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Altes Handwerk in Dorf Mecklenburg Die Butter aus dem Erdbeerglas

Von HGL | 15.03.2018, 11:45 Uhr

Kursteilnehmer sind fasziniert, wie so etwas funktioniert

Seit Monaten schon stöhnen Verbraucher über die hohen Preise für Butter. Mit Ausnahme von Birgit Bruhs. Ganz im Gegenteil. Die Museumspädagogin des Kreisagrarmuseums findet, dass das beliebte Streichfett eigentlich noch teurer sein müsste: „Die Herstellung von Butter ist so aufwendig, da hätte ein höherer Preis seine Berechtigung.“ Die gelernte Melkerin demonstrierte in Dorf Mecklenburg den Teilnehmern eines Kurses, wie lang der Weg der Butter von der Molkerei bis ins Kühlregal tatsächlich ist.

Ein Weg, der genau betrachtet, schon früher beginnt. Denn Kühe brauchen nun mal Futter. Idealerweise holen sie sich dieses – ländliche Idylle pur – von einer Koppel mit saftig grünem Gras. 60 Kilogramm Futter benötigen Milchkühe durchschnittlich pro Tag, erklärt Brigitte Bruhs den Kursteilnehmern. Plus 100 Liter Wasser. Durchschnittlich 30 Liter Milch pro Tag würden die Tiere dann erzeugen. Rohmilch, die die Grundlage für die Herstellung von Butter bildet.

Und das funktionierte zu Großmutters Zeiten auf traditionelle Weise und in aller Kürze in etwa so: Man nehme frische Kuhmilch, fülle diese zur Trennung von Rahm und Magermilch in eine Zentrifuge, gebe den so gewonnenen Rahm anschließend in ein Butterfass und stampfe diesen so lange, bis sich Butterklümpchen bilden und schließlich Butter entsteht. Klingt einfach, oder? Ist es aber nicht. „Ich hätte nicht gedacht, dass das so aufwendig und anstrengend ist“, stöhnt Peter Frank. Der Museumspädagoge des Schönberger Volkskundemuseums hat sich gerade minutenlang an einer per Handkurbel angetriebenen, betagten Zentrifuge abgemüht, den fetten Rahm von der Magermilch zu trennen. Was dann folgt, ist der eigentliche Vorgang des Butterns. Anno dazumal verwendeten die Menschen dazu ein hölzernes Butterfass. Zu Demonstrationszwecken reichen dazu aber auch ein nunmehr mit Rahm halb gefülltes Marmeladenglas und eine darin befindliche, kreisrunde, durchlöcherte Holzscheibe. Durch minutenlanges, gleichmäßiges Schütteln des Glases bilden sich zuerst kleine Butterklümpchen und schließlich streichfertige Süßrahmbutter.

Für Nachahmer, die aber nicht über eine Zentrifuge verfügen, hat die Kursleiterin einen Tipp parat: „Mit frischer, süßer Sahne aus dem Kühlregal kann genauso gut gebuttert werden.“

Die Herstellung von Sauerrahmbutter auf traditionelle Weise in der eigenen Küche ist sogar noch etwas einfacher. Früher wurde dazu lediglich der Rahm abgeschöpft, der sich bei nicht homogenisierter Milch nach einigen Tagen von selbst absetzt und dann aus diesem Rahm die Butter hergestellt.

Übrigens: Die gelochten Scheiben der Butterfässer bestanden früher aus Ebereschenholz, um den Einfluss von Hexen auf das Buttern zu verhindern.