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Boizenburg "Eiserne Lady" auf die Reise geschickt

Von Dietmar Kreiß | 28.09.2013, 03:08 Uhr

Das warnende Klingeln signalisierte gestern kurz vor 11.30 Uhr den Betrieb großer Kräne.

Bald darauf waren ihre Motoren zu hören. Wenig später begann mit der Hängepartie einer "eisernen Lady" ganz in Blau ein besonderes Schauspiel, welches die Boizenburger in diesem Ausmaß nur noch selten erleben können. Einige Schaulustige ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen und verfolgten das Geschehen hautnah. Ein 400- und ein 600-Tonnen-Kran hievten ein 300 Tonnen schweres Bauwerk auf einen bereit liegenden Ponton. Der Kapitän des Schubschiffes hatte ihn genau auf jene Stelle platziert, die Jürgen Grund zuvor auf den Planungsunterlagen gezeigt hatte. Jürgen Grund ist aus Dessau, Diplom-Ingenieur mit Fachhochschulabschluss und der Leiter eines Projektes, das die Hamburg Port Authority (HPA) in Auftrag gab.

Die Verladeaktion beendete ein beinahe achtwöchiges Werk, welches die Firma Stahlbau Dessau gemeinsam mit der Boizenburger Niederlassung der Brenn- und Verformtechnik Bremen (BVT) auf dem Gelände der ehemaligen Elbewerft verwirklichte. Die beiden Töchter der Heinrich-Rönner-Gruppe aus Bremerhaven setzte 54 Einzelteile zu einem Ganzen zusammen. In Spitzenzeiten waren da bis zu 16 Schweißer und Schlosser im Einsatz. Unter der Leitung von Reinhard Lau bauten sie die Peuter Brücke, die die Sicherheit im Straßennetz der Hansestadt erhöht. Ihre Vorgängerin aus dem Jahr 1913 war dem heutigen Verkehr nicht mehr gewachsen, lautete die Begründung für den Neubau. Mit ihm erhält die Peute eine bedarfsgerechte und leistungsfähige Anbindung. Am Dienstag soll es so weit sein. Für den 1. Oktober ist die Montage geplant, sagte Jürgen Grund, der bei diesem Projekt, wie er meinte, nur Regie geführt hätte. Es gibt keine Frage, dass er als "Regisseur" am Montag die Reise der "Eisernen Lady" begleitet. Die ist übrigens 44 Meter lang und hat eine Gesamtbreite von 16,20 Meter. Genug Raum für die 2,70 Meter breiten Gehwege an der Süd- und Nordseite sowie für die 8,50 Meter breite Fahrbahn dazwischen, erläuterte der Leiter eines Projektes, dessen Ergebnis wegen seines markanten Oberbaus Kenner der Materie Fachwerkbrücke nennen.

Ihr Reisetermin ist für Jürgen Grund ein besonderer Tag, auch aus rein persönlicher Sicht. Nicht nur wegen der Herausforderungen, die es von allen Beteiligten zu meistern gilt. Der gut 100 Meter lange und fast 23 Meter breite Transport, bestehend aus dem Schubschiff und drei Pontons muss am Ziel seiner rund sechsstündigen Fahrt bei Niedrigwasser durch ein Sperrwerk. Hier befindet sich der Peuter Kanal, an dem übrigens keine Kräne stehen, deren Einsatz in Boizenburg um die 127 000 Euro kostete. Deren Arbeit erledigen in Hamburg zwei so genannte Hydraulikstempel, die ausgefahren werden. Mit ihrer Hilfe erreicht die Brücke dann die erforderliche Höhe von rund sechs Meter zu ihrem endgültigen Standpunkt. Ist sie dort befestigt, kann Jürgen Grund wieder ein Projekt abhaken. Das macht er am 1. Oktober übrigens genau einem Tag nach seinem 61. Geburtstag.

Manch Boizenburger mögen sich erinnern. Es war nicht das erste Mal, dass hier für Hamburg ein Schwergewicht entstand und den Wasserweg an den Zielort nahm. Im Jahre 2010 gaben das weitläufige Werftgelände mit dem Hellingkran, der Wasseranschluss und die Nähe zu Hamburg schon einmal den Ausschlag, hier ein großes Vorhaben verwirklichen zu lassen. Es entstand ebenfalls in Zusammenarbeit der Kollegen aus Boizenburg und Dessau ein neues U-Bahn-Viadukt für die Hamburger Hochbahn. Der Teile damals brachten sogar 1000 Tonnen auf die Waage.