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Schwerin Hochtechnologie im Kellergewölbe

Von Elisabeth Zettl | 08.09.2009, 01:57 Uhr

Fred Smolinski steht früher auf als die meisten Schweriner. Der Haustechniker ist für die Heizungs- und Sanitäranlagen im Schloss verantwortlich und sorgt unter anderem dafür, dass die Landtagsabgeordneten nicht frieren müssen...

Lange bevor das Schweriner Schloss seine Pforten öffnet,

beginnt Fred Smolinski mit seinem täglichen Kontrollrundgang. Der Sanitär- und Heizungstechniker ist zusammen mit seinem Kollegen Benno Gurny unterwegs. Die Beiden und Werner Rudolph, Leiter des Referats Technischer Betriebsdienst, sind für die gesamte Lüftung, Klimatisierung sowie für Wärme- und Wasserversorgung im Schloss verantwortlich.

In 660 Räumen müssen mehr als 3000 Heizkörper funktionstüchtig sein. Der Heizkessel, der das Schloss von Mai bis September und je nach Veranstaltungskalender versorgt, könnte vergleichsweise 100 Einfamilienhäuser warm halten. "Wir temperieren die Räume zentral, vom Computer aus", sagt Smolinski, der seit vier Jahren im Schloss tätig ist und maßgeblich am Aufbau des komplexen Heizungssystems mitgewirkt hat.

Durch die Technologie des Gebäudeleitsystems ist jeder der 64 Heizungsstränge, jede Pumpe und jeder Luftfilter mit einem zentralen PC vernetzt. So wird erreicht, dass zum Beispiel der Plenarsaal am Sitzungstag auch die richtige Temperatur hat. Wenn sich ein Fehler ins System eingeschlichen hat, wird die Störung als Kurznachricht an das Handy von Fred Smolinski gesendet. Er kann dann rasch reagieren, gezielt vorgehen und das Problem leichter lösen.

Dennoch ist der gelernte Installateur für Sanitär, Heizung und Lüftung viel im Schloss unterwegs. "Da können schon mal vier oder fünf Kilometer am Tag zusammen kommen", erzählt Smolinski, der sowohl im Kellergewölbe als auch auf den zahlreichen Türmen des historischen Gebäudes mit stattlichen 15 112 Quadratmetern zu tun hat. "Bei so einer großen Anlage müssen wir vorausschauend arbeiten. Wir haben deshalb auch eine Wetterstation." Dadurch wird die Wärme für jedes Zimmer präzise dosiert und damit Energie gespart.

Seit einem Jahr betreibt das Schweriner Schloss aktives Ener giemanagement. Wasserstand und Wärmemengenzähler werden ständig abgefragt. Diese Datenflut wird zentral von Fred Smolinski und Benno Gurny verarbeitet und schlüsselt den Energieverbrauch genau auf. Die Energiekosten konnten so um 40 Prozent verringert werden.

Da der Denkmalschutz den Einbau von modernen Isolierglasfenstern nicht zulässt, arbeiten Smolinski und seine Kollegen derzeit an einer Abdichtung der historischen Fenster. Dadurch könnten weitere zehn Prozent gespart werden. Der vermehrte Einsatz solarbetriebener Temperaturfühler, besonders in den fensterreichen Turm-Zimmern, lotet den Wärmebedarf exakt aus. "Nachhaltigkeit ist immer wichtig", hebt Smolinski hervor. Darüber hinaus bezieht das Schloss Öko-Strom.

"Auch am Wochenende und an den Feiertagen haben wir Bereitschaft. Von zu Hause können wir per Internet die meisten Probleme lösen", so der Haustechniker. Doch die technisch und körperlich anspruchsvolle Tätigkeit im Schloss wird auch belohnt: Der Sonnenaufgang, der Ausblick und vor allem

die Abwechslung entschädigen. "Das Schöne an meinem Beruf ist die Vielfalt. Es ist ein sehr breites Spektrum", betont Smolinski. Kein Tag sei wie der andere, so dass jeden Morgen etwas Neues auf den Haustechniker wartet. Es kann ein gerissener Keilriemen sein oder auch mal eine Taube, die von ihrem Plan, in der Regenrinne ein Nest zu bauen, behutsam abgebracht werden muss.

Momentan schlägt sich auch die Bundesgartenschau auf seine Arbeit nieder. "Viele Buga-Besucher nutzen die Gelegenheit und sehen sich das Schloss an. Dann fällt auch bei uns mehr an." Dazu gehöre die Ableitung des Abwassers, Wasserent härtung für Gastronomie und Gärtnerei sowie die tägliche Überprüfung der Spring brun nen anlage in der Orangerie.

Das Schloss ist immer für Überraschungen gut: Enge Wendeltreppen, einstige Dienstbotengänge, ein geheimnisvoller, unterirdischer Tunnel, der im Burgsee verschwindet... "Man kann schon mal die Orientierung verlieren oder eine Tür finden, die man vorher nicht kannte", erzählt der Haustechniker. Und obwohl er das Schloss bis in den letzten Winkel kennt: Das Petermännchen ist ihm noch nicht begegnet. Aber man weiß nie…