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Schandfleck in Gadebusch Ein Bauprojekt mit Hindernissen

Von VOBO | 31.12.2016, 04:45 Uhr

Landkreis erwartet lückenlose Bauanträge von Horst Brandt. Die Stadt Gadebusch setzt auf Vermittlung und Beseitigung des Schandflecks

Ruine weg – neues Haus errichten! Mit diesem Anspruch startete Dr. Horst Brandt aus Schwerin in sein Bauprojekt Steinstraße 11 in Gadebusch. Ein Langzeitvorhaben, das vor ihm bereits verschiedene Bauherren in den Griff bekommen wollten. Bislang ohne Erfolg. Somit präsentiert sich die Steinstraße 11 als ehemalige Konsumfleischerei weiterhin als Schandfleck von Gadebusch.

Daran wird sich vorerst anscheinend nicht viel ändern. „Seit Monaten warten wir auf eine Baugenehmigung und erhalten diese nicht vom Landkreis“, moniert Brandt. Er macht seinem Ärger beim Heißen Draht der SVZ Luft. Er habe zahlreiche Telefonate mit dem Kreisbaumt geführt, einen umfangreichen E-Mail-Verkehr begleitet. „Ständig mussten wir Unterlagen und Planungsergänzungen nachreichen und nichts passiert“, sagt der Bauherr. Er glaube, dass das zuständige Bauamt seine Bearbeitungszeit ausreize, dann Nachforderungen stelle und somit die Bearbeitung verzögere. Dabei dränge für ihn die Zeit: „Die Förderung über die BIG Städtebau, den Sanierungsträger für die Altstadt von Gadebusch, läuft Ende 2016 aus.“ Nach SVZ-Informationen geht es dabei um zirka 100 000 Euro.

Die Kritik von Brandt weist der Landkreis entschieden zurück. „Trotz vielfacher Mahnungen hat es der Bauherr bis heute nicht verstanden, die für die Bearbeitung der Anträge wesentlichen Unterlagen mit den erforderlichen Angaben beizubringen“, heißt es auf Anfrage der SVZ. Gefordert war u.a. der statische Nachweis für die Standsicherheit der Nachbargebäude. Dieser gilt als wesentliche Voraussetzung für einen Abriss des Schandflecks. Die erforderliche Abbruchanzeige liegt dem Bauamt des Kreises seit Februar 2015 vor, der Bauantrag seit Mai 2015. Aufgrund noch fehlender Unterlagen hätte die Abrissgenehmigung eben nicht erteilt werden können, so der Kreis. Aufforderungen vom September 2016 und Oktober 2016, fehlende Planungsunterlagen nachzureichen, sei der Bauherr erst nach nochmaliger Forderung nachgekommen. „Am 13. Dezember wurde reagiert. Allerdings entsprechen auch diese Papiere nicht einer ordnungsgemäßen Bauantragstellung“, wie Kreisspressesprecherin Petra Rappen mittelt. Hinsichtlich der Bewertung des Problemfalls bietet der Landkreis gegenüber der SVZ eine Erläuterung und Einsicht in die Akten an.

Brandt sieht in den ihm gegenüber artikulierten gesetzlichen Forderungen keine wirkliche Unterstützung seines unternehmerischen Wirkens. „Die wissen nicht, was sie machen“, sagt er auf der Baustelle in Gadebusch und winkt ab. Mit einem Abrissunternehmer und dem Vorbesitzer Miroslav Hadjiav bespricht er vor Ort bereits den Rückbau. Beide Gesprächspartner weisen gegenüber Brandt auch auf eine erforderliche Abrissgenehmigung und den Nachweis der Standsicherheit der Nachbargebäude hin.

Rommy Elßner, Leiterin Bauamt Gadebusch, kennt das Projekt Steinstraße und den mittlerweile langen Werdegang. Sie setzt weiter auf eine Zuarbeit: „Zur Bewertung müssen die Bauämter Daten der Grenzvermessung, Höhenangaben zum Gebäude, Straßenansichten des neu geplanten Hauses und wie sich dieses optisch in die Nachbarbebauung einfügt, vorliegen haben“, sagt sie. Nur so könne auch aus denkmalpflegerischen Gesichtspunkten eine Aussage getroffen werden.

In den uns zur Einsicht vorgelegten Unterlagen fehlt es in Teilen allerdings an einer allumfänglichen Darstellung des Vorhabens. Darüber hinaus gibt es weitere Punkte: „Der Bauherr möchte aus Eigeninteresse mit seiner Investition – das ist für uns nachvollziehbar – das maximale an Wohnraum schaffen. Allerdings ist eine beabsichtigte Dreigeschossigkeit in Richtung Hof auf den ersten Blick problematisch“, sagt Elßner. In diesen Gestaltungsfragen seien sich der Landkreis und der Bauherr eben auch nicht einig.

Eine Versagung des Bauprojektes wäre aus Sicht der Stadt Gadebusch die denkbar schlechteste Variante. Elßner: „Da gehen Jahre ins Land bis sich wieder etwas bewegt.“ Auch, wenn die Münzstadt nicht Herr des Verfahrens ist, arbeitet Eßner auf eine Lösung hin: „Alle müssen an einen Tisch. Möglicherweise gelingt uns ein Kompromiss.“ Findet sich ein Konsens, wäre eine Gesprächsrunde Anfang Januar denkbar.