Wismar : Zahl der Asylbewerber steigt

Waltraud Clasen, Hartmut Möller, Christel Strefner und Kerstin Weiss (v.l.) sind mit der Kooperation der Kommunen zufrieden. Sie unterstützen die Unterbringung von Asylbewerbern.
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Waltraud Clasen, Hartmut Möller, Christel Strefner und Kerstin Weiss (v.l.) sind mit der Kooperation der Kommunen zufrieden. Sie unterstützen die Unterbringung von Asylbewerbern.

Kreis betreut 399 Menschen. Gemeinschaftsunterkunft ausgelastet.

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14. November 2014, 07:00 Uhr

Die angespannte weltpolitische Lage sowie Unruhen in einzelnen Ländern haben Auswirkungen auf den Zugang von Asylbewerbern im Nordwesten. Seit Oktober 2013 stieg deren Zahl von 256 auf heute 399 an. „Im Schnitt erreichen uns wöchentlich zwischen 10 und 15 Menschen, die anschließend das Asylbewerberverfahren durchlaufen“, sagt Hartmut Möller, Leiter der Gemeinschaftsunterkunft Haffburg Wismar. Dort leben derzeit 338 Frauen, Männer und Familien. Hauptherkunftsländer sind Ghana, Afghanistan, Syrien, Eritrea, Serbien sowie Ägypten. Damit nimmt der Nordwesten 7,3 Prozent der Asylbewerber des Landes (21 279 bis Oktober 2014 in MV registriert) auf. Die Verteilung erfolgt nach einem vorgeschriebenen Schlüssel auf das Bundesgebiet.

„Von Dramatik kann überhaupt nicht die Rede sein. Die Menschen erhalten von uns die Hilfe, die ihnen zusteht“, sagt Landrätin Kerstin Weiss (SPD). Damit wendet sie sich gegen die aktuelle Stimmungsmache der NPD im Land.

Bis September erfolgte die Unterbringung der Asylbewerber ausschließlich in der Gemeinschaftsunterkunft Haffburg. Problem: Die Kapazitäten sind dort erschöpft. Seit Ende Oktober wird somit die dezentrale Unterbringung der Menschen organisiert. „Wir sind damit in Wismar gestartet“, sagt Hartmut Möller.

Grundlage für eine Neuausrichtung waren im Vorfeld Gespräche mit den Kommunen und den zuständigen Wohnungsgesellschaften in Wismar und Grevesmühlen. Nicht weniger bedeutsam seien die Gespräche mit den künftigen Nachbarn, stellt Möller klar. Insbesondere religiöse Gründe sowie die Herkunft der Menschen müssten hinsichtlich einer Konfliktvermeidung Berücksichtigung finden. Die Verweildauer der Asylbewerber sei unterschiedlich und reiche je nach Fortschritt und Ergebnis des Verfahrens von zwei Wochen bis zwei Jahren, so Möller weiter.

Große Geschenke gibt es nicht. „Die Menschen erhalten etwas Geld zur Selbstverpflegung und Wohnraum. Zur Ausstattung gehören Mobiliar wie Betten, Schrank und Tisch.“ Die Betreuung übernehmen die sechs Sozialarbeiter vom Fachdienst Bildung. Bei der dezentralen Versorgung kümmert sich ein Sozialarbeiter um bis zu zehn Bewerber in der Stunde. Folglich denkt der Landkreis über eine Personalaufstockung nach. „Dadurch entstehen uns keine zusätzlichen Kosten, die werden, bis auf die Verwaltungsarbeit, vom Land MV getragen“, sagt die Landrätin. Ein mehr an Personal kann letztlich die Integration der Menschen verbessern. Dazu gehört laut Möller ebenso die vorgeschriebene Schulpflicht für Kinder ab dem zweiten Tag. „Die Menschen müssen bei jeglicher Art von Unterbringung Sozialamt, Ausländeramt, Schulen, Kindergärten und Ärzte fußläufig bzw. mit dem Öffentlichen Personennahverkehr erreichen können.“

Wie sich die Zahlen der Asylbewerber zukünftig entwickeln, vermag niemand zu prognostizieren. Ausgehend von der weltpolitischen Lage rechnet der Nordwestkreis weiter mit bis zu 40 Personen im Monat.

Kerstin Weiss lobt das Team des Fachdienstes: „Sie machen eine guten Job. Es gibt keine wirklichen Konflikte.“ Für eine bessere Unterbringung laufen aktuell die Planungen zur Sanierung des Komplexes Haffeld. Rund 1,3 Millionen Euro stehen vom Land für neue sanitäre Anlagen, Küchen und Elektroanlagen bereit. „Der Baustart erfolgt abschnittsweise Anfang März. Innerhalb von zwölf Monaten wollen wir das Projekt zu Abschluss bringen.“

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