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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

25. November 2017 | 05:12 Uhr

Kulturtage Dechow : Wundervolle „Wunderübung“

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Drei Vollblutmimen brachten eine Paartherapiesitzung auf die Dorfbühne

„Wenn Zwei sich streiten, freut sich der Dritte“, meint der Volksmund und hätte damit beinahe auf ganzer Linie recht behalten – zumindest was das Publikum der Kulturtage Dechow betraf. Allerdings tauchten Sigrid Dettlof, Ulli Haussmann und Joachim Kappl – bekannt und beliebt aus dem Combinale THTR zu Lübeck – den vollbesetzten Saal der Dorfbühne in ein Wechselbad der Gefühle.

Als treffsicher in Sachen herausragender Bühnenkunst hatte es sich auch diesmal wieder erwiesen, dass Gastgeberin Irmgard von Puttkamer aus reichhaltigem Repertoire das Stück „Die Wunderübung“ nach Daniel Glattauer für Dechow erwählte. Die eingangs benannte Vollblutmimen verstanden es nämlich wunderbar, die vom „Meister“ angelegten „feinen Zwischentöne im Dschungel der Gefühle“ auf der Bühne zu personifizieren und hatten obendrein selbst noch einen Heidenspaß daran, wie sie am Schluss noch dankbar gegenüber ihrem hingerissenen Publikum zum Ausdruck brachten.

Dieses ließ zunächst geradezu atemlos verwundert über sich ergehen, wie sich auf der Bühne zwischen den drei Protagonisten – Ulli Haussmann als Psychologe Dr. H., Sigrid Dettlof und Joachim Kappl als Ehepaar Joana & Valentin in Krise – eine scheinbar aussichtslose Paartherapiesitzung entwickelte. Denn bis zur Pause ist der Therapeut auf der Bühne genau so wie die mitfühlenden Zuschauer buchstäblich „am Ende mit dem Latein“.

Nicht einmal der verordnete Rollentausch (einfach zum Wegschmeißen komisch dargestellt) konnte die Streithähne gefühlsmäßig erreichen. Bis schließlich der Doktor aus zunächst unerfindlichen Gründen für die Beteiligten „Trennung als Ausweg“ ins Spiel brachte. Sich heftigst gegen diesen Gedanken wehrend, fiel Joana und Valentin plötzlich eine Veränderung im Wesen ihres Therapeuten auf, welche sich ihnen gegenüber aus einer Textnachricht auf des Doktors Smartphone erklärte.

Angesichts dieser Zeilen, welche eine für den plötzlich beim Vornamen genannten Dr. Harald „vernichtende“ Konsequenz nahe legen, entwickelt das Paar auf einmal Empathie gegenüber dem Dritten und unter diesem Anreiz sogar für einander. Einfach köstlich zu erleben, wie aus der „rechthaberischen Quasselstrippe“ und dem „sich für unfehlbar haltenden Eisblock“ auf der Bühne sichtlich einfühlsame Menschen werden, die sich angesichts der vermeintlichen Herausforderung mehr und mehr öffnen, aus sich heraus gehen und dabei Gemeinsamkeiten entdecken, welche sie „schon vor Ewigkeiten“ verloren zu haben glaubten.

Spontan praktizieren die Kontrahenten „dem leidenden Harald zu Liebe“ sogar jene im ersten Anlauf so kläglich gescheiterte „Wunderübung“ und gehen als neuverliebtes Paar „von dem man noch etwas lernen könne“ ab, während ihnen der Therapeut selig lächelnd hinterher blickt. Dass der Doktor darauf (nur für das Publikum hörbar) in einem Anruf bei seiner vorgeblich gerade abgehauenen Ehefrau über seinen gelungenen Kunstgriff einer „paradoxen Intervention“ aufklärt und nebenher in (während der Paatherapie zuvor als krisenträchtig entlarvte) Stereotype verfällt, lässt die über gut zwei Stunden mitfiebernden Zuschauer im Saal geradezu explodieren. Nicht enden wollender Beifall verabschiedet die Lübecker, welche von diesem Echo überwältigt zum Ausdruck bringen, dass man sich gern bald wiedersehe – egal ob in Dechow oder vielleicht in ihrem Stammhaus „um die Ecke“.

Die Kulturtage Dechow indes laden nach diesem furiosen Auftakt am 12. Mai zu erlesenem Chanson-Kabarett ein.  

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