Naturnah : Wo die wahren Kräfte schlummern

Würziger Duftspender und Insektenvertreiber: Ein Kräuterstrauß aus Johanniskraut, Salbei, Majoran und Kamille. Fotos: Das Gartenarchiv/Endrulat
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Würziger Duftspender und Insektenvertreiber: Ein Kräuterstrauß aus Johanniskraut, Salbei, Majoran und Kamille. Fotos: Das Gartenarchiv/Endrulat

Johanniskraut hilft gegen Hexenschuss, Gichtschmerzen und bei der Wundheilung. Ein Kranz aus Beifuß soll in der Liebe helfen

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20. Juni 2015, 00:15 Uhr

Um den Johannistag, den 24. Juni ranken sich viel Mythen und Geschichten. Nächste Woche Mittwoch ist es wieder soweit. Es ist der Geburtstag des heiligen Johannes, in der Landwirtschaft begann traditionell die Erntesaison und man erntete allerlei Kräuter, weil an diesem Tag ihre Wirkstoffe und Aromen besonders konzentriert und kräftige sein sollten. Bis in unsere Tage gibt es in vielen Regionen noch das Johannisfeuer, ein Symbol für das Leben und die Sonne. Der Brauch ein Johannisfeuer zu entzünden, ist bis in die vorchristliche Zeit belegt und hat auch etwas mit Sonnenwendfeiern zu tun, die zur Sommersonnenwende zwischen dem 20. und 22. Juni abgehalten wurden.

Dem Johannistag und dem Johannisfeuer wird allerlei angedichtet. So soll man zum Beispiel ein Jahr lang vor Krankheiten gefeit sein, wenn man sich einen Gürtel aus Beifuß oder Beinwell um die Taille bindet und einen Kranz aus denselben Pflanzen auf den Kopf setzt. Man muss jetzt nicht ein ganzes Jahr damit herumlaufen, sondern nur einige Male in diesem Blätterkostüm durch ein Johannisfeuer springen. Ob man darunter noch etwas trägt, weiß ich jetzt nicht. Auf jeden Fall wäre es bei der derzeitigen Wetterlage ratsam. Sonst klappt es schon am ersten Tag mit dem Krankheitsschutz nicht, weil man sich eine Unterkühlung zugezogen hat.

Übrigens hilft das durch das Feuer springen auch in Liebesdingen. Man wickelt sich eben diese Blätter um Bauch und Kopf, nimmt seine Liebste oder seinen Liebsten an die Hand und springt durch die Flammen. Ich werde das aber in diesem Jahr nicht machen. Nicht weil mein Liebesleben in Ordnung ist sondern weil ich unseren Gästen auf dem Kastanienhof den Anblick eines Halbnackten, der mit Blättern auf dem Kopf und um die etwas drallere Taille gewickelt durch ein großes Feuer springt, ersparen möchte.

Ich werde mich stattdessen dem Kräutergarten zuwenden und tatsächlich das eine oder andere Kräutlein ernten. Denn es ist wirklich so, das viele Pflanzen jetzt ihre optimale Erntereife haben. Das Johanniskraut blüht jetzt. Aus den Blütenblättern lässt sich ein Vortreffliches Einreibemittel gegen Hexenschuss, Gichtschmerzen und zur Wundheilung herstellen. Die Blüten werden frisch in ein Glas mit Öl gelegt und für drei bis vier Monate hell aufgestellt. Danach wird das Ganze durch ein Sieb gegossen. Das so gewonnene inhaltsstoffreiche Öl kann dann für obige Zwecke eingesetzt werden. Auch die Küchenkräuter wie Majoran, Thymian, Bergbohnenkraut, Minze, Dill und Estragon ernte ich jetzt. Sie werden grob zerkleinert eingefroren oder getrocknet und gerebbelt in Dosen aufbewahrt. Um den Johannistag herum stehen aber auch noch andere Gartenarbeiten an. Die sogenannten Johannistriebe an Obstgehölzen wie Berrensträuchern und Wein werden eingekürzt um einen größeren Fruchtertrag zu erhalten.
Die Spargel und Rhabarberernte endet ebenfalls am Johannistag. Denn die Pflanzen müssen sich jetzt von der für sie kräftezehrenden Ernte erholen.

Am Johannistag endet zudem die Pflanzsaison. Was bis jetzt nicht an Spätgemüse und Herbstblumen ausgepflanzt ist wird nicht mehr so richtig gedeihen. Ein kleines Johannisfeuer im Feuerkorb werden wir vielleicht ob der kühlen Temperaturen dennoch anzünden. Und eine Tasse Tee aus frischen Gartenkräutern hält vielleicht auch eine Erkältung fern.

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