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Wismar "Wissemara" ließ das Segel fallen

Von Hans-Joachim Zeigert | 11.11.2012, 07:32 Uhr

Die Segelsaison für Wismars maritimes Wahrzeichen endet: Im Alten Hafen wurde die Kogge "Wissemara" abgetakelt.

Dazu waren die mehr als 25 Leute der Stammcrew angetreten. Sie fierte die tonnenschwere Last von Rahbalken und schwerem Segeltuch auf das Deck herab. Knapp 30 Minuten später war bereits der komplette "Hauptantrieb", bestehend aus einem mehr als 270 Quadratmeter großen, derben Tuch, transportfähig geborgen. "Wir hatten glücklicherweise das Wetter auf unserer Seite und unsere versierte und eingespielte Besatzung ist schließlich das siebente Mal seit 2006 mit großem Engagement dabei", lobte Koggenkapitän Peter Samulewitz die schnelle und reibungslose Aktion.

Also kein verflixtes siebentes Jahr für die "Wissemara", so die Frage an Büroleiter und Vorstandsmitglied des Koggen-Fördervereins, Joachim Müller. "Ganz und gar nicht und ein Höhepunkt wartet ja noch, die Lichterfahrt anlässlich der Seemannsweihnacht 2012 am 16. Dezember." Dazu sind die Vorbereitungen, übrigens zum zweiten Mal unter Regie des Koggenvereins, bereits im vollen Gange.

Nochmal auf die Saison rückblickend sind im Schiffstagebuch des beliebten Mittelalter-Schiffsnachbaus mehr als 3500 Seemeilen vermerkt und dies während fast 150 Tagen auf See. Zu den Reisehöhepunkten zählten neben zwei Törns nach Lübeck und zur Hanse Sail auch die große, achttägige Rundfahrt nach Schweden und Dänemark.

Heiratsfreudige Landratten nutzen nach wie vor gern das besondere Ambiente mit dem vielen Holz und den wuchtigen Balken als standesamtlich ausgewiesene Stätte der Eheschließung. "In diesem Jahr waren es genau 20 Paare, die sich bei uns das Ja-Wort gaben und es liegen bereits elf Anmeldungen für 2013 vor", ergänzt Müller.

Bis zur kommenden Saison steht wiederum viel Arbeit in Sachen Werterhaltung des Schiffes an. So entspricht das Rahsegel, verschleißbedingt, nicht mehr den notwendigen und sicherheitsrelevanten Anforderungen. Neben bereits kleineren Rissen im Hauptsegel und Bonnet während der Saison kam im September ein ca. 1,5 Meter langer Riss hinzu. "Wir mussten also handeln ", räumt Müller nach Konsultationen mit Fachleuten ein. Dazu gehört insbesondere Kapitän Dieter Pochert, der 2006 mit dabei war, als die Kogge in Dienst gestellt wurde. Müller dazu: "Er ist eindeutig der Fachmann auf dem Gebiet der notwendigen Takelage und des Segels auf Traditionsschiffen. Von ihm stammt bereits das Konzept der Takelage, ebenso wie zuvor beim Schoner Atalanta. So ein Fachmann ist für uns eine wertvolle Unterstützung".

Flickschusterei lohnt sich in diesem Fall nicht mehr, nachdem die Risse bereits provisorisch genäht wurden. Inzwischen ist der Auftrag für ein neues Segel, dessen Kosten etwa 20 000 Euro betragen, nach erfolgter Ausschreibung bereits vergeben. Möglich ist dies durch verschiedene Förderungen, Sponsoren und Mitfahrtentgelte, die dem Erhalt der Kogge zugute kommen. Auf jeden Fall wird das inzwischen bekannte Erscheinungsbild der Kogge, das 60 Quadratmeter große Wismar-Wappen, wieder das neue Segel zieren. Dankenswerterweise nimmt die Zahl derer weiterhin zu, die eine Vereinsarbeit in verschiedenster Weise unterstützen. Mit 22 neuen Anmeldungen in diesem Jahr zählt der Förderverein jetzt 273 Mitglieder.