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Kulturtage Dechow Pennäler-Posse auf dem Lande

Von Redaktion svz.de | 11.12.2017, 04:43 Uhr

Das gestutzte „Trio LiMUSiN“ servierte „Die Feuerzangenbowle“ heiß

„Rum? Muss! Zucker? Kann. Wasser? Geht auch ohne...“ An diese äußerst sparsam gefasste Zutatenliste eines auch im Norden beliebten Heißgetränkes fühlten sich die Gäste der Kulturtage Dechow erinnert. Denn das bereits von vorherigen Gastspielen beliebte „Trio LiMUSiN“ kam nur mit zwei der drei Akteure auf die Dorfbühne – Violoncellist Suren Anisonyan war am Morgen heftig erkrankt. Trotzdem wollten seine Bühnenpartner den ausgebuchten Auftritt nicht absagen und versprachen, ihr Programm bestmöglich anzupassen.

Da fiel nicht nur Gastgeberin Irmgard von Puttkamer ein Stein vom Herzen und sie nutzte die Begrüßung der Gäste und kulturbegeisterten Nachbarn zu einem rührenden Dankeschön an alle ihre MitstreiterInnen. Stellvertretend für die ausschließlich ehrenamtlichen Organisatoren und Helfer der nun vollendeten 13. Jahresausgabe „Kulturtage Dechow“ bekam die meist ganz bescheiden im Hintergrund wirkende Sina Leukert auf offenen Bühne Blumenstrauß und herzlichen Applaus. Was anschließend Ausnahmegeiger Ihno Tjark Folkerts und Schauspieler Benedikt Vermeer dort aufführten, durfte mit Fug und Recht „ganz große Kunst“ genannt werden. Denn die Beiden machten ihrem hingerissenen Publikum das gewiss schwerwiegende Fehlen ihres dritten Bühnenpartners mehr als vergessen. Den Künstlern entgegen kam dabei wohl auch der Umstand, dass es im vollen Saal wohl kaum jemanden gab, welchem die Dialoge des legendären Heinz-Rühmann-Films „Die Feuerzangenbowle“ von 1944 nicht geläufig waren.

Im Unterschied zu diesem Jahresend-Klassiker – welcher schon ziemlich „wortgetreu“ mit der literarischen Vorlage arbeitete – hielt sich Benedikt Vermeer nahezu strikt an das gedruckte Original von Heinrich Spoerls einzigartiger Pennäler-Posse. Zudem rezitierte der international erfahrene Mime die jeweiligen Parts von Professor Crey alias „Schnauz“, Physik-Lehrer Bömmel, Direktor Knauer genannt „Zeus“ und natürlich „Schöler“ Hans Pfeiffer „mit 3 Eff“ im nahezu perfekten Diktus der beliebten Filmfiguren.

Mittendrin in der anheimelnd plüschigen Bühnenatmosphäre blitzten immer wieder Zitate auf, die ob ihrer Zeitlosigkeit im Gedächtnis bleiben wie z.B. „unglückliche Liebe macht oft glücklicher als glückliche“, „ein Plagiat bringt oft mehr ein als das Original“ oder „gegen Verliebtsein hilft nur eins – heiraten“ und nicht zuletzt „wo der Mensch zur Masse wird, regen sich niedere Instinkte und wenn das Piesacken erst einmal angefangen hat, macht jeder mit und fragt nicht warum“.

Obendrein brachte es der virtuose Ihno Tjark Folkerts ganz allein mit seiner Violine fertig, das ohnehin schon „starke Stück“ über insgesamt anderthalb kurzweilige Stunden treffend und akzentuiert musikalisch zu begleiten. Seine Unplugged-Interpretationen unter anderem von Telemann und Vivaldi verdienten ein ungeteiltes „Chapeau“!

Als hätten sie es geahnt, ließen die sympathisch engagierten Künstler in Dechow im allerbesten Sinne das Bömmel-Zitat Wirklichkeit werden: „Es ist immer gut, so wie es kommt und wenn man dran glauben will, wird es das auch“.

Das unfreiwillige „Duo LiMUSiN“ jedenfalls hatte trotz der Herausforderung selbst so viel Spaß, dass es dem Publikum als Zugabe sogar noch ein ausdrücklich auf das Dorf gemünztes Gedicht nach Erich Kästner schenkte. Dieses drehte sich – wie nicht anders zu erwarten – um Alkohol. Prosit!