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Weststadt Weiße Weihnachten in Sicht

Von Jürgen Hamann | 08.12.2010, 01:57 Uhr

"Ich denke, dass wir in diesem Jahr weiße Weihnachten bekommen", sagt Michael Holst, Leiter der Schweriner Wetterwarte.

Der Ingenieur für Meteorologie ist seit 1981 in der Wetterwarte tätig und begründet seinen Optimismus so: "Normalerweise gehen wir von etwa 30 Prozent Wahrscheinlichkeit aus, dass knackiger Frost oder Schneeflocken in Schwerin dem Hei ligen Abend einen stimmungsvollen Rahmen geben. Ich habe allerdings in diesem Jahr überprüft, wie sich die Wahrscheinlichkeit entwickelt, wenn es an den ersten Dezembertagen starken Frost gab wie in diesem Jahr. Nach Auswertung der vergangenen 30 Jahre komme ich auf überraschende 57 Prozent."

Unterstützung erhält der Wetterexperte von Kollegen aus den USA und Großbritannien. Sie sagen, dass dieser Winter richtig kalt werden könnte. Danach liege die Wahrscheinlichkeit für einen überdurchschnittlich kalten Winter in Mitteleuropa derzeit bei 65 Prozent. Im Februar soll es nach den Computermodellen schon wieder mild werden.

Der Deutsche Wetterdienst macht keine eigenen Berechnungen zu langfristigen Prognosen, sondern interpretiert Daten aus den USA und des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (EZMW) im englischen Reading. Die Zutaten für sibirische Kälte im deutschen Winter sind: ein stabiles Hochdruckgebiet im hohen Norden und Tiefdruckgebiete im Süden. Weil Hochs sich auf der Nordhalbkugel mit dem Uhrzeigersinn und Tiefs dagegen drehen, entsteht dann eine kräftige Ostströmung - eisige Kontinentalluft aus dem russischen Fernen Osten lässt Väterchen Frost dann auch in Deutschland herrschen. "Wir behalten das blockierende Hoch über dem Atlantik wahrscheinlich bis Weihnachten", sagt Michael Holst. "Aber schon im vergangenen Jahr taute die weiße Pracht am zweiten Weihnachtsfeiertag weg. Da möchte ich auch in diesem Jahr für meine Prognose keine Garantie abgeben." Eine genaue Voraussage habe die gleiche Wahrscheinlichkeit wie die Bauernregeln: "Die gehen zu 50 Prozent daneben", so der Klimaexperte.

Seit 1990 gab es nur 1993 am ersten Weihnachtfeiertag einen Zentimeter Schnee, im Jahr 2000 ganze 0,5 Zentimeter und Jahr 2002 nur Schneeflecken, also weniger die Hälfte des Bodens war mit Schnee bedeckt. Die mächtigste Schneedecke wurde in Schwerin mit acht Zentimetern am 26. Dezember 1995 gemessen. An drei Jahren gab es Frost ohne Schnee - 1992, 1994 und 1996. Die Schweriner Wetterwarte ist seit 1890 für den Wetterdienst tätig.

Angesichts der in Schwerin in diesem Jahr niedrigen Durchschnittstemperaturen stellt sich die Frage nach dem Klimawandel. Der Experte weist nach, dass von den zehn wärmsten Jahren seit 1901 neun in den vergangenen 20 Jahren lagen. Das sei ein wichtiges Indiz für den Klimawandel. "Die bisherige Temperaturerhöhung in Norddeutschland von etwa 0,8 Grad im vorigen Jahrhundert hat unter anderem bewirkt, dass die Vegetationsperiode heute etwa zehn Tage länger andauert als noch vor 40 Jahren."

Die Jahre 2001 bis 2010 stellen nach Angaben der Weltwetterorganisation (WMO) einen neuen Hitzerekord auf. Sie seien das wärmste je gemessene Jahrzehnt. 2010 werde wahrscheinlich eines der drei heißesten Jahre seit Beginn der Messungen 1850. In Deutschland und eng begrenzten anderen Regionen der Erde sei 2010 jedoch relativ kühl gewesen, so die WMO. Für einige Länder Europas wie Deutschland und Frankreich werde 2010 wohl das kälteste Jahr seit 1996.