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Gadebusch Ersthelfer im Dauereinsatz

Von Manja Potts | 22.02.2018, 05:00 Uhr

First Responder der Freiwilligen Feuerwehr sind in den vergangenen zwölf Monaten knapp 90-mal ausgerückt

12. Februar, internistischer Notfall, 9. Februar, psychiatrischer Notfall. 6. Februar, internistischer Notfall – seit Beginn des Jahres sind die First Responder der Gadebuscher Feuerwehr 13-mal ausgerückt. Im vergangenen Jahr sind sie auf 80 Einsätze gekommen – statistisch gesehen, wurden sie also jeden vierten Tag alarmiert.

„Wir sind relativ viel unterwegs“, sagt Andre Sack von der Feuerwehr. Er hatte vor zwei Jahren die Idee, in Gadebusch eine First-Responder-Gruppe aufzubauen. Sie soll die Lücke zwischen Erster Hilfe und Rettungsdienst schließen. Und die ist anscheinend groß.

Sack und seine Kollegen rücken aus, wenn ein Rettungswagen oder Notarzt nicht schnell genug am Einsatzort ankommt. Das passiert, wenn sie bei einem anderen Einsatz gebunden sind. Laut Rettungsdienst-Gesetz muss ein Einsatzort aber innerhalb von zehn Minuten erreicht werden. Vor einigen Wochen kam heraus, dass diese Hilfsfrist in Nordwestmecklenburg nicht eingehalten wird. Von der Alarmierung bis zum Eintreffen des ersten Rettungsmittels vergehen im Nordwestkreis im Schnitt 11,4 Minuten (wir berichteten).

Genau diese Lücken versuchen in Gadebusch die First Responder zu schließen. Sie werden, wie auch der Notarzt und Rettungswagen, von der Leitstelle in Schwerin alarmiert, doch im Gegensatz zu ihnen, sind die First Responder Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr und damit ehrenamtlich unterwegs.

„Wir decken die gesamte Bandbreite ab“, sagt Andre Sack. Vom Rentner mit Atemnot bis zum Kind, das vom Klettergerüst gefallen. Sie versorgen die Patienten, bis weitere Hilfe eintrifft. Und das kann manchmal dauern. Mitte Januar beispielsweise wurden sie zu einem Patienten mit Herzproblemen gerufen. Viel will und darf Andre Sack nicht sagen, nur dies: „Ich war nach drei Minuten vor Ort und habe sofort mit der Wiederbelebung begonnen.“ Ob die erfolgreich war, keine Auskunft, aber „wir haben noch keine leblose Person dem Rettungsdienst übergeben.“ Der Rettungswagen kam damals aus Schwerin und brauchte knapp 20 Minuten. Der Notarzt, sagt Sack, sei etwas früher da gewesen.

Sack ist Fachkrankenpfleger, andere arbeiten im Rettungswesen. Insgesamt zehn Mitglieder umfasst die Gruppe mittlerweile. Bis sie sich First Responder nennen durften, standen 80 Stunden Grundausbildung an. „Wir dürfen intubieren und einen automatischen Defibrillator benutzen“, erklärt Sack. Da Erste Hilfe nicht zu den originären Aufgaben einer Feuerwehr gehört, mussten die Gadebuscher die Ausstattung für ihren Einsatzwagen selber kaufen. So wurde der Defibrillator mit Spenden finanziert.