zur Navigation springen
Lokales

17. August 2017 | 03:58 Uhr

Gadebuscher werben fürs Gedenkjahr

vom

Wakenstädt | Auf Spuren der Geschichte wandelte Landrätin Birgit Hesse in Gadebusch und Wakenstädt. Sie informierte sich bei Frank Rohmann vom Kulturhistorischen Verein 1712 über die Planungen zum Gedenkjahr der Schlacht bei Wakenstädt vor fast 300 Jahren. 2012 jährt sich das Ereignis, eine Schlacht des Nordischen Krieges und der Kulturhistorische Verein plant mit möglichst vielen Mitstreitern ein ganzes Gedenkjahr, das unter dem Motto "Gemeinsam im Norden" stehen soll. Seinen Höhepunkt soll das Gedenkjahr im Juli finden, wenn zum Münzfest der Stadt Gadebusch die nur zwei Stunden dauernde Schlacht nachgestellt werden soll. Mit der Einladung nach Wakenstädt wollte Rohmann die Landrätin über die Pläne informieren, um den Landkreis für das Gedenkjahr zu gewinnen. Schließlich zogen die Truppen der Schweden und Dänen fast durch den ganzen Landkreis. Und auch Gadebuschs Polizeichef Hartmut Höppner nutzte mit einer Kollegin die Gelegenheit, sich mit einem Teil der Geschichte der Stadt vertraut zu machen.

Mehr als 4 000 Soldaten hatten bei Wakenstädt am 20. Dezember 1712 ihr Leben verloren, als die Schweden unter General Magnus Stenbock die Dänen besiegten. Doch dem Verein geht es bei seiner Arbeit und den Vorbereitungen zum Gedenkjahr nicht um die Verherrlichung von Kriegserinnerungen, sondern um Kontakt und Verbindungen zu schwedischen und dänischen Traditionsvereinen, die sich auf die Schlacht bei Gadebusch beziehen. Diese Kontakte wurden im Hinblick auf die touristische Attraktivität der Stadt Gadebusch und ihres Umlandes bereits ausgebaut. "Wenn sie in Schweden eine Flagge sehen, steht oft der Name Gadebusch darauf", erklärte Frank Rohmann Landrätin Birgit Hesse bei einem Rundgang. Der führte zunächst in die Museumsanlage von Gadebusch wo auf die Feldherren von 1712 hingewiesen wird und ein Diorama aus hunderten Zinnfiguren, das Geschehen von damals zeigt. Fasziniert bemerkte Birgit Hesse dabei die detailreiche Bemalung der Figuren. "Zwei Jahre haben vier Frauen als Ein-Euro-Jobberinnen daran gearbeitet", erklärte Rohmann, bevor er sich mit der Landrätin auf den Schlossberg begab.

Birgit Hesse erstaunt über ruhige Hand

Zum Schloss selber konnte Rohmann hauptsächlich sagen, dass wenig passiert und es meist geschlossen ist. "Dabei hatte ich schon die Zusage vom schwedischen Bildungsministerium, mir regelmäßig ganze Busladungen herzuschicken, weil Gadebusch dort von großem historischem Interesse ist", sagte er. In den am Schloss liegenden Baracken traf die Landrätin dann auf zwei der Frauen, die über die Arge als Ein-Euro-Jobberinnen Zinnfiguren unter anderem zur Schwedenschlacht bemalen. "Das ist wirklich erstaunlich. Sie arbeiten so geduldig und mit so einer ruhigen Hand. Ich weiß nicht, ob ich das könnte", sagt Hesse zu den beiden Frauen, die gerade wieder Zinnfiguren mit feinen Pinseln bemalten.

Frank Rohmann wies darauf hin, dass derzeit eine Ausstellung dieser Zinnfiguren in Schweden zu sehen ist. "Sie war erst in Åmål, ist jetzt in Malmø und es hat auch Kopenhagen Interesse bekundet", schildert Rohmann. "Dafür müssen wir jetzt aber noch einige Dänen bemalen. Dort können wir ja nicht nur schwedische Figuren zeigen", erklärt Rohmann. Der Landrätin überreichte er eine Zinnfigur aus einer Serie mit Mäusen und einem Pilzhaus, das sogar den Namen Hesse trägt.

Kanonendonner am ehemaligen Schlachtfeld

Vom Gadebuscher Schlossberg aus ging es dann weiter zum früheren Schlachtfeld bei Wakenstädt. Hier konnte Frank Rohmann der Landrätin in der Landschaft zeigen, was sie vorher im Diorama gesehen hatte. "Durch diesen Hohlweg kamen die Schweden", so Rohmann und deutet auf den Weg, der heute zum Schießstand des Sportvereins 1712 Köchelstorf führt. "Das zeige ich auch den schwedischen und dänischen Reisegruppen, die sich für die Geschichte ihrer Vorfahren interessieren", sagte Rohmann. Und Birgit Hesse fielen die Tafeln auf, die Schweden und Dänen an Findlingen der Gedenkstätte angebracht haben. Dann wurde es kurz laut, als Familie Meitzel in historischen Uniformen des Lützower Freikorps drei Kanonenschüsse abfeuerte. Auch das gehört zum regelmäßigen Programm für Besucher der Gedenkstätte.

"Wie konnten sie all das hier finanzieren", wollte Birgit Hesse mit Blick auf den Gedenkstein und die benachbarte Blockhütte wissen. "Wir haben überall gebettelt", entgegnet Frank Rohmann direkt. Nachdem der Letzte Kanonendonner verhallt war und sich Birgit Hesse kurz mit den Kanonieren um Werner Meitzel unterhalten hatte, zeigte ihr Frank Rohmann einige archäologische Funde in der gut beheizten Blockhütte. Gewehr- und Kanonenkugeln hat man zu Hauf auf dem ehemaligen Schlachtfeld gefunden, ebenso einen Helm, der inzwischen in der Gadebuscher Museumsanlage ausgestellt ist.

Für 2012 hat der Kulturhistorische Verein 1712 schon genaue Vorstellungen zum Programm. So soll mit einem Neujahrsempfang des Gadebuscher Bürgermeisters zur 300-jährigen Geschichte vom Krieg zur friedlichen und freundschaftlichen Zusammenarbeit im Ostseeraum in das Gedenkjahr eingestiegen werden. Im Juni sind Projekttage der Schulen sowie Kinder- und Jugendeinrichtungen zum Thema geplant. Das Münzfest in Gadebusch soll unter dem historischen Motto gefeiert werden, begleitet von einem Biwak mit vielen Darstellern in historischen Uniformen.

Das komplette bisher geplante Programm für 2012 und weitere Informationen finden sich auf der Internetseite des Kulturhistorischen Vereins und wird auch in Flugblättern verteilt.

zur Startseite

von
erstellt am 14.Sep.2010 | 07:05 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen