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Microstim bringt neuartigen Muskelstimulator zum Klinikeinsatz Medizintechnik aus Wismar hilft Herzpatienten

Von roth | 06.10.2011, 07:20 Uhr

Hoffnung für herzkranke Patienten: Eine Neuentwicklung des Wismarer Hightech-Unternehmens Microstim sorgt für Aufsehen bei der Behandlung von Herzmuskelschwäche.

Hoffnung für herzkranke Patienten: Eine Neuentwicklung des Wismarer Hightech-Unternehmens Microstim sorgt für Aufsehen bei der Behandlung von Herzmuskelschwäche. Die Medizintechniker aus Mecklenburg-Vorpommern entwickeln zusammen mit der Lübecker Klinik für Herzchirurgie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein einen neuartigen, gewebe- und funktionserhaltenden, implantierbaren Muskelstimulator für muskuläre Herzunterstützungssysteme. Der Vorteil: Die Wismarer Technik ermöglicht, dass ein patienteneigener Rückenmuskel, der mit Hilfe eines Muskelschrittmachers stimuliert wird, den erkrankten Herzmuskel unterstützt. "Diese Operation kann im Gegensatz zur Herztransplantation mit einer nahezu unbegrenzten Verfügbarkeit von körpereigener Muskulatur durchgeführt werden", so Prof. Norbert W. Guldner aus der Lübecker Herzchirurgie. Sein Forschungsteam beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit den Möglichkeiten, kranke Herzen mit körpereigener Muskulatur zu behandeln.

Intelligentes Implantat

Das Besondere: Mit dem von Microstim entwickelten intelligenten Implantat wird im Vergleich zu früheren Systemen der herzunterstützende Rückenmuskel nicht mehr überbelastet, so dass sein Gewebe und seine Funktion dauerhaft erhalten bleiben kann.

Die millionenschwere Entwicklung zieht indes neue Kapitalgeber an. So investieren das Land, der Technologiefonds MV, der von Bund und deutschen Großkonzernen finanzierte High-Tech Gründerfonds und die Fides Finanz-Invest 1,5 Millionen Euro in das Wismarer Unternehmen. Damit solle unter anderem der erste klinische Einsatz des Muskelstimulators vorbereitet werden, kündigte der geschäftsführende Microstim-Gesellschafter Peter Klapproth gestern an. Der erste klinische Test solle bereits im kommenden Jahr erfolgen. Das Einsatzgebiet der neuen mecklenburgischen Entwicklung ist groß: Allein in Europa und den USA würden jährlich mehr als 450 000 Menschen sterben, weil, ihr Herz nicht in der Lage sei ausreichend Blut zu transportieren, begründete Uwe Bräuer, Geschäftsführer des Technologiefonds MV das Engagement. Weltweit würden jährlich 3500 Herztransplantationen durchgeführt. Damit könne noch nicht einmal ein Prozent des Bedarfs gedeckt werden, hätten Marktanalysen ergeben. Mit der neuen Finanzhilfe sei der Ersteinsatz der neuen Technik nun auch finanzielle abgesichert, sagten Bernd Goergen, Chef des High-Tech Gründerfonds, und Fides Finanzinvest-Geschäftsführer Mirko Stemmler zu.