Gärreste: Bürger rümpfen die Nase

Der Abfall aus den Biogasanlagen ist ein guter Dünger für die Pflanzenproduktion. Die Gärreste haben allerdings einen großen Nachteil, sie stinken.

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01. August 2009, 09:09 Uhr

Hagenow/Ludwigslust | Das können die Bewohner der Pampriner Siedlung von Zarrentin bestätigen. In den vergangenen Tagen verschlug es ihnen öfter den Atem. Auf angrenzenden Flächen brachten Landwirte Gärreste aus der Biogasanlage in Kogel aus.

"Teilweise war der Gestank so stark, dass wir kein Fenster mehr öffnen konnten. Jeder kann sich vorstellen, was das bei diesen Außentemperaturen bedeutet", sagte der Zarrentiner André Schmiedehausen.

Immer wieder im Frühjahr und im Herbst kommt es aufgrund von Gülle- oder Gärreste-Düngung zu Geruchsbelästigungen in landwirtschaftlich strukturierten Gegenden.

Die ausgebrachten Abfallprodukte von den Biogasanlagen sind in der Pflanzenproduktion allerdings als Dünger sehr begehrt. Können sie doch auch für die ökologische Produktion von Nahrungsmitteln verwendet werden. Bekanntlich sind Bio-Erzeugnisse stark im Kommen. In der Kogler Anlage werden nach den Worten von Dr. Thomas Leppin von der Betreiberfirma ReFood GmbH jährlich bis zu 40 000 Tonnen Lebensmittel- und Speisereste aus der Lebensmittelindustrie und dem Handel verarbeitet. Aus den organischen Stoffen wird Biogas hergestellt, das Abfallprodukt ist der Dünger. Nach seinen Worten sei eine totale geruchsneutrale Ausbringung nicht möglich. "Wir empfehlen den Landwirten, das Gärprodukt direkt nach dem Aufbringen in den Boden einzuarbeiten, um die Geruchsbelästigung zu minimieren", sagte Leppin auf SVZ-Nachfrage. Er widersprach der vorherrschenden Meinung, dass nur teilweise ausgegorenes Material auf die Äcker kommt. "Wir lassen nur vollständig ausgegorenen Dünger ausbringen. Sollte der Gärrest unausgegoren ausgefahren werden, wäre das nicht nur eine zusätzliche Geruchsbelastung, sondern zudem ein wirtschaftlicher Verlust für uns. Eine möglichst lange Verweilzeit der Gärreste in den Behältern wird deshalb angestrebt", sagte Dr. Thomas Leppin, der die Zarrentiner Öffentlichkeit um Verständnis für die Nutzung des organischen Düngers aus der Kogler Anlage bittet.

"In der Düngeverordnung ist festgelegt, dass die Landwirte verpflichtet sind, auf abgeernteten Flächen unverzüglich nach dem Ausbringen die Gülle oder der Gärreste in den Boden einzuarbeiten", betont Ralf Pöplau von der Landwirtschaftlichen Fachbehörde aus Rostock, die Unternehmen in Rechtsfragen berät. Wenn dennoch eine verstärkte Geruchsbelästigung auftritt, so Pöplau weiter, haben Betroffene die Möglichkeit, die Ämter für Landwirtschaft darauf aufmerksam zu machen, das wäre in diesem Fall das Amt in Wittenburg. "Die Ämter prüfen, ob der Landwirt seiner Pflicht zum Einarbeiten der Gülle oder der Gärreste nachgekommen ist und ahnden beim Nachweis einer Gesetzesverletzung", sagte Pöplau wohlwissend, dass es dennoch zu geruchlichen Belastungen nach der Düngung kommen kann.

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