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Reise nach Bolivien : Zwei Stover auf der Todesstraße

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Gerald und sein Sohn, Che Keller waren 23 Tage in Bolivien unterwegs. Ihr Fazit der Reise: „Wir müssen viel mehr Demut üben “

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erstellt am 23.Apr.2014 | 00:00 Uhr

Nach mehr als 60 Stunden Rückreise sind die Stover Gerald, 54 Jahre, und sein Sohn Che Keller, 25 Jahre, wieder heil und gesund, aber auch unheimlich müde, von einer Abenteuertour ins südamerikanische Bolivien heimgekehrt.

23 faszinierende Tage in denen die Unterstützung des Projektes Regenzeit e. V. auf dem Plan stand, liegen hinter den beiden. Eine 60 Kilometer lange Abfahrt per Rad auf der Todesstraße, Essen kochen mit Einheimischen oder das Kauen von Koka-Blättern, um der auf 4000 Meter vorherrschenden dünnen Luft Herr zu werden, sind Augenblicke, die die beiden Stover ihr Leben lang nicht vergessen werden. Auch eine Lebensweisheit haben die beiden aus Bolivien mitgebracht: „Wir müssen viel mehr Demut üben. Erst nach so einer Reise weiß man, wie gut es uns in Deutschland geht“, sagt Gerald Keller.

Den ersten Nervenkitzel erleben die beiden am dritten Tag ihrer über Frankfurt/Main, Madrid, Lima (Peru) nach La Pas (Bolivien) führenden Reise. 60 Kilometer bergab mit dem Fahrrad auf der berüchtigten Todesstraße stehen auf dem Programm. „Man hat uns nicht zuviel versprochen. Eine drei Meter breite Straße und daneben 800 Meter steiler Abgrund. Und wir Radfahrer mussten am Abgrund fahren, wenn ein Auto kam“, erzählt Gerald Keller. Doch schon nach ein paar Kilometern sei der Nervenkitzel der Sicherheit gewichen, denn dank ihres Hobbys, dem Triathlon, sind die beiden keine ungeübten Radfahrer. „Es war ein geniales Erlebnis“, sagt Gerald Keller.

Anschließend geht es nach Ruren Abaque, einem kleinen bolivianischen Dorf, wo die Stover sich mit Verantwortlichen des Vereins „Regenzeit“ e. V. treffen. „Leider gab es wenige Tage vorher eine Überflutung in der Region und wir haben statt in der Tierauswilderungsstation zu arbeiten, mehr mit Aufräumarbeiten in einer Klinik zu tun gehabt“, erzählt Keller, der schon jetzt erkennt, dass man hier in Südamerika mit viel weniger Geld, viel mehr bewegen kann. „Ein Zahnarzt in der Klinik kann mit 600 bis 900 Euro ein halbes Jahr arbeiten. Das ist doch verrückt“, sagt der Abenteurer. Auch für den Aufbau der von der Überflutung vernichteten Häuser werden lediglich etwa 200 Euro pro Haus benötigt.

Etwas erschlagen von diesen Eindrücken geht es anschließend für fünf Tage in den Urwald. Auch hier reißen die gewaltigen Eindrücke nicht ab: Dicke Bäume, sogenannte Urwaldriesen, die von zwölf Menschen gleichzeitig nicht umspannt werden können, wecken immer wieder das Interesse der kleinen Gruppe. „Wir konnten uns anschauen, wo Papageien brüten oder wo Krokodile ihr Lager aufgeschlagen haben“, erzählt Gerald Keller. „Wer hier keine Hochachtung vor der Natur hat, ist fehl am Platze. Dort vor Ort versteht man, warum sich viele Menschen zurecht gegen die Abrodung des Urwaldes stemmen“, sagt der Stover. 23 Prozent Boliviens sind Naturschutzgebiet, in Deutschland sind es gerade einmal ein Prozent der Fläche.

Nach fünf langen Nächten, in denen die mitgereisten Einheimischen Fische angeln und zum Abendbrot vorbereiten, der Dschungel hörbare Eindrücke hinterlässt und die aufgehende Sonne den Urwald plötzlich leben lässt, beendet eine anschließende Reise zur Sonneninsel des Titicacasees und ein zweitägiges gigantisches Karnevalabenteuer die einzigartige Reise. „Es fällt schwer, diese einmaligen Eindrücke wiederzugeben. Ich hoffe, ich kann den Leuten aus meiner Region mal einen Lichtbildervortrag zeigen und damit vielleicht die eine oder andere Hütte wieder aufbauen lassen. Hier kommt das Geld genau da an, wo es hin soll“, sagt Gerald Keller, der sich diese Reise auch ein zweites Mal vorstellen kann.


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