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Künstler kommen gern nach Dechow Vorhang auf zum Jubiläum

Von Redaktion svz.de | 09.12.2016, 05:00 Uhr

Die 50. Veranstaltung der Kulturtage Dechow steht heute Abend an / Organisatorin Irmgard von Puttkamer im SVZ-Interview

Sie gehören mit zu den Leuchttürmen der Region: die Kulturtage Dechow. Heute Abend gibt es dort ein Jubiläum. Die 50. Veranstaltung steht an und die Compagnie Bodecker & Neander wird zu Gast sein. Mit der Organisatorin der Kulturtage, Irmgard von Puttkamer, sprach SVZ-Redakteur Michael Schmidt. In dem Interview verrät sie mehr über Liebesbriefe, eine Künstlerdrohung und die fieberhafte Suche nach einem Fehlerteufel.

Frau von Puttkamer, bei der heutigen Jubiläumsveranstaltung gibt es ein Wiedersehen mit der Compagnie Bodecker & Neander, Zufall oder nicht?

Irmgard von Puttkamer: Es ist Zufall, da ich mir keine Gedanken darüber gemacht habe, wann die 50. Veranstaltung im Rahmen der Kulturtage Dechow ist. Dass die Compagnie ausgerechnet bei unserem Jubiläum zum nunmehr fünften Mal auf der Bühne steht, ist natürlich umso schöner.

Wie schaffen Sie es, großartige Künstler in ein kleines mecklenburgisches Dorf mit rund 200 Einwohnern zu locken?

Ich gehe auf die Künstler zu, spreche sie direkt an – meistens nach ihren Vorstellungen gegen Ende der Autogrammstunde. Manchmal bekomme ich dann zu hören, dass sie nur noch in großen Sälen mit höherer Gage spielen wollen. Es gibt aber auch Musiker, wie den Klarinettisten Giora Feidman, die sagen: „Natürlich spiele ich auch in einem Dorf. Wenn mich Menschen dort hören wollen, komme ich gerne zu ihnen“. Er gehört zu den Künstlern, denen es einfach Spaß macht, auch in einem kleinen Raum auf der Bühne zu stehen und das Publikum hautnah zu erleben. Manchmal ist es hier wie Ping Pong, bei dem sich Künstler und Publikum gegenseitig die Bälle zuspielen.

Erinnern Sie sich noch an das erste Mal, als es in Dechow hieß: Bühne frei für die Kulturtage?

Und ob. Ich war wahnsinnig aufgeregt. Der Hamburger Spottverein sollte mit „Letzte Ausfahrt Schnellsen Nord“ zu uns kommen und wir setzten einen Vertrag mit einem staubtrockenen Notar auf, der Mitglied des Spottvereins war. Ich dachte nur: Und der soll lustig sein? War er, wie sich auf der Bühne herausstellen sollte.

Welche Künstler möchten Sie unbedingt nach Dechow locken?

Also was schon immer mein Traum war, ist ein Auftritt der 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker. Sie sind fantastisch. Auch auf die Pirsch nach dem Jazz-Pianisten Joja Wendt möchte ich mich gerne begeben.

Was war die bislang größte Panne, über die Sie rückwirkend schmunzeln können?

Also bei der Lesung „Love Letters“ wartete ich lange Zeit vergebens auf das Künstlerduo und rannte wie ein aufgescheuchtes Huhn hin und her. Ich dachte nur, das darf doch wohl nicht wahr sein. Zur Beruhigung sagte der heutige Dechower Bürgermeister Bernhard Hotz zu mir: „Weißt du was, dann kramt jeder von uns Liebesbriefe aus seiner Jugend raus, dann setzen wir uns auf die Bühne und lesen daraus vor.“ Letztlich wurde alles gut, da das Künstlerduo kurz vor Einlass erschien.

Anfängliche Probleme gab es auch bei einer Weihnachtslesung. Bei einem Soundcheck war ein seltsames Pfeifen zu hören. Einer der Künstler hatte plötzlich null Bock mehr und drohte: „Wenn das weiter so pfeift, trete ich am Abend nicht auf“. Bis wir den Fehler, eine Rückkopplung mit einem Mikro der Schauspielerin, herausgefunden haben, verging eine gefühlte Ewigkeit und ich überlegte immer nur: Wenn der Herr Künstler jetzt abreist, und das war ihm zuzutrauen, was machst du dann? Für solche Momente habe ich wohl ein zu dünnes Nervenkostüm.

Alles hat irgendwann ein Ende und 50 Veranstaltungen zu organisieren, ist kein Klacks. Wie ist es um die Zukunft dieser Veranstaltungsreihe bestellt?

Darüber habe ich schon nachgedacht, musste gesundheitlich viel durchmachen. Als ich neulich an einem Stammtisch andeutete, dass ich das nicht ewig machen möchte, schlugen mir entsetzte Blicke entgegen. „Wie? Das geht doch gar nicht! Wozu haben wir hier eigentlich diesen Saal? Der ist doch nicht nur für Jugendweihefeiern und 50. Geburtstage da“, bekam ich zu hören. Diese Reaktionen haben mir gezeigt, dass ich wohl noch nicht aufhören kann. Bis zur 100. Veranstaltung mache ich das aber wahrscheinlich nicht mehr. Außerdem hängt es davon ob, dass auch weiterhin ein harter Kern von engagierten Leuten diese Veranstaltungsreihe mit Rat und Tat unterstützt.