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Gadebusch Bürger sollen das Schloss leben

Von PETT | 14.12.2017, 05:00 Uhr

Volles Haus bei erster öffentlicher Infoveranstaltung nach Erwerb des Gadebuscher Renaissance-Baus

Eins ist klar: Das Schloss ist das Mammut-Projekt der Münzstadt für die nähere Zukunft. Dabei kann keiner genau sagen, ob es zehn, fünfzehn oder noch mehr Jahre braucht, bis der Renaissance-Bau aus dem 16. Jahrhundert fertig restauriert und seinen neuen Nutzungsformen übergeben ist. „Aber das macht nichts, der Weg ist doch das Ziel“, sagt gestern ein sichtlich zufriedener Prof. Dr.-Ing. Frank Braun von der Hochschule Wismar.

Etwa 100 interessierte Bürger, überwiegend aus Gadebusch, sind der Einladung von Bürgermeister Ulrich Howest (parteilos) gefolgt, um an der ersten öffentlichen Informationsveranstaltung nach dem Erwerb des Schlosses durch die Stadt teilzunehmen. 220 100 Euro hat die am 19. Oktober dafür bezahlt. Nun soll es für geschätzte zehn Millionen Euro saniert werden.

Professor Braun stellt den Teilnehmern der Veranstaltung die aktuelle bauliche Situation des Schlosses und der übrigen Gebäude auf dem Schlossberg vor und auch, welche baulichen Veränderungen es in der mehrere hundert Jahre langen Geschichte gegeben hat. „Ich habe mich dafür durch einen Meter Akten gewühlt“, berichtet der Fachmann von der Wismarer Hochschule, der Schloss und die Nebengebäude bereits seit den Untersuchungen von 1992 bis 97 kennt: „Zuletzt war ich 1994 hier.“ Obwohl bereits ein Schadenprotokoll von 1709 vorliegt, in dem von Schwammbefall und verrotteten Decken die Rede ist, sei die Bausubstanz noch in einem erstaunlich guten Zustand – trotz des zuletzt 20-jährigen Leerstands der Immobilie. Kurzum: „Es gibt nichts, was so dramatisch wäre, dass man es nicht in Ordnung bringen kann“, lautet das Fazit von Frank Braun. Das gilt auch für die durchhängenden Deckenbalken, deren mangelhafte Aufhängung bereits vom Ursprungsbau herrührt.

Einigkeit herrscht bei allen darüber, dass alles steht und fällt mit einem tragfähigen Nutzungskonzept. Erste Ideen dazu hat der Architekt und Stadtverordnete Hans-Christoph Struck vorgestellt: „Wir haben 840 Quadratmeter Gesamtnutzfläche im Schlosshauptgebäude“, so Struck. Derzeit ist angedacht, das Erdgeschoss für eine Ausstellung zur Schlossgeschichte zu nutzen, der große Raum im 1. Obergeschoss soll als Festsaal – auch für private Feiern – etabliert und im 2. Obergeschoss könnten Vereinsräume und das Standesamt untergebracht werden. In jedem Fall ist aber eine öffentliche Nutzung geplant und keine „Nutzung als seniorengerechte Wohnanlage“, wie Bürgermeister Ulrich Howest von einigen Anfragen berichtet.

Alle Gadebuscher sind aufgerufen, sich mit Ideen und Engagement einzubringen – „das Schloss zu leben“, wie sich Professor Braun ausdrückt. Das haben die Besucher der Veranstaltung reichlich getan. „Wir brauchen Öffentlichkeit und einen schlagkräftigen Förderverein“, fordert Gerhard Schotte vom Förderverein Renaissanceschloss-Museum Gadebusch. Nur so können Sponsoren, Stiftungen und Fördergelder gewonnen werden. Einen erfahrenen Unterstützer gibt es schon: Der Klosterverein Rehna hat Hilfe zugesagt.