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Schloss Bernstorf „Villa Vitalia“ nimmt Gestalt an

Von Hans Taken | 30.11.2012, 07:14 Uhr

Das Projekt „Villa Vitalia“ nimmt Gestalt an. Seit rund zwei Jahren wird das Schloss umgebaut, um dort schwer an Krebs erkrankten Menschen optimale Bedingungen für die Erhaltung ihrer Lebensqualität zu bieten.

Das Projekt "Villa Vitalia" im Schloss Bernstorf nimmt Gestalt an. Seit rund zwei Jahren wird das Schloss umgebaut, um dort im kommenden Jahr schwer an Krebs erkrankten Menschen optimale Bedingungen für die Erhaltung ihrer Lebensqualität zu bieten. Am 15. Juni sollen die Bauarbeiten zur Errichtung eines "Biohospizes" und dem Aufbau eines spezialisierten Biohotels mit einem Investitionsvolumen von rund 4,5 Millionen Euro abgeschlossen sein.

Wenn Andreas Manzke von seinem Schreibtisch aus durch das Fenster des kleinen Baucontainers nach draußen schaut, dann hat er seine Baustelle immer im Blick. Er sieht die Vorderfront des wuchtigen Gebäudes mit Mitteltrakt, zwei Flügeln und einem Turm auf der rechten Seite. Er sieht das Gerüst, dass sich noch um die 130 Jahre alte Backstein-Fassade klammert, damit die Handwerker auch noch die Gauben ins Dach setzen können, die zusätzlich eingeplant wurden. Er sieht, wie die Arbeiter verschiedenster Gewerke ihr Equipment ins zweigeschossige Gebäude bringen, um den Innenausbau weiter voran zu treiben. Was der Baumanager an diesem Tag noch nicht sieht, sind die Lkw, die die 90 Fensterelemente bringen sollen, auf die er sehnlichst wartet. Der Zeitplan ist straff, das Gerüst soll in gut zwei Wochen verschwunden sein. "Deshalb müssen vorher noch die Fenster rein", sagt Andreas Manzke - und übt sich an diesem Vormittag in Geduld.


Auf einem langen Tisch liegen im Bürocontainer Baupläne ausgerollt. "Außenansichten Süd-West" oder "Nord-Ost" steht auf den Plänen im Maßstab 1:100. Andreas Manzke kennt die rund 50 Pläne in- und auswendig, so wie er die Baustelle auch im Original vom Keller bis zum Dachgeschoss bis ins letzte Detail kennt. In den vergangenen Monaten gab es nur wenige Tage, die der 52-Jährige nicht auf der Baustelle verbracht hat. Manzke sagt, er sei irgendwie schon mit diesem Gemäuer verwachsen. Wenn er von den Nummern einzelner Balken spricht, wenn er zeigt, wo genau noch eine Wand eingezogen werden muss, durch welche Schächte der 28 stillgelegten Kaminzüge Kabel verlaufen werden oder wie die Flügeltür aussehen wird, die gerade in einer zehn Kilometer entfernten Werkstatt bearbeitet wird, dann glaubt man ihm das.

Die Außenarbeiten sind fast fertig, der Rohbau ist abgeschlossen. Die Bäder für die 16 Hospizappartements und sieben Hotelzimmer werden jetzt eingebaut, der Fahrstuhl kommt bald, die Gasheizung auch, damit später die Wärme durch die Heizkörper in den Fußböden und in den Wänden der "Villa Vitalia" strömen kann.

Liege- und Ruhezone mit Solar-, Farblicht- und Kristalltherapie, Sauna, Dampf oder Salzsprudelbad, dazu biomedizinische Labor- und Gerätediagnostik - Biowellness und Biomedical Bereich werden im Keller angesiedelt. Im Erdgeschoss werden Lobby, Speisesaal, Küche oder Bibliothek installiert, während im ersten Obergeschoss die 28 bis 64 Quadratmeter großen Appartements entstehen. Im Dachgeschoss wird die Verwaltung untergebracht. 120 Räume wird es zukünftig in dem Schloss geben, in dem bis 1941 die Familie von Bernstorf lebte. Nach dem Krieg zogen Flüchtlinge in das Gebäude ein, danach hatte die Gemeindeverwaltung dort ihren Sitz. Auch eine Kindertagesstätte und ein Gaststätte wurden zeitweise dort betrieben. Nach der Wende wurde das Schloss privatisiert. Jahrelanger Leerstand und fehlende Sicherungsmaßnahmen setzten dem im holländischen Neorenaissance-Stil erbauten Anwesen stark zu und das Gebäude verfiel. 2004 kaufte der Hamburger Finanzkaufmann Dr. Wolfgang Röhr das Gebäude und die Idee Biohospiz reifte heran.

Die Baustelle in Bernstorf ist nicht die erste, bei der Andreas Manzke die baulichen Fäden in der Hand hält. Und es soll auch nicht die letzte sein. "Ein weiteres Projekt dieser Art ist geplant. Entweder als Erweiterung dieses Standorts oder 50 Kilometer von hier entfernt", sagt der Klempnermeister. Doch noch gibt es am Schloss Bernstorf viel zu tun.

Mittlerweile ist es Abend - und die Fensterelemente sind immer noch nicht da. An diesem Tag werden sie auch nicht mehr kommen. "Morgen", hat man Baumanager Manzke gesagt. Die Geduldsprobe geht weiter.