Hetze gegen Asylbewerber : Wismar will keinen „Spaziergang“

In der Anonymität des Internets hetzen einige Facebook-Nutzer gegen Flüchtlinge und Asylbewerber in der Hansestadt.
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In der Anonymität des Internets hetzen einige Facebook-Nutzer gegen Flüchtlinge und Asylbewerber in der Hansestadt.

Im sozialen Netzwerk Facebook wird gegen Asylbewerber in Wismar gehetzt. Initiatoren wollen in der Stadt demonstrieren.

svz.de von
17. Juli 2015, 08:00 Uhr

Die Hansestadt präsentiert sich als neugierig, weltoffen und tolerant. Dieser Ruf gerät nun in Gefahr.

Im sozialen Netzwerk Facebook hat sich eine Gruppe gegründet, die gegen vermeintlichen Asylmissbrauch in der Hansestadt wettert. In der Anonymität des Internets hetzen die Mitglieder der Gruppe gegen Flüchtlinge und Asylbewerber.

In der Hansestadt schaut man derzeit mit einiger Sorge auf diese Umtriebe, denn die Initiatoren der Seite haben angekündigt, einen „Spaziergang“ durch Wismar machen zu wollen, wenn genug Leute ihre Seite für gut befinden. Nun sieht es tatsächlich so aus, also ob sie die selbstgesteckte Hürde überspringen würden. Die Seite sympathisiert mit Bewegungen wie Bärgida. Sie sind ähnlich ausgerichtet wie Pegida, die wochenlang durch Dresden „spazierten“ und eine angebliche Islamisierung des Abendlandes fürchteten.

Doch in Wismar regt sich Widerstand. „Es gibt in der Stadt genug umtriebige Menschen, die dann eine Gegendemo auf die Beine stellen“, sagt Marco Trunk, Sprecher der Stadt. Glücklicherweise, sagt Trunk, rege sich immer sofort der zivile Widerstand. „Wir erarbeiten gerade ein Konzept, wie wir die Willkommenskultur in der Hansestadt noch besser gestalten können.“

Unmittelbar nachdem die Spaziergänger online gegangen sind, kam aus Wismar die Antwort: Pro Asyl Wismar. Eine Nacht, sagen die drei Gründer der Seite, haben sie drüber geschlafen bevor klar war: Wir wollen was tun.

Sie setzt sich dafür ein, aufzuklären und um Verständnis für Flüchtlinge und Asylbewerber zu werben. Die Mitstreiter versuchen nicht nur das, sondern sie kümmern sich auch um die Sorgen der Asylbewerber und die Probleme des Alltags. So geht es beispielsweise darum, Freizeitmöglichkeiten bei Sportvereinen zu organisieren. Vereine wie Anker Wismar unterstützen das.

Unweit der Hansestadt, in Jamel, beobachtet man ebenfalls das Geschehen. Birgit Lohmeyer kämpft mit ihrer Initiative gegen rechtes Gedankengut. Jedes Jahr stellen Birgit Lohmeyer und ihre Mitstreiter das Festival „Forst Rock – für eine bunte Welt“ auf die Beine, das mittlerweile über die Grenze des Landes hinaus bekannt ist. „In den sozialen Netzwerken wird eine Welt gezeichnet, die es in der Realität so zum Glück nicht gibt“, sagt sie. Denn die Demokraten seien zum Glück in der Überzahl. Sollte doch der „Spaziergang“ zustande kommen, „dann werden wir auf der anderen Seite da sein“.

Nach Angaben der Stadt Wismar liegen zurzeit noch kein Antrag für den „Spaziergang“ vor. Der muss mindestens 48 Stunden vorher eingereicht werden.

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