Wismar : Zur Schönheitskur in Berlin

Die Berliner Papierrestauratorin Susanne Grzimek bearbeitete die wertvollen Pläne.
Die Berliner Papierrestauratorin Susanne Grzimek bearbeitete die wertvollen Pläne.

Erste Architektur- und Konstruktionspläne des innovativen DDR-Bauingenieurs Ulrich Müther wurden restauriert

svz.de von
16. Juli 2018, 11:45 Uhr

Mitarbeiterinnen des Müther-Archivs in der Hochschule Wismar konnten 35 restaurierte Architektur- und Konstruktionspläne des bekannten Bauingenieurs und Protagonisten im Bereich der Schalenbauten, Ulrich Müther, in Empfang nehmen. Die Berliner Papierrestauratorin Susanne Grzimek hatte in den vergangenen Monaten die wertvollen handgezeichneten Pläne von zwei Projekten – der Messehalle in Rostock und der Bushaltestelle in Binz – bearbeitet. Diese können nun im Rahmen eines vom BMBF geförderten dreijährigen Projektes in Zusammenarbeit mit dem Baukunstarchiv der Akademie der Künste Berlin weiter erschlossen und gelagert werden.

Als die geknickten oder gerollten Architektur- und Konstruktionspläne aus dem Müther-Archiv in Wismar bei der Papierrestauratorin Susanne Grzimek in Berlin eintrafen, musste die Spezialistin ganz unterschiedliche Schäden aufnehmen. Zahlreiche Risse – meist an den Rändern – sowie einige Fehlstellen waren zu verzeichnen. Außerdem hatten alte Reparaturen mit ganz unterschiedlichen Selbstklebebändern ihre Spuren hinterlassen.

Die Hauptherausforderung war laut Susanne Grzimek das Entfernen der Selbstklebebänder vom Transparentpapier. Nach der Untersuchung, welche Klebebänder verwendet worden waren, mussten geeignete Lösungen für das Ablösen vom Transparentpapier entwickelt werden. Der Klebstoff wurde dafür teilweise mit Hitze aktiviert und Reststände zum Beispiel mit einem speziellen Radiergummi abgetragen.

In einem dritten Schritt konnten die Risse geschlossen werden. Hierbei kam Spezialpapier zum Einsatz, welches alterungsbeständig ist und eine hohe Reißfestigkeit hat. „Das verwendete Japanpapier ist sehr dünn und trotzdem sehr stabil. Da Transparentpapier eine sehr dichte Oberfläche hat und sehr wasserempfindlich ist, habe ich mit einem thermoplastischen Werkstoff gearbeitet, der auf das Papier aufgebügelt wird“, erläutert die Restauratorin ihr Vorgehen.

Der abschließende vierte Arbeitsschritt der Restaurierung war die teilweise Glättung der Pläne. Damit sich das Papier „entspannen“ konnte, wurde mit sehr geringer Feuchtigkeit und Gewichten gearbeitet.

Die 35 Pläne aus dem Müther-Archiv wurden in rund einem Monat reiner Arbeitszeit so restauriert, dass sie vor weiteren Schäden geschützt sind. Herkömmliche Alterungsspuren, wie zum Beispiel eine leichte Vergilbung, bleiben erhalten. „Unsere Hauptarbeit ist den Bestand, so wie er jetzt ist, zu sichern“, so Lisa Zorn, die als Projektmitarbeiterin in Berlin die Arbeit koordinierte. Die Pläne müssen nun liegend mit nur wenigen Blättern in einer Mappe gelagert werden.

Im Zuge der Aufarbeitung des Nachlasses des innovativen DDR-Bauingenieurs können schrittweise weitere Pläne und Modelle restauriert werden.

Seit 2017 wird in Zusammenarbeit mit dem Baukunstarchiv der Akademie der Künste, Berlin, der an der Hochschule Wismar vorhandene Müthersche Nachlass in dem dreijährigen Verbundprojekt „Sonderbauten der DDR-Moderne“ zu einer nachhaltig nutzbaren Forschungs- und Lehreinrichtung entwickelt. Die systematische Erschließung des Archivs wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit rund 470 000 Euro gefördert. Die Hochschule Wismar plant außerdem 250 000 Euro für Baumaßnahmen und Ausstattung einzusetzen.

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