zur Navigation springen

Schwedenfest lockt Besucher an die Mecklenburger Ostseeküste : Wismar wieder in Hand der Schweden

vom

Mit viel Getöse und Geballer nahmen die Schweden am Wochenende Wismar in Beschlag. Zum Glück nicht als Besatzer wie 1632. Nein, zum alljährigen Schwedenfest kamen die ehemaligen Besatzer mit friedlichen Absichten.

svz.de von
erstellt am 18.Aug.2013 | 07:11 Uhr

Wismar | Mit viel Getöse und Geballer nahmen die Schweden am Wochenende die Hansestadt Wismar in Beschlag. Zum Glück nicht als Besatzer wie 1632, als die schwedischen Truppen die Stadt eroberten. Nein, zum alljährigen Schwedenfest kamen die ehemaligen Besatzer mit friedlichen Absichten - zum gemeinsamen Feiern.

Das große Volksfest zwischen Hafen und Marktplatz lockte die Menschen auch von weiter her. "Wir sind extra aus Neustrelitz für ein verlängertes Wochenende nach Wismar gekommen", so Beate und Mike Landt. "Ich gucke immer SOKO Wismar", erzählte Beate (46) - jetzt wollte sie die Stadt auch mal im Original erleben. Über das, was in der Stadt geboten wurde, staunte das Paar. Angefangen von den Kanonen am Hafen.

Nils Knippschild (49) aus Wismar gehörte zu den Schützen, der Zimmermeister hat sich eine "Preußische Lafette" gebaut. Theoretisch kann er damit eine vier Kilogramm schwere Kugel 1,6 Kilometer weit schießen. Ein Nachbar, mit dem man es sich wohl nicht verscherzen sollte. In Wismar schoss er - sehr zur Freude der Segler - nur mit Schwarzpulver in die Luft. "Bis 500 Gramm Schwarzpulver braucht man für einen Böllerschuss", erklärte das Mitglied der Brühler Schützengilde.

Derweil schwitzten die vielen Soldaten aus dem 19. Jahrhundert sichtlich in ihren schweren Uniformen. Auf dem Markt hatten die "schwedischen Truppen" mit Frauen und Kindern traditionell ihr Lager bezogen, zeigten Handwerk und eben auch Kriegsmaschinerie.

Dazu die Wismarer Schützen. "Ich stelle einen Kommandeur der Mecklenburger Musketiere um 1806 bis 1815 dar", so Wilfried Höer (63) aus Wismar. Mit seinen Männern zog er vor das Rathaus zur Wachablösung mit den schwedischen Truppen. Gustafsson Kåge, der Kapitän der schwedischen Truppe, schwitzte mit seiner Lockenperücke noch mehr. "Wir sind seit wohl zwölf Jahren jedes Jahr in Wismar. Es ist immer sehr schön hier, eine tolle Stadt. Und auch wenn es warm ist unter der Perücke, ich lächle!", erzählt er.

Erika Plessen (72) lächelte zurück. Und fragte: "Was ist hier eigentlich los?" Die Urlauberin aus dem Ruhrgebiet war nur durch Zufall in der Stadt zum Schwedenfest. Die Antwort war unter dem Publikum schnell gefunden, denn Wismar gehörte nach dem Dreißigjährigen Krieg zu Schweden, wurde dann 1803 zurück an Mecklenburg verpfändet für 100 Jahre. 1903 verzichteten die Schweden auf die Einlösung des Pfandes, die Stadt blieb mecklenburgisch. Das Schwedenfest erinnert an die 155-jährige Zugehörigkeit der Stadt zu Schweden. "Aha, das ist ja beeindruckend", so Erika Plessen mit Blick auf die historisch gewandeten Truppen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen