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Feuerwehr-Streit Kneese: Einsatzübung mit Stressfaktor

Von Volker Bohlmann | 23.11.2012, 11:06 Uhr

„Brenzlige Situation“ bei den Feuerwehren im Amtsbereich Gadebusch: Nach dem Krach um ein nicht einsatzfähiges Dienstfahrzeug der Draguner Wehr, spitzte sich die Auseinandersetzung bei einer Übung in Kneese zu.

"Brenzlige Situation" bei den Feuerwehren im Amtsbereich Gadebusch. Nach einem Streit zwischen der Draguner Feuerwehr und der Bürgermeisterin als oberste Dienstherrin hinsichtlich der Bereitstellung eines TÜV-geprüften und einsatzfähigen Fahrzeuges (SVZ berichtete), spitzte sich am Mittwochabend die Auseinandersetzung zwischen der Kneeser Wehrführung und der Amtswehrführung Gadebusch in Kneese zu.


"Wir hatten eine turnusmäßige, aber nur im kleinen Kreis bekannte Einsatzübung organisiert. Im Mittelpunkt stand die Rettung von Menschen aus einem Gebäude mit starker Rauchentwicklung", sagt Amtswehrführer Ralf Siewert. Ein Szenario, an dem die Wehren aus Klein Salitz, Kneese, Krembz und Roggendorf auf dem Gelände des Archehofes mitwirkten. Eine erfolgreiche Übung mit neuem Erkenntnisstand: "Die Teiche im Ort führen nicht ausreichend Wasser. Ein Problem, denn es dauerte 20 Minuten, bis wir eine Verbindung zum weit entfernten Löschteich im Ort hergestellt hatten. Das bedeutet Anspannung für die Einsatzkräfte, denn im Ernstfall sind 20 Minuten wie gefühlte fünf Stunden", sagt Siewert. Die Wasserknappheit sei letztlich auf ein insgesamt niederschlag armes Jahr zurückzuführen. Die Rettung von acht Archehof-Bewohnern aus dem "Diskonebel" verlief dafür optimal. Siewert bescheinigte allen Teilnehmern eine gute Kooperation.

Kneeses Bürgermeister und amtierender Wehrführer Hans-Jürgen Hoffmann zweifelte die "Sinnhaftigkeit dieser spontanen Übung" an. Wenige Minuten nach der Alarmierung soll es zwischen Hoffmann und der Amtswehrführung (Wolfgang Ziegler, Andreas Hartmann und Ralf Siewert) zum verbalen Schlagabtausch gekommen sein. Siewert spricht von einem aufgebrachten Bürgermeister, der mit den Worten "Was fällt euch ein, das ist nicht abgesprochen" den Einsatz kritisiert haben soll.


Hoffmann spricht hingegen von einer besonnenen Wortwahl und Kritik in einem ruhigen Tonfall: "Ich war auf dem Weg zur Zweckverbands-Tagung. Im Sinne einer fundierten Ausbildungsveranstaltung wäre es nur ratsam gewesen, mich als Wehrführer zu unterrichten. Gemeinsam wäre es möglich gewesen, die Übung umfassender zu gestalten." Schließlich müsse die Wehr vor Ort die Gebäude und Arbeitsabläufe im Detail kennen. Auch wenn der Einsatz gut gelaufen sei, müsse er als Bürgermeister informiert werden. Nicht allein er, "auch weitere Beobachter waren von der Vorgehensweise des Amtswehrführers entsetzt". Hoffmann stuft die Informationspolitik der Amtswehrführung als gewollt ein. Denn statt wie sonst üblich, leitete nicht die Kneeser, sondern die Roggendorfer Wehr am Mittwochabend den Einsatz im Kneeser Hoheitsgebiet. "Ich muss annehmen, dass Roggendorf über diese Übung informiert und folglich vor unseren Kameraden am Einsatzort war", so Hoffmann. Dennoch sei er erfreut da rüber, dass der Einsatz erfolgreich verlief.

Nicht anders stufte Siewert den "Top-Job der Feuerwehr Kneese" ein. Angesichts der Meinungsverschiedenheit en machte Siewert deutlich: "Wir erfüllen unsere Pflichten nach dem Brandschutzgesetz." Im Ernstfall dürfe es keine Befindlichkeiten geben, müsse im Sinne der Betroffenen gehandelt werden. Kneese hatte durch den Tagungstermin des Bürgermeisters an diesem Abend keinen ausgebildeten Gruppenführer am Einsatzort. Für Amtswehrführer Siewert kein Problem: "Grundsätzlich wird bei dieser Anzahl der Wehren ein Zugführer für Leitungsaufgaben eingesetzt. Somit war ich als Einsatzleiter der erster Ansprechpartner für alle Wehren in Kneese."