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Rehna Ein besonderes Stück Glas

Von Tore Degenkolbe | 07.12.2017, 05:00 Uhr

Die Glasermeisterschüler der Berufsbildungsstätte Travemünde bauen der katholischen Kirche Rehna ein buntes Bleiglasfenster

Die katholische Kirche Rehna bekommt am Wochenende ein neues Fenster. Und es soll nicht irgendein Fenster werden. Ein buntes Mosaik wird dort bald den Raum schmücken – angefertigt von Meisterschülern der Berufsbildungsstätte Travemünde, Abteilung Glas.

„Es ist eine Projektarbeit in Vorbereitung auf die Abschlussprüfung“, berichtet Ausbilder Christian Schramm. Dafür sei das Kirchenfenster ideal, denn diese Art von Glasvielfalt ist selten. „Bei dem Bau des Fensters konnten die Schüler die verschiedenen erlernten Techniken anwenden“, so der Ausbilder. Dazu gehören sowohl Glasmalerei als auch die Bearbeitung mit Laser, Sandstrahler und das sogenannte Fusing, bei dem mit geschmolzenem und geschnittenem Glas gearbeitet wird.

„Die Arbeit mit der Malerei, das Spiel aus Licht und Schatten, war eine Herausforderung für die Schüler“, sagt Schramm. So musste das Marienbild – das zentrale Motiv des Kirchenfensters – insgesamt dreimal neu begonnen werden.

Insgesamt finden sich neun Motive auf dem mehrere Quadratmeter großen Bleiglasfenster. „Jedes einzelne steht für einen Heiligen, viele von ihnen auch aus der Umgebung“, erzählt Pfarrer Ferdinand Zerhusen. Allerdings werden die Heiligen nicht wie die Maria als Person beziehungsweise Figur dargestellt, sondern sind durch Symbole vertreten. „Die Symbole sollen die verschiedenen Heiligen auszeichnen und beschreiben. Der Betrachter soll schon etwas rätseln müssen“, sagt der Pfarrer. So findet sich zum Beispiel für die Heilige Anna das Symbol eines Buches. „Dieses Zeichen wurde gewählt, weil die Heilige Anna ihrer Tochter Maria das Lesen beigebracht hat“, erklärt Ferdinand Zerhusen. Die Heilige Anna ist die Patronin der katholischen Kirche Schwerin. Ihr Symbol soll nun im Fenster oben Links zu prangen. „Die Meisterschüler sollten sich auch mit der Geschichte der Heiligen auseinandersetzen“, sagt der Pfarrer. Die Meisterschüler fertigten daraufhin Skizzen an, die untereinander kontrovers diskutiert wurden. „Jeder wollte natürlich seine Idee durchsetzten. Sie alle auf einen Nenner zu bringen, das war ein Stück Arbeit.“

Der Ausbilder sieht in dem Projekt mehr als nur eine handwerkliche Aufgabe. „Von der Kommunikation über die Kalkulation bis zur Präsentation – all das ist im Projekt enthalten.“ So soll am Sonnabend, wenn das Fenster in der Kirche eingesetzt wird, eine Powerpointpräsentation über den Werdegang gehalten werden. „Es läuft dann wie bei einem Übergabegespräch mit einem Architekten“, erklärt der Blüssener.

Die Chance auf die Projektarbeit ergab sich, weil Christian Schramm selbst Mitglied der katholischen Kirchgemeinde Rehna ist. Er kennt die Räumlichkeiten und die schlichten Fenster. „Ich habe gesehen, dass die Fenster uns gute Möglichkeiten zur Gestaltung bieten und der Denkmalschutz uns hier nicht beschränkt“, so Christain Schramm. Also sprach er den Pfarrer auf die Projektidee an. Und der sagte zu.

Einen Wermutstropfen wird es am Sonnabend allerdings geben. Eigentlich sollten alle zwölf Schüler das Fenster übergeben, es werden aber nur elf sein. „Dennis Wichelmann, der sehr engagiert am Fenster mitarbeitete, liegt seit einem Motorradunfall im Krankenhaus. Wir wünschen ihm alles Gute und hoffen, dass wir seinen Einsatz an dem Fenster entsprechend gut mitvertreten können“, sagt der Ausbilder.