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Hausschlachtung in Dorf Mecklenburg : Wo ist denn überhaupt die Sau?

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Gut 500 Besucher kamen trotz Schneegestöber und glatten Straßen zum Kreisagrarmuseum in Dorf Mecklenburg, um das fachgerechte Zerlegen eines Borstenviehs nach Hausschlachterart mitzuerleben.

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erstellt am 12.Feb.2013 | 10:05 Uhr

Dorf Mecklenburg | Mecklenburger und andere Gäste ließen sich vom Schneegestöber und glatten Straßen nicht beeindrucken. Gut 500 Besucher kamen zum Kreisagrarmuseum, um fachgerechtes Zerlegen eines Borstenviehs nach Hausschlachterart mitzuerleben.

Doch zunächst stand lautstark die Frage im Raum: "Wo ist denn überhaupt die Sau". Das krakelten mopedschiebend in bester "Bauer Piepenbrink"-Manier zwei Nordlichter den bereits ungeduldig wartenden Massen entgegen. Unter der Kostümierung verbargen sich, sehr zur Erheiterung des Publikums, die Museumsakteure Falko Hohensee und Niels Bratschowsky. Bei spaßigen Wortgefechten kam sogar ein Uralt-Telefon ins Spiel. Ergebnis Null. Blieb nur noch das optische BGR-Signal. Wer es bis dahin noch nicht kannte: Winken mit der blau-gelb-roten Mecklenburg-Fahne. Das amüsante Vorspiel, aus der Spontanität heraus, kam bei den Massen gut an.

Mit der Ankunft eines Oldtimertraktor kam auch per Hänger die bereits tote Sau an. Zeitgleich ließ DJ Bechi mit seiner mobilen Diskothek die Wartenden musikalisch wissen: "Da wird die Sau geschlachtet…"! Und die ist mit satten 142 Kilo recht stattlich geraten. Entgegen der heutigen industriellen Aufzucht genoss das Tier bei biologischer Haltung in Hof Wölschendorf bei Gadebusch ein glückliches Schweineleben - bis die Dargels kamen.

Das ortsansässige Fleischerunternehmen übernahm einmal mehr den Ablauf der Hausschlachterei: Abglocken der Borsten mit viel heißem Wasser und anschließendes Abbrennen. Während Fleischermeister Georg die Gesamtaktion leitete, erklärte Sohn Jörg humorvoll die einzelnen Arbeitsschritte. Hing die Sau endlich am Krummholz, begann der eigentliche Schlachtprozess. Mit scheinbarer Leichtigkeit schlitzte Dargel Junior das Tier bäuchlings auf und entnahm gekonnt die Innereien. "Hier ist die Galle, also vorsichtig sein, um nicht deren Blase zu verletzen, sonst gibt es bitteres Fleisch und sauere Gesichter ", war auch dies erklärt. Mit einem scharfen Schlachterbeil entstanden zum Schluss zwei Schweinehälften.

"Das war’s von unserer Seite", so die letzte Ansage. Spontaner Beifall belohnte nach kaum einer Stunde den öffentlich zur Schau gestellten Handwerkerfleiß. Der galt ebenso den beiden Helfern Lutz Rosemund aus Dorf Mecklenburg und Lilly Müller aus Gallenthin. Der Abschluss gehörte wie immer der autorisierten Fleischbeschauerin, Tierärztin Petra Bolbeth. Denn ohne ihre Beglaubigung durfte davon nichts verzehrt werden. Wer schon beim Schlachten gut aufpasste, hatte leichtes Spiel bei einem Preisrätsel. Vier Anerkennungen, darunter ein gut gefüllter Präsentkorb aller beteiligten Stände, waren der Lohn für’s Mitmachen.

"Sehr gelungen und geradezu prädestiniert für den Museumsstandort Dorf Mecklenburg", so Carl-Hermann Meyer (76) aus Wismar. Da er selbst noch das Hausschlachten aus den Zeiten der 1950-er Jahre kennt, sollte es diese Veranstaltungen nicht nur weiter geben. Er könnte sich sogar vorstellen, das alles noch weiter auszubauen, zu Gunsten einer vergrößerten Vorführfläche. Giana und Sebastian Burba aus Wismar erlebten diese Art der Entstehung von Schweinekoteletts gemeinsam mit ihren Kindern Helene und Hanna zum ersten Mal. Ihr Fazit: "Wir haben darüber aus den Medien erfahren und es war für uns als ganze Familie sehr lehrreich."

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