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Anlandung in Wismar Buchtranger in der Winterpause

Von Hans-Joachim Zeigert | 13.12.2016, 04:45 Uhr

Als eines der letzten Wasserfahrzeuge steht das Kontrollboot „Runa“ auf dem Trockenen / Jetzt beginnt die Auswertung aller Kontrollfahrten

Langsam werden die Hände klamm, denn alle seemännischen Arbeiten, wie Knoten lösen, lassen sich nicht mit Handschuhen bewerkstelligen. Dann beginnt es noch zu regnen. „Das hatte ich bisher zum Ende der Saison so noch nicht erlebt“, konstatiert Jürgen Weigel kurz und knapp und zwar mit triefend nassem Kopf. Dennoch steht er zufrieden vor seiner „Runa“. Alles musste zuvor ganz fix gehen. So blieb nicht mal Zeit für wettergerechte Kleidung.

Erster Eindruck am Boot, als es noch tropfend am Kranhaken hing: Kein Muschelbesatz oder Seepocken am Unterwasserschiff. Deshalb hielt sich die Grobwäsche-Aufwand mittels Druckstrahlers in Grenzen. Der vor Saisonstart aufgetragenen Antifouling- Schutz zeigte deutliche Wirkung.

Das Buchtrangerboot mit dem markanten, knallroten Rumpf steht nun sicher auf dem Trockenen. Das verdankt Weigel nicht zu letzt den beiden Helfern des Yachtclub Wismar, die ihn in unbürokratischer Weise unterstützten: Torsten Bauermeister und nicht zuletzt am Kran selbst der amtierende Hafenmeister Reinhard Schulz.

„Eigentlich war der Krantermin schon etwas früher angesetzt, doch ich wollte den Leuten vom Vogelschutzverein Langenwerder meine Unterstützung nicht versagen“, so Weigel weiter. Konkret handelte es sich um einen Zubringerdienst per Schiff für vier Vogelwarte. Die kümmern sich im späten Herbst um die Winterfestmachung ihrer Beobachtungsstation auf der Vogelinsel Walfisch. Somit wurde die Saison des Buchtrangers auch in diesem Jahr voll ausgeschöpft. Ab 2008 übte erstmals Ulrich Eichel diese Funktion aus. Ab 2012 übernahm Jürgen Weigel diese hauptamtliche Funktion als Mitglied der Regionalvereinigung Segeln (RVS) und des Yachtclubs Wismar. Durch einen abgeschlossenen Werkvertrag mit dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg (StALU WM) über die „Betreuung und Öffentlichkeitsarbeit im Bereich des Europäischen Vogelschutzgebietes Wismarbucht und Salzhaff“ für die Jahre 2016 bis 2018 wird die RVS aus Landes- und EU-Fördermitteln finanziell unterstützt.

Was nun folgt, sind die zu erledigenden „Hausaufgaben“ zum Saisonende. Damit sind gut 50 Kontrollfahrten-Protokolle, sowie etliche über Land Inspektionen von Schutzgebiet Küstenstreifen auszuwerten. Diese nichtmaritime Mobilität per PKW hat seinen besonderen Grund. Denn bei Starkwind wird nicht Boot gefahren und bei Regen sieht er auf dem Wasser nichts. Dagegen sind die speziellen Wassersportler, insbesondere die Kite- Surfer, bei Wind und jedem Wetter draußen.

Auch umfangreiches Luftbildmaterial von Überfliegungen der Schutzgebiete ist zu sichten und auszuwerten.

Das der einstige Fahrensmann auf Frachtschiffen noch immer mit Leib und Seele diesen Job ausübt, ist keine Frage. „Natürlich, auch wenn es manchmal wie der Kampf gegen Windmühlen anmutet, da es leider immer wieder zu Verstößen gegen die ‚Freiwillige Vereinbarung Naturschutz, Wassersport und Angeln (FVW)’ durch unvernünftige Wassersportler kommt“, gesteht der 60-jährige Buchtranger.

Trifft er jedoch während seiner Aufklärungsarbeit, denn diese ist wesentlicher Bestandteil seines Jobs, zudem auf Einsicht, dann empfindet er es wie ein kleines Erfolgserlebnis. So zieht der Buchtranger insgesamt ein positives Saisonfazit: „In einigen sensiblen Gebieten sind die Verstöße zurückgegangen zum Beispiel im NSG Tarnewitz oder an der Sandbank Lieps. Das ist auch der guten Zusammenarbeit mit dem Management der Marina Boltenhagen zu verdanken. Aber es gibt auch weiterhin Orte, in denen häufige Verstöße gegen die FVW beobachtet werden. Vor allem das für Wasservögel hochsensible Flachwassergebiet vor Roggow im Salzhaff ist davon betroffen. Hier erzeugen Kiter und Surfer ein hohes Störungspotenzial.“ Leider trifft Jürgen Weigel hier in Aufklärungsgesprächen auf wenig Einsicht. Zugenommen haben ebenso Verstöße durch Jet-Skifahrer im Salzhaff, aber auch auf der inneren Wismarbucht. Durch ihre unstete und schnelle Fahrweise verursachen sie große Störungen für viele Arten der Wasservögel.