pflegeplanung : Wohnumgebung nur mangelhaft

Barrierefreiheit steht für ältere Menschen ganz oben auf der Wunschliste.
Barrierefreiheit steht für ältere Menschen ganz oben auf der Wunschliste.

Ältere Bürger fühlen sich wohl zwischen Lützow-Lübstorf, Gadebusch und Rehna - Doch es gibt auch Nachholbedarf

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19. August 2015, 23:55 Uhr

Die gute Nachricht vorweg: Ältere Bürger in den Ämtern Lützow-Lübstorf, Gadebusch und Rehna wohnen gern dort, wo sie es jetzt tun und wollen auch im hohen Alter in ihren vier Wänden bleiben. Die nachdenkliche, wenn nicht sogar alarmierende Nachricht: Die Wohnumgebung bewertet gut die Hälfte als mangelhaft. Das ergab die aktuelle vom Landkreis in Auftrag gegebene Studie zur Pflegesozialplanung mit dem Schwerpunkt „Wohnen im Alter“.

Demnach beklagen sich 44 Prozent der befragten Senioren über 75 Jahre aus dem Raum Rehna über Mängel in der Wohnumgebung, während dies im Raum Lützow-Lübstorf schon 49 und rund um Gadebusch sogar 57 Prozent der Befragten tun. Doch was bedeutet dies im Detail, wo hakt es, was wünschen sich diese ältere Mitmenschen?

Für Dreiviertel der Befragten steht eine „generationenfreundliche Einkaufswelt“ ganz oben auf der Wunschliste. Geschäfte also, die das Einkaufen gerade auch für ältere Menschen erleichtern: leicht zugängliche Eingangsbereiche, Warenregale in Augenhöhe, eindeutige und gut lesbare Beschilderung, Sitzgelegenheiten, Kunden-Toiletten, Getränkeangebot und nicht zuletzt hilfsbereite Mitarbeiter, die Probleme im persönlichen Gespräch schnell und unkompliziert lösen. Keine Zukunftsmusik übrigens, in anderen Bundesländern werden von den Einzelhandelsverbänden sogar schon Qualitätszeichen „Generationenfreundliches Einkaufen“ an Einzelhändler vergeben, die genau diese Kriterien erfüllen.

Einkaufen ist das eine, doch auch eine zentrale Informations- und Anlaufstelle für pflegebedürftige Menschen und deren Angehörige wünschen sich ältere Menschen. Vorbildlich hier schon heute: Gadebusch. „Hier stellt die Stadtverwaltung dem Pflegestützpunkt Nordwestmecklenburg einmal pro Woche einen Raum für öffentliche Sprechstunden zur Verfügung“, sagt die Karla Krüger. Und dies sogar kostenlos. Ein Service, der nach Aussage der 2. stellvertretenden Landrätin besser angenommen werde, als erwartet. Hier sollen den Menschen Tipps und Hilfsmöglichkeiten aufgezeigt werden, vom Ausfüllen von Anträgen, über den geplanten Einbau von Badewannen- oder Treppenliften bis zur Schaffung rollstuhlgerechter Wohnungen. Sprechtag ist jeweils donnerstags von 9 bis 12 Uhr im Rathaus Gadebusch.

Doch es gibt auch Mängel. Stichwort Tagespflege: Diese erfolgt zu Hause, um vor allem auch die Angehörigen zu entlasten. Lediglich in Gadebusch gibt es einen Anbieter, der sich um 13 Bedürftige kümmert.

Stichwort Kurzzeitpflege: Hier werden pflegebedürftige Personen vorübergehend in einer vollstationären Einrichtung gepflegt und betreut, sollen anschließend wieder in ihre Privathaushalte zurückgeführt werden. Fast komplett Fehlanzeige.

Stichwort betreutes Wohnen: Lediglich in Gadebusch gibt es dafür derzeit 56 Plätze.

Gut ausgebaut hingegen sind Angebote der stationären Pflege, diese liegen mit 297 Plätzen sogar über Landes- und Bundesdurchschnitt.

Fazit: Alt werden im Nordwesten – ja bitte. Aber bis es soweit ist, sollte noch so Einiges für jetzige und künftige Senioren geschehen.

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