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Schlagbrügge Zurück aus Afghanistan

Von Rebekka Poesch | 11.02.2010, 06:21 Uhr

Als Stephan Wendorf in der vergangenen Woche am Flughafen Münster-Osnabrück landete, wurde er bereits sehnsüchtig erwartet.

Dankbar über die Rückkehr des Bundeswehr-Soldaten aus dem afghanischen Kabul schlossen Freunde und Familie ihn in die Arme. "Ich hatte Angst, doch jetzt ist wieder alles im normalen Bereich", sagt Mutter Sieglinde Wendorf und lacht. Nun hat sie ihren Jungen, der sich in der Zwischenzeit einen Bart wachsen lassen hat, endlich wieder bei sich zu Hause in Schlagbrügge. Er sei verständnisvoller, besorgter, ruhiger geworden - und er habe abgenommen, bemerkt sie.

Mehr als sechs Monate sind vergangen, seit Stephan Wendorfs Einsatz in Afghanistan begann. Der Soldat auf Zeit, der dem Deutsch-Niederländischen Korps in Münster angehört, hatte sich freiwillig dazu bereit erklärt. "Jeder, der längere Zeit beim Bund ist, sollte mal dort gewesen sein", sagt er. Gemeinsam mit Niederländern, Engländern, Amerikanern und Soldaten weiterer Nationalitäten war er im NATO-Hauptquartier in Kabul stationiert. Sein Aufgabenbereich: die Force-Protection, was so viel heißt wie Lagersicherung. Dazu gehörte es, ankommende Fahrzeuge zum Beispiel auf Sprengstoffe zu untersuchen.

Was er in Afghanistan erlebt hat, kann der 25-Jährige nur schwer in Worte fassen: "Das muss man gesehen haben; schön ist es nicht." Wenige Wochen nach seiner Ankunft, am 15. August, - er war gerade aus der Nachtschicht gekommen und hatte sich schlafen gelegt - weckte ihn ein lauter Knall. Ein Selbstmordattentäter der Taliban hatte sich unmittelbar vor dem Haupteingang in die Luft gesprengt. Tote Zivilisten und verletzte NATO-Soldaten waren die Folge. Stephan Wendorf musste helfen, den Tatort abzusichern. Ihm passierte nichts, aber in Momenten wie diesen fragte sich der Mecklenburger schon: Warum bin ich eigentlich hier? Genauso an Weihnachten, als er sich alleine vor seinen Laptop und seine Webcam setzte und Geschenke auspackte, während seine Familie ihm von Zuhause aus dabei zusah. Es gab aber auch schöne Momente. Momente, in denen der Soldat das Gefühl hatte, etwas ändern, etwas bewirken zu können. So meldete sich Stephan Wendorf freiwillig, als es darum ging, Mitarbeiter einer Hilfsorganisation abzusichern, die Decken, Fußbälle, Malbücher und Stifte an bedürftige afghanische Kinder verteilten. Er kann sich noch genau erinnern, wie die Augen der Beschenkten da funkelten. "An solch einer Aktion würde ich mich sofort wieder beteiligen", sagt er.

Doch nun macht Stephan Wendorf im heimischen Schlagbrügge erst einmal Urlaub. Seine Kollegen von der Freiwilligen Feuerwehr Schlagsdorf, die die Nachrichten aus Afghanistan in den vergangenen Monaten aufmerksam verfolgt haben, haben ihn mit einer Überraschungsparty willkommen geheißen. Eine Schonfrist gab es allerdings nicht: Kaum zurück, wurde Stephan Wendorf auch schon zum ersten Einsatz gerufen. In Schlagsdorf hatte sich ein Krankenwagen im Schnee festgefahren. "Ein komisches Gefühl, auch hier zu Hause wieder einen Helm aufsetzen zu müssen", sagt er.