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Kolumne: Leo Löwe brüllt wieder Kann der Staat dem Bürger trauen?

Von Redaktion svz.de | 11.01.2019, 20:58 Uhr

Gerd, Stefan und ich saßen mal wieder nach dem Mittagessen noch ein paar Minuten zusammen.

Jetzt zum Jahresbeginn kam mal wieder die jährliche Steuererklärung auf uns zu.

„Ich kann es noch gar nicht glauben,“ meinte Stefan, „man braucht ab jetzt keine Belege ans Finanzamt schicken. Die glauben dir jetzt alles so, ohne Rechnungen, Quittungen und Bescheinigungen, wenn ich mich nicht verhört habe. Du brauchst nur noch die grünen Blätter auszufüllen, und ab damit ans Finanzamt!“

„Das habe ich auch gelesen,“ meinte ich. „Ich habe bei der Steuererklärung immer den Jahresbeitrag beim Automobilklub angegeben, als gemeinnützige Spende. Der wurde mir aber jedes Jahr gestrichen. Den schreibe ich jetzt wieder rein. Ohne Bescheinigung des Klubs können die das doch gar nicht nachprüfen.“

Auch Gerd kam ins Grübeln. Obwohl er immer noch dem Sozialismus nachtrauert, hat er außer seinem Lohn noch ordentliche Zusatzeinnahmen. Er besitzt nämlich Land aus der Bodenreform und ein vermietetes Haus. Pacht und Mieteinnahmen führten immer dazu, dass Gerd eine kräftige Nachzahlung an das Finanzamt abdrücken musste.

Gerd erklärte uns seine Idee: Er hatte in dem vermieteten Haus ein neues Bad einbauen lassen. Den Fliesenleger und den Klempner hatte er ohne Rechnung bezahlt – also in Schwarzarbeit. „Die Kohle für die Handwerker werde ich natürlich eintragen, dann bleibt meine Mieteinnahme steuerfrei. Da spare ich leicht 2000 Euro Steuernachzahlung!“

Aber Stefan warnte ihn: „Ich erkläre euch mal die Steuererklärung. Die Finanzbeamten können die Rechnungen und Belege nachfordern. Wenn du die nicht hast, nehmen sie dich ganz genau unter die Lupe, und deine Handwerker auch. Das bringt Ärger. Sogar anzeigen können die dich, wegen Steuerbetrug!“

Nun wurde Gerd wütend: „Steuerbetrug? Wegen 2000 Euro? Die sollen sich doch erstmal um die großen Fische kümmern! Die Konzerne, die Milliarden ins Ausland verschieben! Der größte Online-Versand in Deutschland zahlt seine Steuern in Irland! Und da soll ich wegen Steuerhinterziehung vor Gericht? Denen werde ich aber was erzählen!“

„Tja,“ meinte Stefan, „auch wenn du nur ein kleiner Fisch bist, ein Netz voll Sardinen bringt mehr Kilos als ein dicker Haifisch! Und du willst doch später mal Rente bekommen, musst vielleicht mal ins Krankenhaus, brauchst Straßen und Glasfaserkabel. Wie soll der Staat das alles bezahlen, wenn die Bürger sich überall um die Steuern herumdrücken?“

Ich überlege mittlerweile ernsthaft, ob ich den Beitrag an den Autoclub nicht doch bei den „Spenden“ weglasse. Vielleicht macht das Finanzamt ja auch Stress wegen 90 Euro.