Krimi-Dinner in Rehna : Zwischen Hähnchenbrust und Eis

Der Tabledance der ollen Ella riss die Gäste von den Stühlen. Fotos: Patricia Lösche
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Der Tabledance der ollen Ella riss die Gäste von den Stühlen. Fotos: Patricia Lösche

Kulinarische Köstlichkeiten beim Krimi-Dinner in Rehna/150 Gäste trafen sich am Sonntag im ausverkauften Hotel „Stadt Hamburg“

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17. März 2015, 00:27 Uhr

Was für eine tolle Zeit, die 60er Jahre. Rock-n-Roll noch nicht reloaded und gecovered, sondern neu und aufregend. Fußball wurde von richtigen Jungs gespielt, nicht von Millionentransfers. So wie „Uns Uwe“ Seeler. „Sensationell, 66 das Tor gegen Schweden, oder Loide, oder?“ Im breitesten Hamburger Slang nimmt Wirt Onkel Hugo alias Theaterleiter Dieter Warszawo die Gäste im Rehnaer Hotel „Stadt Hamburg“ mit auf Zeitreise in seine Kiezkneipe, Tatort beim diesjährigen Krimi-Dinner. „Wir hatten uns ein Limit von 140 Gästen gesetzt“, sagt Küchenchef Jürgen Riese, „150 sind es geworden, und wir hätten noch 50 Karten mehr verkaufen können.“ Aber das erlauben Räumlichkeiten und Personaldecke nicht. Zu sechst in der Küche, zu siebt im Service, da blieb so schon kaum Zeit zum Luftholen.

Zwischen zartem Hähnchenbrustsalat, Kartoffelcremesuppe, leckerer Schweinefilet-Roulade und verführerischem Schokomuffin mit Eis versetzten die fünf Jungs und Deerns aus Seelers Heimatstadt Hamburg ihr Publikum zwischen den Gängen ins hanseatische Rotlicht-Milieu, Jahrgang 1966. „Mord in der Haifischbar“, eine kleine Hommage an die Fernsehserie, die der NDR ab Anfang der 60er Jahre ausstrahlte, lässt dem Küchenpersonal gerade genug Zeit, jeden Gang liebevoll vorzubereiten, ohne dass den Gästen die Zeit lang wird.
Während Wirt Onkel Hugo, Tresenfee Tante Hermine, Kleinganove Herr Danzinger aus Österreich, seine Bordsteinschwalbe Moni, die olle Ella und schließlich Hauptwachtmeister Lothar zusammen mit Sascha, dem Musiker, den Saal zum Kochen bringen, rotieren in der Küche die Köche.

Die Schauspieler des „Theater Iks“ sind Profis. „Wir spielen viel auf Veranstaltungen großer Firmen“, sagt Dieter Warszawo, der die mobile Theatergruppe vor zwanzig Jahren gründete und damit ausgebildetem Schauspiel-Nachwuchs wie Pia Carlotta Hansen (Ella), Vivien Schwedler (Moni und Hermine) und Torben Sterner (Danziger und Hauptwachtmeister) eine Chance gibt, ihr Talent unter Beweis zu stellen. An über hundert Tagen im Jahr. Die Ähnlichkeit mit dem Ohnsorg-Theater ist dabei durchaus gewollt. In einer Mischung aus Theaterspiel und Animations-Show zogen sie in Rehna gekonnt das Publikum in ihren Bann und nach anfänglichem Zögern schließlich von den Sitzen.

Wenn Wirt Hugo den süßen Deerns an den Restaurant-Tischen zweifelhafte Komplimente machte, Hermine freizügig Schnaps verteilte und der dümmliche Polizist Lothar den mysteriösen Mordfall an Dandy Danziger mit Hilfe von Zeugenbefragungen im Publikum zu lösen versuchte, waren die Lacher auf ihrer Seite. Ausgelassen wurde die Stimmung, wenn Ella als „Running Gag“ immer wieder auf der Interpretation von „Rock around the clock“ beharrte oder die betrogene Rotlicht-Moni Zuschauer mit einem rockigen „Let’s have a party“ zum Tanzen aufforderte. So manch einer wurde genötigt, eine kurze, aber fesche Sohle aufs Parkett zu legen. Als Ella am Ende unter Gejohle und Geklatsche zum Tabledance genötigt und als meuchelnde Mörderin entlarvt wurde, war der letzte Gang serviert und die Stimmung auf dem Höhepunkt.

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