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Nordwestmecklenburg Neue Düngeverordnung: Nie dagewesener Exodus landwirtschaftlicher Betriebe befürchtet

Von hgl | 29.12.2019, 19:00 Uhr

Betriebsaufgaben von 40 Prozent erwartet: Zahlreiche Landwirte wegen neuer Düngeverordnung vor dem Aus

Nordwestmecklenburgs Landwirte schlagen Alarm: In den kommenden fünf Jahren befürchtet der Kreisbauernverband einen nie dagewesenen Exodus landwirtschaftlicher Unternehmen. „In diesem Zeitraum rechnen wir mit einer Betriebsaufgabe von 40 Prozent“, sagt Verbandschef Jörg Haase. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums MV sollen angeblich mehr als 83 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche mit zu hohen Nitratwerten belastet sein und damit eine Gefährdung für das Grundwasser darstellen. Auf diesen so genannten „roten Gebieten“ soll künftig weniger gedüngt werden, Qualitäts- und Ertragsverluste wären die Folgen.

Grundwasser mit Nitrat belastet

Nach Angaben des Kreisbauernverbands Nordwestmecklenburg verfügt der Kreis über 144 000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. Von vier Messstellen hätte nur die am Standort Roggenstorf mit 245 Milligramm Nitrat pro Liter Grundwasser einen stark erhöhten Wert aufgewiesen. „Weitere Messstellen in Köchelstorf, Niendorf und Pokrent wiesen Werte von unter 35 Milligramm pro Liter Grundwasser aus“, sagt Jörg Haase. Da jedoch der rechnerische Durchschnitt aller vier Messstellen über dem Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter Grundwasser liegt, wurden im Umkehrschluss 120 000 Hektar Nutzfläche als belastet bewertet.

Der Kreisbauernchef spricht in diesem Zusammenhang von „Sippenhaft“, kündigt an, dass der Verband sich dagegen wehren werde und fordert Unterstützung von der Kommunalpolitik. „Wir bitten die Kreistagsmitglieder, auf unsere Landtagsabgeordneten dahingehend Einfluss zu nehmen, um mehr Geld für mehr Messstellen und genauere Analysen zur Verfügung zu stellen“, so Jörg Haase.

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Genauere Messungen gefordert - Klage gegen das Land

Unterstützung bei seiner Forderung erhält Haase von der CDU. Kreisvorsitzender Erhard Huzel wirbt für Untersuchungen mit Augenmaß: „Pauschale Beurteilungen helfen niemandem.“ Landwirt und Kreistagsmitglied Dietmar Hocke (Bündnis Ländlicher Raum, Umwelt und Landwirtschaft/LUL): „Hier wird weit überzogen. Man kann nicht den gesamten Landkreis für punktuelle Probleme bestrafen. Es kann nicht zielführend sein, die neue Düngeverordnung strenger als in anderen Bundesländern zur Anwendung zu bringen.“

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Inzwischen hat die Agrargenossenschaft Köchelstorf Klage gegen das Land Mecklenburg-Vorpommern wegen Normenverletzung eingereicht. Nach Aussage von Jörg Haase würden knapp 40 Landwirtschaftsbetriebe Nordwestmecklenburgs diese bereits unterstützen. Ziel sei es, die Größe der angeblich 120 000 Hektar nitratbelasteter landwirtschaftlicher Nutzfläche in Nordwestmecklenburg zurückzunehmen und auf das tatsächliche Maß zu reduzieren. Andernfalls stünden viele der 167 betroffenen landwirtschaftlichen Betriebe in absehbarer Zeit vor dem Aus.

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