Juniorchef nicht erinnern. Andere Arbeiten, die erst später geplant waren, werden jetzt vorgezogen. So nutzten die Mitarbeiter die Zeit zur weiteren Sanierung eines Gewächshauses, was eigentlich erst in den nächsten Wochen geplant war. Neben der Pflege von Maschinen laufen auch die Vorbereitungen für das zehnte Tomatenfest, welches am 28. August ab zehn Uhr starten wird. Die Kunden dürfen sich anlässlich des kleinen Jubiläums auf etliche Überraschungen sowie die Präsentation neuer, alter und vor allem in unserer Region unbekannter Tomatensorten freuen. "Bleibt nun nur zu hoffen, dass sich das Wetter grundsätzlich ändert", sagt Frank Wonglorz und richtet den Blick wieder sorgenvoll gen Himmel...

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